Handymarkt erholt sich langsamer als erwartet
Nokia schockt Aktienmärkte mit gesenkter Prognose

Eine unerwartet negative Prognose des finnischen Telekommunikationskonzerns treibt die Nokia-Aktie und die der Konkurrenten in den Keller. Dagegen liegen die Zahlen für das erste Quartal über den Erwartungen. Der Konzern hat Probleme mit seiner Netzwerksparte.

hst STOCKHOLM. Obwohl der finnische Telekommunikationsriese Nokia mit seinen Zahlen für das erste Quartal 2002 die Erwartungen der meisten Analysten übertraf, gab es nicht nur in Helsinki lange Gesichter. Eine pessimistische Prognose für den Rest des Jahres zog die Nokia-Aktie zeitweise bis zu 10 % ins Minus und riss die Titel der Konkurrenz mit nach unten. Den Finnen gelang es, den in den vergangenen Tagen zurückgekehrten Optimismus an den Aktienmärkten in Sekundenschnelle wieder zu zerstören.

Der größte Handy-Hersteller der Welt revidierte seine Umsatzprognose für das gesamte Jahr auf 4 bis 9 % nach unten. Zuvor waren die Finnen noch von einem 15 %-igen Wachstum ausgegangen. Nokia-Chef Jorma Ollila erklärte in Helsinki, dass die Erholung der seit über einem Jahr angeschlagenen Telekommunikationsbranche wegen der verhaltenen Investitionsbereitschaft langsamer als zunächst erwartet kommen werde. Für Europa rechnet er im laufenden Jahr noch mit keiner spürbaren Verbesserung der Situation. "Wir erwarten den Aufschwung erst 2003", so Ollila. Besonders der langersehnte Übergang zum Mobilfunkstandard der dritten Generation werde langsamer als erwartet vor sich gehen. "Die Effekte des 3G-Standards auf die Umsätze in diesem Jahr werden geringer ausfallen, als wir gedacht hatten", umschrieb Ollila die weitere Verzögerung von UMTS.

Während das Handy-Geschäft der Finnen nur leichte Rückgänge verzeichnete, aber dennoch dem Konzern einen hohen Gewinn bescherte, verlief die Entwicklung der Netzwerk-Sparte enttäuschend. "Es gibt keinen Zweifel, dass sich die Branche weiterhin in Schwierigkeiten befindet", so der Nokia-Chef. Sein Konzern verzeichnete bei Netzwerken einen Umsatzrückgang von 29 %. Zwar konnten die Finnen in den vergangenen Wochen mehrere Großaufträge an Land ziehen, doch offenbar ist der Preisdruck größer geworden. Die Umsatzrendite sank von 18 % im ersten Quartal 2 001 auf 10,2 %. Für das laufende Jahr rechnet Ollila mit einem Wachstum von 0 bis 5 %, auch das eine pessimistischere Prognose als noch vor wenigen Wochen, als man von einem Plus von 15 % ausging.

Die revidierte Prognose der Finnen löste bei Stockholmer Analysten Verwunderung aus. "Das war eine strategische Entscheidung, um im verbleibenden Jahr wieder gute Ergebnisse präsentieren zu können", glaubt Håkan Wranne, Telekommunikationsanalyst bei Fischer Partners. Immerhin habe Nokia gleichzeitig mit der revidierten Prognose betont, dass das Schlimmste in diesem Jahr vorüber sei. "Das Vertrauen in Nokias Prognosen hat gelitten", meinte ein anderer Analyst und deutete ebenfalls an, dass Nokia bewusst die Erwartungen heruntergeschraubt hat, um später wieder glänzen zu können. Er bezog sich auf Meldungen aus den USA und China, wo die Zahl neuer Mobilfunkabonnenten deutlich steige. Außerdem hätten wichtige Zulieferer von Nokia und anderen Handy-Herstellern in den vergangenen Tagen erklärt, dass die Nachfrage nach Komponenten wieder steige.

Die Umsatzwarnung von Nokia stellte die über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen vollkommen in den Schatten. Das lag auch daran, dass der finnische Konzern seine Prognose über die Anzahl verkaufter Handys in diesem Jahr nach unten korrigierte. War Nokia bislang von rund 420 bis 440 Millionen verkaufter Handys weltweit ausgegangen, rechnet das Unternehmen nun nur noch mit etwa 400 bis 420 Millionen. Damit liegen die Finnen auf einer Linie mit dem US-Konkurrenten Motorola, der Anfang der Woche ebenfalls den Handy-Markt 2002 auf rund 420 Millionen Geräte einschätzte. Große Hoffnungen hegt Ollila auf den Austausch von älteren Mobiltelefonen. Er rechnet damit, dass in diesem Jahr 50 bis 55 % aller verkauften Handys Austauschgeräte sind und bestätigte noch einmal das Ziel, am Jahresende einen Weltmarktanteil bei Handys von 37 bis 38 % zu haben.

Der Konzern setzte in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 12 % weniger um als noch im 1. Quartal vergangenen Jahres. Der Vorsteuergewinn lag zwar leicht unter dem Vorjahresquartal, aber deutlich über den Erwartungen der meisten Experten. Während die meisten anderen Mobiltelefonhersteller rote Zahlen schreiben, kommt Nokia auf eine Marge von 22,2 %. Und Ollila zeigte sich davon überzeugt, dass diese Spanne gehalten werden kann.

Quelle: Handelsblatt

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