Hannawald als Sorgenfall: DSV-Adler lassen die Flügel hängen

Hannawald als Sorgenfall
DSV-Adler lassen die Flügel hängen

Sven Hannawald verkroch sich im Hotelzimmer, seine Kollegen suchten Ablenkung beim Ski fahren: Die einst so stolzen DSV-Adler ließen am Tag nach dem ersten medaillenlosen WM- Auftritt seit zehn Jahren die Flügel hängen. Vor allem Überflieger Hannawald droht ausgerechnet bei den Titelkämpfen zum Sorgenfall zu werden. "Es ist klar, dass der Junge immer fester wird, weil er die Welt nicht mehr begreift", erklärte Bundestrainer Reinhard Heß.

HB/dpa VAL DI FIEMME. Bei Hannawald saß die Enttäuschung über das doppelt verpasste Edelmetall besonders tief. "Das ist eine schwierige Situation für mich. Ich werde mich zwar nicht eingraben, aber einen Tag in meinem Zimmer liegen bleiben", meinte der Hinterzartener. Etwas drastischer formulierte es Michael Uhrmann: "Ohne Medaille heim zu gehen ist beschissen", sagte der Bayer, den besonders die Chancenlosigkeit im Team-Wettbewerb deprimierte. "Wenn man sieht, wie weit weg wir vom dritten Platz waren, ist das hart."

Im Gegensatz zu seinen Athleten ging Heß sehr gefasst mit dem Misserfolg um und bemühte sich um eine sachliche Analyse. "Ich glaube nicht an eine Krise. In den letzten zehn Jahren haben wir so viel für diesen Sport getan, da muss man auch mal mit solch einer Situation klar kommen. In unserem Gesamtsystem hat hier irgend etwas nicht funktioniert", sagte der Bundestrainer. Eine Schanze bleibe zwar eine Schanze, aber auf der WM-Anlage in Predazzo seien die deutschen Springer mit ihrer aggressiven Absprungtechnik im Nachteil gewesen.

Der Thüringer räumte allerdings auch Fehler ein, die er in dieser Saison gemacht und zu verantworten habe. "Martin Schmitt hat nicht die athletische Basis. Er hätte nicht zur Tournee springen dürfen", erklärte der Coach, der jedoch um die Zwänge den Sponsoren und Fans gegenüber weiß. So habe das Team im WM-Winter nicht einmal auf der Schanze in Predazzo trainieren können, weil diese zum einzig möglichen Termin nicht präpariert gewesen sei. "Den Weltcup in Willingen oder am Kulm, wo die Fans ihre Helden sehen wollen, kann ich nicht auslassen. Ein gezielter Aufbau, wie ihn Adam Malysz hatte, ist in Deutschland nicht mehr möglich", beklagte Heß die nicht optimale Wettkampfvorbereitung.

Für ihn ist der Rückschlag jedoch kein Grund, sich in den Ruhestand zu verabschieden, sondern Motivation für die Zukunft. "Wenn ich mit dem Gedanken schwanger gegangen wäre, nach der WM aufzuhören, würde ich ihn jetzt verwerfen", meinte 57-Jährige, der seit 1994 im Amt ist. Er sieht sich nun, vor allem für seine Spitzenspringer, als Psychologe gefordert. "Ich bewundere Martin, wie er mit der Situation äußerlich ruhig umgeht. Ich glaube aber, innerlich sieht es ganz schlimm aus", meinte Heß.

Ähnliches befürchtet der Bundestrainer bei Hannawald, der als sensibler Typ bekannt ist. "Wir brauchen bestimmt eine Woche oder 14 Tage, um ihn wieder aufzurichten. Aber es wird uns gelingen", meinte Heß. Schon beim Weltcup in Oslo Anfang März rechnet er wieder fest mit seinem Vorzeigespringer. "Ich glaube, da fliegt er wieder davon. Ich denke auch, dass Sven den Gesamt-Weltcup gewinnt. Dann wird man Predazzo vergessen. Er darf hier nur nicht zerbrechen", sagte Heß.

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