Hannawald fliegt nur auf Rang 36: Erst Superlative, dann vom Winde verweht

Hannawald fliegt nur auf Rang 36
Erst Superlative, dann vom Winde verweht

Der ausgelassenen Siegesfeier nach dem Sprung ins Gelbe Trikor folgte der Frust über die Niete in der Windlotterie von Willingen. Einen Tag nach dem sechsten Saisonsieg kam Sven Hannawald im letzten Skispringen vor der Weltmeisterschaft bei irregulären Bedingungen lediglich auf Rang 36.

HB/dpa WILLINGEN. Nach der Gala- Vorstellung vom Samstag fährt der Hinterzartener trotz der Pleite vom Sonntag als Weltcup-Spitzenreiter und Top-Favorit zu den Titelkämpfen vom 18. Februar bis 1. März in Val di Fiemme. "Ich will keine Kritik üben. Aber das war wirklich blöd. Der Wind war gar nicht zu berechnen", sagte Hannawald.

Der Wettbewerb am Sonntag darf nicht als Maßstab gelten, weil ständig wechselnde Windbedingungen den meisten Spitzenspringern keine reelle Chance ließen. Davon profitierten Noriaki Kasai und Hideharu Miyahira, die der Wind auf 147 bzw. 144 m und damit zum japanischen Doppelsieg trieb. "Das war ein Muster ohne Wert. Es war menschlich nicht möglich, einen fairen Wettkampf zu steuern. Ich frage mich, warum man nicht den Mut besitzt, einen solchen Wettbewerb nicht zu werten", übte Bundestrainer Reinhard Heß scharfe Kritik.

Im Anschluss überraschte der Thüringer mit der Nominierung des wegen Grippe in Willingen fehlenden Maximilian Mechler (Isny) als fünftem WM-Fahrer. "Wenn man nach den Nominierungsprinzipien geht, hat es keiner außer dem schon feststehenden Quartett geschafft. Bei der Teilerfüllung schneidet Mechler am besten ab", begründet Heß die nach seiner Ansicht fairste mögliche Entscheidung. Hannawald, Martin Schmitt (Furtwangen), Michael Uhrmann (Rastbüchl) und Georg Späth (Oberstdorf) hatten bereits als WM-Starter festgestanden.

Am Samstag hatte Hannawald nach seinem insgesamt 18. Weltcup- Erfolg das Bad in der tobenden Menge genossen. Vor 34 000 Zuschauern hatte der 28-Jährige für neue Superlative gesorgt. Für seine perfekten Sprünge auf 142 und 147 m erhielt er von den Wertungsrichtern gleich neun Mal die Höchstnote 20 und verbesserte mit 328,2 Punkten seine eigene Rekordmarke um 9,1 Zähler. "Dieser Tag wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Das war Lust pur", schwärmte der Skiflug-Weltmeister, der am Sonntag nur bei 108 m und auf Platz 36 landete.

Im Gesamt-Weltcup führt Hannawald trotz des Absturzes mit 1001 Punkten vor dem Österreicher Andreas Widhölzl (990) und dem Finnen Janne Ahonen (964). "Der Samstag war ein denkwürdiger Tag für mich, weil ich mir zum ersten Mal das Gelbe Trikot überstreifen konnte", sagte der Schwarzwälder. "Ich freue mich, dass ihm dies gelungen ist. Eigentlich war der Gesamt-Weltcup für uns ein sekundäres Thema, aber seit vergangener Woche spielt es eine größere Rolle", erklärte Heß.

Dies war für den Thüringer allerdings der einzige Grund zur Freude, denn die anderen DSV-Springer präsentierten sich weit unter Normalform. "Die größten Sorgen macht mir Martin Schmitt. Wir brauchen ihn dringend. Ich hoffe, dass wir ihn bis zur WM noch auf das Gleis bekommen", erklärte der Bundestrainer.

Nach Platz 22 am Samstag verpatzte Schmitt seinen Sprung am Sonntag und wurde mit 95 m lediglich 45. "Das waren keine normalen Bedingungen, deshalb verunsichert mich dieser Sprung nicht. Ich weiß aber, dass ich noch einiges aufzuholen habe", meinte der viermalige Weltmeister vom SC Furtwangen. Kaum besser erging es den anderen deutschen Springern, von denen Späth am Samstag als 17. zweitbester Deutscher und Michael Neumayer (Berchtesgaden) am Sonntag mit Platz 17 sogar bester DSV-Springer war.

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