Hans Andersson ist Deutschland-Chef der Modekette Hennes & Mauritz
H&M-Chef Andersson ist ein Trend-Kopierer

Wenn sich am Montag die Designer und Kaufleute des Modegeschäfts auf der Branchenmesse CPD in Düsseldorf treffen, wird Hans Andersson, Deutschland-Chef von Hennes & Mauritz, nicht dabei sein.

HB DÜSSELDORF. Gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, wird er an seinen Schreibtisch in Hamburg sitzen. Die schwedische Bekleidungskette sucht man seit Jahren vergeblich auf dem weltgrößten Modeevent. Die Messe der Kreativen ist nicht Anderssons Welt. Lieber vertraut er seinen 70 Designern, die sich um die neuen Trends kümmern.

Auch Stars tragen Kleidung von H&M

H & M, der Discounter unter den Modemarken, hat in der Branche nicht den besten Ruf: H & M kopiere zu viele Trends und schmeiße die Ware dann zu aggressiven Preisen auf den Markt, wettern die Konkurrenten. Andersson ficht das nicht an. Immerhin würden sich auch Stars dazu bekennen, H-&-M-Kleidung zu tragen.

Die Zahlen geben dem gelernten Betriebswirt Andersson Recht - H & M gehört in Deutschland bereits zu den sechs größten Textileinzelhändlern, obwohl das Unternehmen erst seit 1980 auf dem Markt ist. 211 Filialen haben die Schweden schon, bis Dezember sollen weitere elf hinzukommen, im kommenden Jahr 15 bis 20. An jeder Ecke ein Laden mit den zwei rot leuchtenden Lettern? "Irgendwo gibt es sicherlich eine Grenze", sagt der 49-Jährige. Aber die sei noch nicht erreicht.

Seit 1994 setzt der groß gewachsene Manager die Strategie der schwedischen Mutter als Geschäftsführer in Deutschland um. Er ist Chef von 8 500 Mitarbeitern, gibt sich aber wie einer von ihnen. Sein Markt ist mittlerweile der bedeutendste für den Konzern. "Im Grunde genommen ist das Business ziemlich einfach", sagte Andersson. Seiner Aussprache ist die schwedische Färbung auch nach vielen Jahren in Deutschland noch anzuhören. "Man braucht nur ein paar erfolgreiche modische Produkte." Hinzu käme ein Basissortiment, das sowieso jeder Textilfilialist regelmäßig einkaufe.

Modischer Firlefanz ein Fehler

Doch auch H &M musste Lehrgeld zahlen. Vor zwei Jahren hatte der Konzern sehr stark auf Trendprodukte und modischen Firlefanz gesetzt - und lag häufig daneben. Die Kunden traten in einen Käuferstreik, der Gewinn brach deutlich ein. "Es gehört schon sehr viel Fingerspitzengefühl dazu", relativiert Andersson denn auch. "Das Wichtigste ist: Rechtzeitig in einen Trend einsteigen, aber auch rechtzeitig wieder aussteigen. Das können nur Leute, die die richtige Mischung aus Bauchgefühl und Erfahrung haben."

Während Edeldesigner die Nase über das erfolgreiche Unternehmen rümpfen, kommt die Mode bei den Kunden gut an. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat herausgefunden, dass H & M zusammen mit Ikea als beliebteste Marke im deutschen Einzelhandel gilt. "79 Prozent aller Deutschen kennen uns", sagt Andersson mit gewissem Stolz. "Trotzdem, 21 Prozent müssen wir noch erobern." Zum Vergleich: Den Wettbewerber Esprit kennen etwa 77 Prozent, die Firma Mexx 39 Prozent der Bundesbürger.

Um den Kontakt zu den Kunden nicht zu verlieren, arbeitet Andersson, der sich von seinen Mitarbeitern duzen lässt, auch mal persönlich in einem Laden mit. "Das muss jeder bei uns machen", sagt der Vater von zwei Kindern. Für Starallüren gibt es bei H & M ohnehin keinen Platz. Und statt Designermöbeln stehen Ikea-Möbel im Büro.

Neue Erfahrungen in der Modebranche

Andersson hatte keinerlei Erfahrung in der Modebranche, bevor er zu H & M ging. Nach seinem BWL-Studium arbeitete er zunächst bei einer Reederei. "Im Tourismus war es meine Aufgabe, Menschen positive Erlebnisse zu verschaffen. Das ist auch bei H & M zentral: Bei uns soll Shopping Spaß machen."

Immer wieder wird H & M vorgeworfen, dass die Qualität der Ware zu wünschen übrig lasse. "In den vergangenen Jahren haben wir unsere Qualität enorm verbessert", verteidigt sich Andersson. "Außerdem bieten wir unseren Kunden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis." Häufig sei die Mode ohnehin nur eine Saison aktuell.

Dass die Umkleidekabinen in den Läden zu eng, die Gänge zwischen den Regalen zu schmal sind, lässt er schon eher als Kritik gelten. "In unseren neuen Filialen sieht es besser aus", sagt er. Auch am Problem der langen Wartezeiten an den Kassen arbeite H & M. Neue Kassensysteme sollen Abhilfe schaffen. Dennoch scheint ihm dieses Problem nicht die größten Sorgen zu machen. "Es ist besser, wir haben lange Schlangen, als dass die Läden leer wären." Und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: "Außerdem ist es ein Zeichen dafür, dass wir attraktive Waren anbieten."

Quelle: Handelsblatt

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