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Hans Dampf in allen Gassen

Hilfe, er ist zurück, der Jürgen W. Möllemann. Bis zum vergangenen Jahr hat er 28 Jahre ohne Unterbrechung im Bundestag gesessen, hat sich in dieser Zeit so manchen Rivalen herangezüchtet und war dann endlich im nordrhein-westfälischen Landtag von der bundespolitischen Bühne abgetaucht.

Nun kandidiert er wieder für den Bundestag. Parteichef Guido Westerwelle kommt ohne den größenwahnsinnigen Wahlzampano, der die FDP zu 18 Prozent führen will, wohl nicht aus. Möllemann ist ein Stehaufmännchen, ein unbequemer Politiker, der sich im Kampf gegen seine Parteifreunde immer wieder aus der Bredouille befreien konnte - bis zum Januar 1993, jenem rabenschwarzen Tag in der Karriere des fallschirmspringenden Überfliegers. Damals war Möllemann mal eben Bundeswirtschaftsminister, und sein Schwager wollte kleine Plastikchips für Einkaufswagen unters Volk bringen. Der Fußballfan Möllemann hatte dafür auf einem Brief mit Bundesadler geworben, ganz so, als handele es sich beim Einkaufen mit Plastikchips um eine Angelegenheit von besonders hohem staatlichen Interesse. Dem war aber nicht so, und deswegen musste Möllemann berechtigterweise vorzeitig seinen Hut nehmen.

Mittlerweile verteilt die FDP im Straßenwahlkampf selber kleine Chips für Einkaufswagen, Möllemann verdient als Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag viel Geld und gilt längst als rehabilitiert. Nun soll er für die Innenpolitik der Bundespartei zuständig sein. Innenpolitik? Nun gut, Möllemann kann ja alles. Aber eigentlich will der Ziehsohn des liberalen Übervaters Genscher, der ja auch mal Staatsminister im Auswärtigen Amt war, doch Außenminister werden. Kein deutscher Politiker war so oft in Saudi-Arabien und im Iran wie Jürgen W. Möllemann, Vorsitzender der deutsch-arabischen Gesellschaft. "Die FDP muss außenpolitische Kompetenz herausstellen", titelt das Parteiblatt der Liberalen für NRW und zeigt drei Fotos in einer Reihe: Außenminister Genscher, Außenminister Kinkel und den machtbewussten Westfalen Möllemann, der Arafat devot die Hand schüttelt. Nur: Auf Bundesebene soll sich FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt um die Außenpolitik kümmern. Pech für Möllemann.

Nun gut, Möllemann hat ohnehin durchblicken lassen, sollte es zum Machtwechsel auf Bundesebene mit einer Regierungspartei FDP nicht reichen, dann bleibt er im Düsseldorfer Landtag und genießt weiterhin seine opulenten Zulagen als Fraktionschef.

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