Hans-Joachim Tonnellier, Chef der Frankfurter Volksbank, setzt auf Fusionen und Kooperation mit Sparkassen
Der Querdenker unter den Genossenschaftsbankern

Es gibt sie noch: Rentabel arbeitende Kreditinstitute, die die Chancen in der Bankenkrise nutzen. Die Frankfurter Volksbank ist eines davon. Dessen Vorstandschef gilt als Architekt des Erfolges.

FRANKFURT/M. Das Erfolgsrezept klingt einfach: "Wir setzen die BVR-Strategie konsequent um", sagte Hans-Joachim Tonnellier. Der Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) will die Zahl der Genossenschaftsbanken bis 2007 auf 800 reduzieren.

Die Frankfurter Volksbank trägt unter Tonnellier mit ihrer aggressiven Expansionsstrategie dazu bei: 10 Übernahmen in den vergangenen fünf Jahren sind der einzige Weg, dem ruinösen Wettbewerb in der Bankenstadt Frankfurt zu entgehen. Das Risiko, das allen Fusionen anheftet, hat er bislang in Griff. Und die Zahlen geben der Strategie recht: Im schweren Bankenjahr 2002 verbesserten sich die Eigenkapitalrendite von 15,7 % auf 18,5 % und die Aufwand- Ertragsrelation von 74 % auf 68 %. Die Dividende wird um 23,3 % auf 7,4 % erhöht. Gemessen am Betriebsergebnis vor Steuern schneiden die Frankfurter mit 1,05 % der durchschnittlichen Bilanzsumme deutlich besser ab als das Gros der gut 1 400 Kreditgenossen - der Bundesdurchschnitt liegt voraussichtlich bei 0,75 %.

"Die Fusionen sind Mitträger des Erfolges", so der 55jährige Bankchef. Denn die Zinsmargen sind in der Fläche größer als in der Stadt, und die Übernahmen verbessern die Risikostreuung. Das ehemals auf das Firmenkundengeschäft mit freien Berufen und Handwerk spezialisierte Institut hat nur noch 29 % Firmenkredite in der Bilanz. 60 % sind Kredite an Privatkunden und 11 % Kommunalkredite. Zu den insgesamt 340 000 Kunden zählen nur noch 40 000 Firmenkunden.

Der Erfolg einer solchen Strategie hängt auch an der handelnden Person: "Fusionen sind immer Chefsache. Das ist, als ob Sie zehnmal heiraten", sagt Tonnellier, der nur einmal verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat. "Sie müssen die Gabe haben, Menschen zu begeistern und Gremien zu überzeugen". Und das kann er offensichtlich, denn alle Fusionen fallen in seine Zeit als Vorstandschef. Verbindlich in der Sache ist er ein Teamspieler, der den Fusionspartnern den Namen und die Vorstände lässt, um die Kompetenz vor Ort zu erhalten. Aber er weiß auch, dass viel vom ersten Jahr nach der Fusion abhängt. Da müssten die Weichen für die Synergien gestellt werden.

Kritisch hinterfragt der Jogger US-Modeerscheinungen: "Ein Unternehmen wird nie erfolgreich sein, wenn es seinen Fokus ausschließlich darauf richtet, für die Eigentümer einen hohen Profit zu erwirtschaften," sagt der gelernte Privatbanker ebenso wie: "Permanentes Berichten über Ergebnisse stellt kurzfristige unternehmerische Entscheidungen in den Vordergrund." Der Profit für die Eigentümer komme viel stärker über die langfristige Perspektive und über die Kontinuität in den Kundenbeziehungen. Neben der Umsetzung der BVR-Vorgaben geht Tonnellier aber auch weiter, als es manchen im genossenschaftlichen Verbund lieb ist. In seinem Geschäftsgebiet verschwimmen nämlich die Sektorgrenzen zwischen öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Instituten - wie vor allem von Privatbankenseite gefordert - bereits. Seit Ende 2000 kooperiert die Frankfurter Volksbank mit der Taunussparkasse aus Bad Homburg nicht nur in automatisierten Zweigstellen, sondern auch beim Einkauf von Dienstleistungen zum Beispiel. "Das hat uns auf der Kostenseite viel geholfen", so Tonnellier.

Auch wenn vor 2005 keine weiteren Zusammenschlüsse geplant sind, Raum für weitere Fusionen ist durchaus noch gegeben. Zwischen den beiden nächstgrößeren Volksbanken in Mainz und Wiesbaden befinden sich noch potenzielle Partner. In Frankfurt selbst deckt die Volksbank nicht die bevölkerungsstarken Stadtteile in Höchst oder Griesheim ab. Bei allem Fusionsfieber bemerkt Tonnellier aber schmunzelnd: "Unser Ziel ist nicht, die größte Bank Frankfurts zu werden."

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