Hans Meyer wird neuer Trainer von Hertha BSC
Lieber lustiger Kauz als gefürchteter General

Das größte Missverständnis um Hans Meyer, den neuen Trainer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, hat eine ziemlich lange Geschichte. Es war noch zu DDR-Zeiten, als das "Neue Deutschland" seinen Reportern den Auftrag gab, die Menschen hinter den Sportlern zu zeigen.

BERLIN. Einer dieser Reporter reiste zum Fußballtrainer Hans Meyer, und er fragte ihn, was er denn in seiner Freizeit mache. "Rosen züchten", antwortete Meyer, der Reporter schrieb das in seinen Artikel, und weil das Zentralorgan der SED bekannt war für seine Wahrheitsliebe, ist Meyer seitdem passionierter Rosenzüchter. Dabei, so sagt er, könne er eine Rose kaum von einer Tulpe unterscheiden.

Wenn Meyer, 61 Jahre alt, im Januar seinen neuen Job in Berlin als Nachfolger von Huub Stevens und Interimstrainer Andreas Thom antreten soll, wird es folglich auch keine Rosenzucht geben, die er im Stich lässt. Es gibt nur eine Familie, der er seinen Meinungsumschwung erklären muss. Als Meyer im März bei Borussia Mönchengladbach von Ewald Lienen abgelöst wurde, sollte das der endgültige Abschied vom unsteten Trainerleben werden. So hatte er es seiner Frau nach mehr als 30 Berufsjahren versprochen. Nur noch als Scout für die Gladbacher wollte er arbeiten.

Bei Carl Zeiss Jena hatte Meyer als Trainer seine größten Erfolge. Dreimal wurde er Pokalsieger, dreimal Vizemeister, 1981 erreichte er mit Jena sogar das Finale des Europapokals der Pokalsieger, verlor aber gegen Dynamo Tiflis. "Im Osten war ich so bekannt wie Udo Lattek im Westen", hat er einmal gesagt. Im Westen aber kannte ihn fast niemand. Als 1989 die Mauer fiel, hat er noch geglaubt, "am Weltklasse-Mann Meyer käme man nicht vorbei. So kann man sich täuschen." Zwölf Jahre dauerte es, bis Meyer in der Bundesliga angekommen war. Er musste erst bei einem abstiegsgefährdeten Zweitligisten anfangen, bei Borussia Mönchengladbach. Ein Jahr stieg er mit dem Team auf.

Meyer hat immer mehr Gefallen gefunden an seiner Rolle als lustiger Kauz. Dabei hat seine humorige Art fast ein wenig abgelenkt von seinen fachlichen Fähigkeiten. Die Erfahrung bei Twente Enschede hat ihn geprägt. Dort hat Meyer die hollandtypische Lust am schönen Spiel kennen gelernt. Es waren zwei Welten, die zusammentrafen: ostdeutsche Disziplin und holländische Leichtigkeit. Aus dieser Zeit stammt Meyers Beiname "Der General". Die Bezeichnung hat er nie besonders gemocht, weil sie den Eindruck erweckt, er verlange von seinen Spielern militärischen Gehorsam. Gladbachs Arie van Lent ist vom Fußballmagazin "11 Freunde" gefragt worden, wer die Fußballelf im Himmel trainieren würde, wenn es eine gäbe. Van Lent hat geantwortet: Hans Meyer. So schlimm kann er also nicht gewesen sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%