Hans-Peter Wild ist Inhaber und Chef der Wild-Gruppe
Wild: Der natürliche Geschmacksverstärker

Bekannt geworden ist Unternehmer Wild mit der Capri-Sonne. Doch auch die Erfolgsgeschichte moderner Biermischgetränke wäre ohne ihn kaum denkbar. Sein Rezept: Natur pur.

HEIDELBERG. Unternehmer Hans-Peter Wild ist trotz aller Internationalisierung seines Geschäftes ein Mann mit einem gewissen Heimat- und Familiensinn geblieben. Auch wenn er diese Beschreibung rundheraus ablehnen würde, denn schließlich sagt er: "Die Heimat der Firma ist da, wo ich bin." Bekannt geworden ist Wild mit der Capri-Sonne, dem Fruchtsaftgetränk aus dem typischen Standbeutel. Seit mehr als 30 Jahren ein Dauerbrenner als Durstlöscher bei Kindern in fast 80 Ländern der Erde.

Der "Owner, Chairman and CEO" der "Wild Group", so weist ihn seine Visitenkarte aus, streift das Jackett ab und berührt unbewusst die auffälligen Manschettenknöpfe mit dem goldenen "W" als Firmenlogo. Gerne flicht der 61-Jährige englische Satzfetzen in das Gespräch ein. "Dabei kann ich immer noch perfekt Heidelbergisch schwätze", lässt der Firmenchef durchblicken.

Das Geschäftsfeld des Unternehmens, natürliche Aromen und Fruchtzubereitungen, ist international. Der Globalisierung folgend, hat der Firmeninhaber Englisch zur Unternehmenssprache erhoben. "Wenn mein Vater noch leben würde, würde er sagen, ihr habt nicht alle Tassen im Schrank", bekennt der praktizierende Prediger des "American way of life". Denn Wild ist immer in Bewegung, immer unterwegs - geschäftlich wie privat. Selbst wenn der 61-Jährige in Heidelberg eintrifft, ist er nicht zu Hause, denn er lebt mit seiner US-amerikanischen Lebenspartnerin seit Jahren im schweizerischen Zug.

Doch macht er, nach einer weiten Dienstreise über Russland, Taiwan und Hawaii, wieder am Firmensitz in Heidelberg Station, dann gehört seine ganze Aufmerksamkeit seiner hochbetagten Mutter Leonie. Zumindest für die Dauer eines ausgiebigen Mittagessens. Wild schätzt bis auf den heutigen Tag den Rat der 95-Jährigen, die selbst im Unternehmen als Produktentwicklerin gearbeitet hat und die Führung der Rudolf-Wild-GmbH & Co KG während des Zweiten Weltkrieges übernehmen musste. Sohn Hans-Peter führt das Unternehmen seit 1995, dem Jahr, in dem der Unternehmensgründer, sein Vater Rudolf Wild, gestorben ist.

Doch 70 Prozent des Jahresumsatzes von - nach eigenen Angaben - knapp unter einer Milliarde Euro macht Wild als Zulieferer der Nahrungsmittelindustrie mit Fruchtzubereitungen und Aromen oder Fleischmarinaden. Einst beschränkte sich das Geschäft auf Zutaten für alkoholfreie Getränke wie Libella, Sinalco und zahlreiche weitere Limonaden-Marken. Heute zählen zu seinen aktuellsten Erfolgen die modernen Biermischgetränke. Ohne Wild wäre ihre Erfolgsgeschichte in den letzten Jahren nur schleppend vorangekommen. So liefert Wild zum Beispiel für den "Radler" der Frankfurter Brauerei Henninger und die Bier-Mixe von Krombacher den süßen Grundstoff. Auch bei den derzeit boomendem so genannten Alcopops, den Fertig-Misch-Getränken von Bacardi & Co., kommen Zusätze von Wild mit in die Flasche.

Dabei steht Firmenchef Hans-Peter Wild bei vielen Erfolgsgeschichten im Schatten der großen Marken, obwohl die Produktideen aus dem eigenen Hause stammen. "Mit vielen Kunden besteht sogar ein Stillschweige-Abkommen", berichtet Wild. "Der Name der Coca-Cola-Company aus Atlanta wird mir also in diesem Gespräch nicht über die Lippen kommen", sagt er. Und doch dürfen ausgewählte Besucher die Referenzprodukte in einem selten geöffneten Show-Room in der Heidelberger Wild-Zentrale bestaunen.

In einer Vitrine, hinter Glas vereint, befinden sich Joghurtbecher von Campina (Landliebe) und Mitbewerber Dr. Oetker (Jobst) genauso wie Eiscreme-Spezialitäten der Unilever-Tochter Langnese-Iglo (Solero) sowie das Mövenpick "Eis des Jahres" des Konkurrenten Nestlé. Offenes Geheimnis ist außerdem, dass auch die Farben und die Geschmacksrichtungen der Haribo-Bären aus dem Hause Wild stammen.

"HP", wie Wild unternehmensintern genannt wird, legt Wert darauf, dass sein Unternehmen ausschließlich natürliche Zusätze produziert. Sein charmantes Lächeln erstirbt abrupt, wenn jemand behauptet, seine Produkte stammten wohl aus dem "Chemiebaukasten". Schon Wilds Vater legte fest, dass alle in seinem Hause hergestellten Essenzen und Grundstoffe ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen gewonnen werden sollten. Diesem Erbe fühlt der Sohn sich bis heute verpflichtet.

Nun kommt Wild langsam selbst in das Alter, in dem man über eine geordnete Nachfolge nachdenken sollte. Zwar berichtet er stolz von seinen beiden Söhnen, die ebenfalls unternehmerisch tätig sind, allerdings in der Technologie-Branche. "Ich kann erwachsene Männer doch nicht mit vorgehaltener Waffe zum Eintritt in die väterliche Firma zwingen", hat Wild resigniert. Im Nachsatz glimmt allerdings noch ein Fünkchen Hoffnung: "Vielleicht kommen sie ja doch zurück."

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