Hans Ulrich Abshagen trainiert Aufsichtsräte
Der kritische Schulmeister

Aus Erfahrung weiß Hans Ulrich Abshagen, was in Aufsichtsräten alles schief läuft. Mit einem speziellen Training will er die Leistung der Kontrolleure verbessern - vor allem in der Kommunikation.

Die große Glastür bewegt sich keinen Millimeter. Erst nachdem sich der Besucher - kritisch beäugt von einer Kamera - über die Gegensprechanlage angemeldet hat, schiebt sich die Tür zur Seite und gibt den Weg in einen Zwischenflur mit Aufzug frei. Nach der Fahrt in den siebten Stock stoppt ihn wieder eine Tür - diesmal aus Stahl. Das Gebäude vermittelt den Eindruck, als sei es mindestens ebenso stark gesichert wie Ford Knox.

Von der Außenwelt durch modernste Sicherheitstechnik geschützt, sitzt ein Mann, der Aufsichtsräte und die, die es werden wollen, wieder auf die Schulbank setzt: Hans Ulrich Abshagen. Sein Wissen vermitteln er und seine Fachkollegen von der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte in Workshops. Zudem hilft die Agentur auf Wunsch Unternehmen dabei, geeignete Kandidaten für den Aufsichtsrat zu finden.

Abshagen, ein drahtiger "Hobbyfußgänger", dem man seine 76 Jahre beim besten Willen nicht ansieht, gibt den Kontrolleuren der Unternehmen keine besonders guten Noten. Die Aufsichtsratspraxis in Deutschland sei "wenig ermutigend". Sie zeige eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. "Bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen haben es einige offenbar noch nicht gemerkt, dass die Zeit des Abnickens vorbei ist."

Vor allem Kommunikationsprobleme, resultierend aus fehlendem Vertrauen und mangelnder Fachkompetenz, sind es seiner Ansicht nach, die in Aufsichtsräten zu Ineffizienzen führen. Der an der Berliner Humboldt-Universität ausgebildete Philosoph und Sprachwissenschaftler spricht aus Erfahrung. Er selbst war in zahlreichen Geschäftsführungs- und Aufsichtsratspositionen vor allem mittelständisch geprägter Unternehmen tätig.

Um sich von seinen harten Schulungsstunden zu entspannen, zieht sich Abshagen gerne an den Schlachtensee im Südwesten Berlins zurück, wo er in einer Gründerzeitvilla zur Miete wohnt. Dabei sitzt er am liebsten auf der großen Terrasse mit Blick auf den See.

"Meine Frau und ich genießen jeden Tag, obwohl wir schon 20 Jahre dort wohnen", sagt der Aufsichtsrat-Trainer. Mit ihr reflektiere er auch berufliche Fragen. "Sie ist mein wichtigster, weil vertrautester Gesprächspartner ."

Und schon ist er wieder bei den Unternehmens-Kontrolleuren - Ähnliches gelte nämlich auch für den idealen Aufsichtsrat. Auch er müsse ein ernst zu nehmender Sparringspartner für das Management sein: "Kompetent, unabhängig und bereit für den strategischen Dialog". Abshagen skizziert den idealen Vorsitzenden: "Er ist Moderator, aber einer, der nicht dauernd quatscht, sondern der dafür sorgt, dass der Vorstand zu Wort kommt." Ein wichtiges und strapaziöses Amt, dem der Aufsichtsrat auch körperlich gewachsen sein sollte.

Sich selbst hält der Trainer mit "Powerwalking" fit - jeden Morgen zwischen sechs und sieben Uhr. Er eilt dann um den See, bevor er duscht und Frühstück für sich und seine 25 Jahre jüngere Frau macht. Anschließend geht?s aus Zeitgründen mit dem Auto ins Büro.

Der Altersunterschied zwischen seiner Ehefrau und ihm ist für Abshagen nichts Besonderes. Zumal er nicht nur privat, sondern auch beruflich auf die richtige Zusammenstellung der Generationen schwört. "Ich lege Wert darauf, dass die Workshops generationsgemischt sind", betont er. Schließlich gebe es auch Geschäftsleute, die bereits mit Mitte dreißig hervorragendes auf die Beine gestellt hätten, unternehmerische Erfahrung mitbrächten und den Schulterschluss mit älteren Kollegen suchten.

Dass es mit der richtigen Mischung klappen kann, lebt der Privatmensch Abshagen vor. Seine zweite Ehe hält bereits 25 Jahre - "in Liebe und gegenseitigem Vertrauen, wie am ersten Tag - leider ohne Kinder". Eine solche Beziehung halte ihn jung. "Ich habe viel Widerspruch zu Hause, was einen elastisch hält", begründet er scherzhaft seine Worte.

Und wieder gelingt es ihm, einen Bogen zum Beruf zu spannen: Auch das Verhältnis zwischen Aufsichtsratsvorsitzendem und Vorstandschef müsse von Vertrauen, gegenseitigem Respekt, Kritikfähigkeit und Geborgenheit geprägt sein. Durch ein Gespräch zur richtigen Zeit auf vertraulich-sachlicher Basis könne in vielen Fällen eine drohende Schieflage verhindert werden.

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