Hanseaten sind Spezialisten für hochwertige Süßigkeiten: Bremens bessere Chocolade

Hanseaten sind Spezialisten für hochwertige Süßigkeiten
Bremens bessere Chocolade

BREMEN. Die Konkurrenz im Markt der Süßigkeiten ist enorm. Umso erstaunlicher, dass der Mittelständler Hachez seit 1910 erfolgreich Schokolade anbietet.

Etwa 100 Meter Luftlinie sind es bis zum großen lila Konkurrenten: Hasso Nauck, Geschäftsführer und Inhaber der Hanseatischen Chocolade GmbH in Bremen, schaut von seinem Büro aus direkt auf das Stammhaus von Kraft Foods. Der Konzern ist Hersteller der Schokoladenmarke Milka. Milkas Marktanteil liegt in Deutschland bei 9 %. Hachez, die Marke von Hasso Nauck, ist so klein und schwierig zu erfassen, dass die Marktforscher keine Zahlen nennen mögen. David gegen Goliath.

"Wir sind im Premium-Bereich zu Hause, davon ist Milka noch weit entfernt", sagt Nauck. Der 51-Jährige liebt es blumig: "Wir sind der Spezialist im Markt der Großen." Soll heißen: Hachez kümmert sich um die hochpreisigen Segmente und streicht hohe Renditen ein, Milka bringt große Mengen zu günstigen Preisen im Wettbewerb mit Ferrero, Masterfoods, Nestlé oder Ritter Sport auf den Markt. Zwar muss sich auch Hachez im Nischenmarkt mit zahlreichen Konkurrenten messen, darunter Lindt & Sprüngli oder Leysieffer; dennoch hat es der Mittelständler geschafft, sich im hart umkämpften Markt für Süßes durchzusetzen.

Als einer von wenigen Anbietern verarbeitet Hachez die Kakaobohne in seinem Bremer Werk noch selbst zu Schokolade. Qualität, hochwertige Anmutung und stetige Innovationen gehören zum Erfolgsrezept - bei hohen Preisen. Eine Tafel Schokolade kostet im Handel 1,60 Euro. Milka oder Ritter Sport verlangen nur etwa 50 Cents. "Ab Mai haben wir sogar eine Preiserhöhung von fünf Prozent durchgesetzt", erzählt Nauck, der die Geschäfte zusammen mit seinem 48-jährigen Partner Wolf Kropp-Büttner führt. Der Qualitätsunterschied rechtfertige den Preisunterschied, meint auch ein Fachmann vom Infozentrum Schokolade in Leverkusen.

Trotzdem weiß Nauck, dass er die Konkurrenz der Konzerne nicht unterschätzen darf. Denn Wachstum ist im fast gesättigten deutschen Markt nur auf Kosten der Konkurrenz zu bekommen, mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von gut 8 kg führt Deutschland die Schokorangliste nach der Schweiz und Norwegen an; gut 5 Mrd. Euro macht der Umsatz der Branche aus. Ferrero gilt als klarer Marktführer im Segment Pralinen, Masterfoods dominiert den Riegelmarkt - etwa mit Mars und Snickers, und Ritter Sport führt den Markt der Tafelschokoladen an, vor Milka aus Bremen.

Die Hanseatischen Chocolade GmbH ist sowohl mit Hachez als auch mit ihrer Marke "Feodora" (s. Kasten) in allen Segmenten vertreten. Ihre Präsenz im Ausland ist dagegen noch schwach. Nur jeder zehnte Euro kommt aus dem Export, weitere 10 % aus dem Firmengeschäft. Über seinen Umsatz schweigt Nauck sich aus. Branchenexperten schätzen den Wert auf etwa 120 Mill. Euro - in jedem Fall sehr viel kleiner als Lindt & Sprüngli (1,14 Mrd. Euro) und größer als der Osnabrücker Pralinenmacher Leysieffer (22 Mill. Euro). "In den vergangenen zehn Jahren sind wir um 50 % gewachsen", sagt der Firmenchef. Selbst im vorigen Jahr legten Hachez und Feodora zu, als der deutsche Markt sich so gut wie nicht bewegte.

Nauck kommt immer wieder auf die vergangenen zehn Jahre zu sprechen - genau die Zeit, in der er die Geschäfte führt. Die Bremer Chocolatiers haben stürmische Zeiten erlebt, Naucks Opa hatte sich bereits 1910 an der Firma von Joseph Hachez beteiligt. In den 50er Jahren stieg die Zuckerraffinerie Tangermünde ein, die das Unternehmen 1985 komplett übernahm. Das Absurde an der Geschichte: Hasso Nauck fädelte den Verkauf der Familienanteile ein - und kehrte 1990 als Geschäftsführer ins Unternehmen zurück. Seit dem Jahr 2000 gehört dieSchokofirma wieder ihm selbst und seinem Partner Kropp-Büttner (40 %). Trotz der Übernahme liege die Eigenkapitalquote bei soliden 18 %, ein Großteil der Erträge bleibe im Unternehmen, sagt Nauck. Über den Kaufpreis sagt der verschwiegene Mittelständler nichts. "Haus und Hof brauchte ich nicht zu verpfänden..."



Hachez, das ist so eine Art Herrenschokolade, bitter zumeist; maskulin, grafisch und streng, sagt Hasso Nauck heute. Feodora heißt die andere, süßere Dachmarke. Das sagt alles.

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