"Hansi" Schmidt wird 60
Kritik an "opportunistischen Sportlern"

Hans-Günther Schmidt, einer der erfolgreichsten deutschen Handballer, wird 60 Jahre alt.

HB/dpa DÜSSELDORF. Die größten Erfolge des VfL Gummersbach sind mit einem Namen untrennbar verbunden: Hans-Günther Schmidt. Sprung- und Wurfgewalt, dazu immense Variabilität kennzeichneten einen der erfolgreichsten deutschen Handballer, der trotz seiner hünenhaften Statur von 1,96 m von allen nur "Hansi" genannt wird. Morgen wird der im rumänischen Banat-Örtchen Marienfeld geborene Hauptschullehrer ("Das bin ich mit Leib und Seele") 60 Jahre alt. "Ich feiere ganz in Familie, 150 bis 200 Leute brauche ich nicht", sagte Schmidt, der seinen Ehrentag in Weinheim an der Bergstraße begeht. "Blumen bekommt nur meine Mutter."

Als Schmidt im November 1963 bei einer Gastspielreise seines rumänischen Clubs in Deutschland blieb und sich dem VfL Gummersbach anschloss, war der Verein aus dem Oberbergischen noch ein sportlicher Niemand. Mit «Hansi» kam der Erfolg: 1966 wurde der VfL erstmals deutscher Meister, ein Jahr später erstmals auch Europacupsieger der nationalen Titelgewinner. Die nachfolgenden Triumphe in diesem Wettbewerb (1970, 1971, 1974) sind unvergessen.

Mit seinen verzögerten Sprungwürfen wurde Hansi Schmidt zum Schrecken aller Torhüter. Die beeindruckende Bilanz: Sieben Mal deutscher Meister, vier Mal Europapokalgewinner, 98 Länderspiele für Deutschland mit 484 Toren, 173 Bundesligaspiele für den VfL mit 1 066 Treffern, acht Mal Torschützenkönig. Klaus Kater, Herbert Lübking, die Gebrüder Brand, später auch Joachim Deckarm - Schmidt spielte mit allen Größen des deutschen Handballs zusammen.

1976 beendete er seine Karriere beim VfL, obwohl er erst 33 Jahre alt war. "Ich habe immer leistungsbezogen agiert, aber mich auch zu Dingen geäußert, die außerhalb des Sports lagen", sagte Schmidt rückblickend auf eine Zeit, die für ihn als Idol schwer geworden war. Seinen Leistungszenit hatte er überschritten, mit dem Verein vertrug er sich nicht mehr optimal. Heute ist das ganz anders: "Ich habe zusammen mit meiner Frau Karin VIP-Karten für die Heimspiele, und ich bin bei allen dabei."

Ein Duckmäuser im Umgang mit Funktionären war Schmidt nie - und er bedauert das auch nicht. Im Gegenteil, ihm sind die heutigen Protagonisten mit zu wenigen Ecken und Kanten versehen: "Unsere Sportler sind heutzutage fast nur noch opportunistisch." Was bringt mir das? sei die meist gestellte Frage, die Eigenvermarktung sei der Antrieb zum Sport, "weil es in der Hauptsache ums Geld geht". Da gerät der Ex-Handballer ins philosophieren, ohne den Blick dafür zu verlieren, was ihm dieser Sport gebracht hat: "Ich hänge am Handball, ich liebe ihn, weil er mir so viel gegeben hat."

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