Hapag Lloyd-Börsengang verschoben
Preussag auf dem Weg zum reinen Touristikkonzern

Reuters HANNOVER, 5. OKT. Der Preussag-Konzern setzt seinen Umbau zum weltweit führenden Touristikanbieter mit dem Verkauf seiner traditionellen Sparten Gebäudetechnik und Handel fort. Wie das Unternehmen am Donnerstag nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates mitteilte, will Preussag mit den Erlösen den 5,8 Mrd. DM teuren Kauf der britischen Touristik-Gruppe Thomson Travel maßgeblich finanzieren.

Eine Kapitalerhöhung sei vorerst nicht geplant, der für kommendes Frühjahr geplante Börsengang der Logistik-Tochter Hapag-Lloyd auf mindestens 2002 verschoben.

Zugleich berief der Aufsichtsrat die Chefs der beiden wichtigsten Touristik-Töchter TUI und Thomson, Ralf Corsten und Charles Gurassa in den Konzernvorstand. Die Touristik werde zur Kernsparte und direkt von Konzernholding geführt, teilte Preussag mit. Ihr Umsatzanteil werde von heute gut 50 % auf künftig 77 % wachsen. Daneben bleibe nur noch die bei der Tochter Hapag-Lloyd AG geführte Logistik- und Transportsparte mit künftig 21 % Umsatzanteil sowie als Randsparte das Erdöl- und Erdgasgeschäft der Preussag Energie. Analysten begrüßten die nunmehr eindeutige Ausrichtung auf die Touristik, äußerten aber zum Teil noch Zweifel an der Ertragsstärke dieser Sparte.

Mit der britischen Thomson und dem europäischen Reisemarktführer TUI ist Preussag weltgrößter Touristikanbieter mit fast 12,5 Mrd. Euro Umsatz und mehr als 17 Mill. Urlaubern im Jahr. In diesem Jahr erwartet Preussag mit der Einbeziehung von Thomson Travel im letzten Quartal des am 30. September abgelaufenen Geschäftsjahres einen Anstieg des Jahresumsatzes um mehr als 20 % auf 21 Mrd. Euro.

Der Verkauf der Sparten Gebäudetechnik und Handel sowie weiterer Randaktivitäten soll den Angaben zufolge bis Ende 2001 abgeschlossen sein. Damit trennt sich Preussag von knapp einem Drittel des bisherigen Konzernumsatzes. Für den Großteil der Gesellschaften gibt es den Angaben zufolge noch keine konkreten Verhandlungen. An dem US-Stahlhandel war bislang die einstige Preussag-Tochter Salzgitter AG interessiert. Verkauft wurde demnach bereits das Metallhandelsgeschäft der Tochter W. & O. Bergmann an eine Tochter der Energie- und Kommunikationsgesellschaft Enron Corp.

Das ursprüngliche Finanzierungskonzept für den Thomson-Kauf als bislang größter Akquisition der Preussag wurde entscheidend geändert. Der ursprünglich für kommendes Frühjahr geplante Börsengang der Logistik-Tochter Hapag-Lloyd AG wurde aus steuerlichen Gründen verschoben. Die im April von der Hauptversammlung beschlossenen Kapitalmaßnahmen sind aufgrund des anhaltend schwachen Börsenkurses ebenfalls zurückgestellt.

Die im Frühjahr von Konzernchef Michael Frenzel angekündigte Zwischenholding für Industriebeteiligungen, die an die Börse gebracht werden sollte, ist nach Angaben einer Sprecherin vom Tisch. Weitere Bausteine der Thomson-Finanzierung bleiben der kartellrechtlich notwendige Trennung von der 50,1-prozentigen Beteiligung am britischen Reiseanbieter Thomas Cook und der Verkauf von 21 000 Wohnungen in Salzgitter und Kiel.

Die Preussag-Aktie lag am Donnerstag mit einem Plus von 1,3 % auf 34,10 Euro im späten Handel über dem Zuwachs der Dax-Werte, die um durchschnittlich 0,6 % stiegen und den Dax auf 6866,84 Punkte vorschoben.

Analysten begrüßten die klare Orientierung der Preussag auf die Touristik. Christian Obst von der HypoVereinsbank sieht Preussag künftig als "Touristikkonzern mit ein paar sehr ertragsstarken anderen Beteiligungen". Fraglich sei, wie schnell und zu welchem Preis Preussag die Sparte Handel und Gebäudetechnik verkaufen könne und welche Belastung die Thomson-Finanzierung bis dahin bringe.

Rolf Weigel vom Münchener Bankhaus Reuschel rügte die vielen Kurswechsel bei der ursprünglich geplanten Industrie-Zwischenholding, Hapag-Lloyd-Börsengang und Kapitalerhöhung. "Die Linie zum Touristikkonzern aber stimmt jetzt", sagte er. Allerdings sei noch offen, ob die sehr teuer erkaufte Thomson-Gruppe für Preussag genügend Erträge bringe. "Die Preussag-Aktie hat deshalb bis auf weiteres noch wenig Phantasie", meinte Weigel.

Egbert Kuls vom Bankhaus Warburg hält aus den geplanten Verkäufen Erlöse von bis zu vier Mrd. Euro für möglich. Damit lasse sich die von ihm derzeit auf 5,5 Mrd. Euro geschätzte Nettoverschuldung der Preussag nennenswert reduzieren. Langfristig gehe er davon aus, dass Preussag zum lupenreinen Touristikkonzern wird. "Dieser Weg ist umumkehrbar.

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