Hardwarehersteller am stärksten betroffen
Deutsche IT-Industrie muss Arbeitsplätze abbauen

Die Jobmaschine Informationstechnologie ist kräftig ins Stottern geraten. Erstmals seit Anfang der neunziger Jahre werden in Deutschland am Ende eines Jahres deutlich weniger Menschen in der Informations- und Telekommunikationsindustrie arbeiten als 12 Monate zuvor.

HB FRANKFURT/MÜNCHEN. Rund 28 000 Stellen, so schätzt der Branchenverband Bitkom, wird die Branche dieses Jahr abbauen Die Zahl der Beschäftigten sinkt damit von 819 000 im Jahr 2001 auf 791 00 am Ende des Jahres 2002.

"Die bereits in 2001 angekündigten Personalreduzierungen machen sich zum großen Teil erst in diesem Jahr bemerkbar", kommentiert Bitkom Vizepräsident und Aufsichtsratchef von Hewlett Deutschland-Packard Menno Harms. Harms weiß, wovon er spricht. Schließlich baut auch HP nach der Fusion mit dem Computerbauer Compaq in Deutschland rund 1 100 Stellen ab. Doch die sind diese wie bei vielen anderen Unternehmen in den Prognosen für 2002 noch gar nicht enthalten "Der größere Teil des Stellenabbaus wird erst 2003 stattfinden", sagt eine HP-Sprecherin.

Das macht das Klima zwischen Management und bislang kooperativen Betriebsräten rauer. In München, der bisherigen Deutschland-Zentrale von Compaq, stehen die Zeichen auf Sturm: Fast jede Woche gehen die Ex-Mitarbeiter von Compaq auf die Straße. "Spätestens nächstes Jahr wird eine weitere Abbau-Runde kommen", fürchtet Sibylle Wankel von der IG Metall Bayern.

Compaq ist nicht der einzigeGrund, weshalb die Telefone bei der IG Metall in Bayern derzeit nicht still stehen. "In letzter Zeit haben wir zehnmal mehr Eintritte in die IG Metall gehabt als im gesamten vergangenen Jahr", sagt Siemens-Betriebsrat Heribert Fieber. Der Technologiekonzern baut in München in den nächsten Wochen 2300 Stellen ab. "Die Stimmung ist am Boden", heißt es bei vielen Mitarbeitern.

Tausende Jobs gehen in ganz Deutschland in den Telefon-Sparten von Siemens verloren. Die Begründung: Der Markt werde wahrscheinlich nie mehr auf das Niveau der Boomzeit der späten Neunziger Jahre steigen. Zwischen Betriebsräten und Management knirscht es wie nie zuvor. "Was jetzt läuft ist Wahnsinn", klagt Fieber. Neue Jobchancen sieht der Betriebsrat derzeit nicht: "Die Leute kommen momentan nirgends unter." Denn selbst im Musterland Bayern sind IT-Fachleute keine Mangelware mehr.

Auch im nordbadischen Heidelberg, wo Softwarefirmen wie SAP oder SAS stets gute Chance für Programmierer boten, hat sich die Lage verdüstert. SAP stellt kaum mehr Softwarespezialisten ein und drückt auf die Kostenbremse.

Schlimmer ist die Lage bei den IT-Beratern. Während Softwareingenieure zumindest kontinuierlich an neuen Produkten arbeiten können, drehen die Berater bei fehlenden Aufträgen unproduktive Warteschleifen. "Bei manchen Dienstleistern sitzen inzwischen Berater bei vollem Gehalt zu Hause und warten auf bessere Zeiten", sagt der Chef eines großen IT-Dienstleisters. Doch noch will kaum jemand der IT-Dienstleister zum Mittel betriebsbedingter Kündigungen greifen. Denn dass würde nach Einschätzung von Personalverantwortlichen "gerade junge Arbeitnehmer treffen", deren Ausbildungsstand den Erfolg der Unternehmen in drei bis vier Jahren sicher soll".

Am stärksten ist der Bereich Hardware betroffen, in dem die Zahl der Beschäftigten in Deutschland laut Bitkom 2002 um 9 % sinken wird. Für 2003 sind auch hier die Aussichten düster: Der Computerkonzern IBM beschäftigt in Mainz 3 400 Mitarbeiter, davon stehen im nächsten Jahr rund 1 500 Jobs auf der Kippe. Derzeit reichen die Aufträge aus der amerikanischen Konzernzentrale für rund 14 Monate.

Quelle: Handelsblatt

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