Harmonie im Team als Erfolgsformel
Rudi und die „Irländer“

Mit einem Sieg über Irland kann sich die deutsche Elf heute vorzeitig fürs Achtelfinale qualifizieren. Rudi Völler glaubt, "dass wir das gebacken kriegen".

MIYAZAKI. Teamchef Rudi Völler nimmt den Gegner sehr ernst, so ernst, dass er extra mit seinem Co-Trainer Michael Skibbe vor wenigen Wochen nach Dublin geflogen ist: "Wir haben die Irländer gegen Nigeria gesehen", sagte Völler gestern auf der Pressekonferenz im deutschen Medienzentrum. Ja, ja, die Irländer, die scheinen es ihm angetan zu haben. Jedenfalls so viel, dass er auf dem Podium durchgehend von den Irländern sprach, gewissermaßen irrlichterte er durch die deutsche Sprache.

Heute geht es in Ibaraki, nordöstlich von Tokio gelegen, gegen die Iren. Zum ersten Mal überhaupt treffen die beiden Mannschaften in einem Pflichtspiel aufeinander, die letzte Partie in Freundschaft verlor Deutschland 1994 in Hannover mit 0:2, Völler wurde damals eingewechselt. Das Ziel für heute ist dennoch klar. "Wir wollen gewinnen und uns damit schon für das Achtelfinale qualifizieren", fordert Völler von sich und seinen Jungs. Zwar sei der Angriff der Irländer von ganz anderem Kaliber als der saudische, dennoch sei er sich sicher, "dass wir das gebacken kriegen". Man habe ein gesundes Selbstvertrauen, "es wird die Post abgehen".

Das wird schwer genug werden, die vergangenen Vorbereitungsspiele gegen körperlich robuste Teams wie Wales oder Argentinien gingen alle verloren - und zwar sang-, klang- und vor allem torlos. Und zudem haben die Irländer in der WM-Qualifikation immerhin die Niederländer hinter sich gelassen: "Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen", ahnt auch Mittelfeldspieler Dietmar Hamann.

Das Auftaktspiel der Irländer gegen Kamerun schaute sich das deutsche Team bei Kaffee und Kuchen in Sapporo an. "Die sind zu Beginn eher aufs Zerstören aus, im Laufe des Spiels aber machen sie auch mehr nach vorne", hat Völler festgestellt. Und zur Sicherheit hat er sich noch einige Tipps von Scout Uli Stielike geholt. Der ehemalige Nationalspieler und-Co-Trainer hat das 1:1-Remis der Irländer gegen Kamerun im Stadion gesehen.

Da konnte die Elf von Trainer Mick McCarthy nach schwachem Beginn überzeugen - und das ohne ihren besten Mann, Roy Keane von Manchester United. "Da werden die anderen Spieler noch etwas mehr gekitzelt, sie müssen noch mehr tun." Von daher war die Entscheidung, den nörgelnden Keane nach Hause zu schicken, wohl die richtige. Allerdings, da waren sich die deutschen Spieler in den vergangenen Tagen alle einig, dürfte das Fehlen des besten Mannes sich mittel- und langfristig schon negativ auswirken. Fragt sich nur, wann diese mittlere Frist beginnt.

Keane & Co haben in den vergangenen Wochen die englischen Medien in Atem gehalten. Ein Reporter der Sunday Times glaubt die ganze Geschichte zu kennen. Sie begann schon vor zehn Jahren, als McCarthy und Keane noch zusammen Fußball gespielt haben. Schon damals hat McCarthy ihm Disziplinlosigkeit vorgeworfen. Eine jahrelange innige Feindschaft folgte. "Die beiden sind starrköpfige Hitzköpfe und sie hassen sich", ist der Reporter überzeugt.

Das Trainingslager vor der WM auf der Insel Saipan war dann typisch britisch organisiert: Wird schon irgendwie klappen. Die Bälle kamen nicht an, die Trikots auch nicht, der Platz war steinhart. Wer sonst die umfassende Verpflegung des reichsten Klubs der Welt, nämlich Manchester, gewohnt ist, hat damit ein echtes Problem. Keane provozierte den Rausschmiss und bekam ihn. Doch der Verband und Manchesters Trainer Alex Ferguson handelten zwischen beiden Kontrahenten noch einen Kompromiss aus. Keane blieb, der Verband faxte seine offizielle Spielerliste an die Fifa, fünf Minuten vor Fristende. Aber Keane legte nach und gab einer Zeitung ein Interview, in dem er den Trainingsplatz als "Parkplatz" bezeichnete und auch den Trainer leicht kritisierte.

Bei der darauffolgenden Mannschaftssitzung forderte McCarthy seinen Star auf, seine Aussagen zu erklären. Keane explodierte und beschimpfte McCarthy auf übelste Art und Weise. Seine Mitspieler kamen nicht viel besser weg: "Ihr werdet mit der Flut fortgespült, denn ihr seid toter Fisch", soll Keane gesagt haben. Dagegen sind deutsche Hitzköpfe wie Stefan Effenberg und Uli Stein richtige Gentlemen.

Die Irländer jedenfalls flogen nach Japan, Keane blieb zunächst auf der Insel. Und verkaufte die Geschichte für 125 000 Pfund an die "Mail on Sunday". Die Story wurde zum Politikum, der frisch gewählte Regierungschef Bertie Ahern wollte zu Gunsten von Keane vermitteln. "Dabei hat Keane ihm vor dem Abflug in Irland den Handschlag verweigert", berichtet der Sunday-Times-Beobachter.

Solche Sorgen hat Völler zum Glück bisher nicht. Harmonie so weit das Auge reicht. Einzig die ungeklärte Vertragslage einzelner Spiele störte. Und auch da hat er seit Montag ein Problem weniger: Borussia Dortmund und Werder Bremen haben sich über den Wechsel von Torsten Frings geeinigt.

"Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe, das war schon eine lange Warterei", meinte der 25-jährige Mittelfeldspieler, der auch heute wieder von Anfang spielen dürfte. DFB-Pressesprecher Harald Stenger habe für ihn "die Dortmunder Sekretärin mindestens 40 Mal am Tag angerufen". Und eins stellte er gleich klar: BVB-Trainer Matthias Sammer habe ihn für das zentrale Mittelfeld geholt. "Ich will nicht mehr rechts spielen", sagte er. Jedenfalls nicht im Verein, gegen die Irländer schon.

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