Harmonisierung des europäischen Zahlungsverkehrs
Preissenkungen für Auslandsüberweisungen

Die Europäische Union (EU) und die Banken in Europa wollen bei der Harmonisierung des europäischen Zahlungsverkehrs in den kommenden Jahren deutlich vorankommen. Mit europaweiten Standards sollen Voraussetzungen für niedrigere Kosten und Preise geschaffen werden.

Reuters FRANKFURT. Die EU-Kommission bereite derzeit einen einheitlichen Gesetzesrahmen für den Zahlungsverkehr in Europa vor, sagte Udo-Olaf Bader, bei der Behörde Abteilungsleiter für Zahlungsverkehr, am Montag auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt. Die Kommission hatte den Banken nach jahrelangen vergeblichen Appellen zu Preissenkungen für Auslandsüberweisungen vorgeschrieben, für diese ab Juli 2003 keine höheren Gebühren mehr zu verlangen wie für Inlandstransfers. Für Kartenzahlungen und Geldabheben an Automaten gilt dies bereits ab Juli dieses Jahres.

Standards gesucht

Die EU-Verordnung habe die Kreditinstitute in Europa dazu bewegt, eine Initiative für gemeinsame Standards in der zersplitterten Zahlungsverkehrslandschaft zu starten, sagte Hans-Dieter Becker, operativer Zahlungsverkehrs-Chef der Europäischen Zentralbank. "Die Kommission hat mit ihrer Gesetzgebung klar gemacht, es gibt keinen Weg zurück. Die europäische Sicht der Banken ist jetzt da." Seit der Einführung des Euro 1999 war der Ärger der Bankkunden über hohe Preise bei Auslandsüberweisungen - nach EU-Berechnungen im Schnitt 24 Euro je Überweisung - gewachsen. Den Banken habe bisher der Willen zur Harmonisierung im Massenzahlungsgeschäft gefehlt, weil die Kosten dafür hoch seien und keine höheren Gewinne zu erwarten seien, sagte Nicholas Downes vom Beratungsunternehmen Logica.

Die größten europäischen Banken und die Verbände prüfen Becker zufolge jetzt, wie sie die Bearbeitung inländischer und grenzüberschreitender Zahlungen vereinheitlichen könnten. Dabei gehe es um Barabhebungen sowie Zahlungen per Überweisungen, Kredit- und Debitkarten und Lastschriften. Der Gebrauch von Schecks solle wegen der aufwendigen Abwicklung heruntergefahren werden. Geldkarten und Internet basiertes elektronisches Geld seien zunächst kein Thema. Bis Mitte nächsten Jahres, wenn die EU-Verordnung niedrigere Preise für Auslandsüberweisungen verlangt, solle ein Automated Clearing House zur Verrechnung aufgebaut werden. Völlig offen sei, ob sich dabei bestehende Systeme wie das der Euro Banking Association durchsetzten oder Großbanken ihre Systeme als Plattformen anböten

EU will einheitlichen Gesetzesrahmen

Die Europäische Union will unterdessen mit einem einheitlichen Gesetzesrahmen den Binnenmarkt im Zahlungsverkehr verwirklichen. Dies sei Teil des EU-Aktionsplans für Finanzdienstleistungen, sagte Bader. Die Pläne der Banken zur Standardisierung im Zahlungsverkehr erforderten eine Gesetzesreform. Bisher glichen die Regeln dazu einem Flickenteppich. Vorschriften würden nur unzureichend in den Mitgliedsländern umgesetzt. Zudem verhinderten unterschiedliche nationale Regelungen den Binnenmarkt.

Bisher sind Bader zufolge aber erst wenige Änderungen abzusehen. So werde wohl die maximale Laufzeit bei grenzüberschreitenden Überweisungen von derzeit sechs Tagen herabgesetzt. Studien hätten ergeben, dass ein Großteil der Geldtransfers weniger als drei Tage vom Absender bis zum Empfänger benötigten. Zudem zeichne sich ab, dass die Kreditinstitute Schecks im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr abschaffen werden, da das Bearbeiten dieser Papierbelege nicht zu automatisieren und damit zu teuer sei.

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