Harsche Kritik am Geländemodell
Dem Porsche „Cayenne“ fehlt der Pfeffer

Der mit Spannung erwartete neue Geländewagen von Porsche hat mit ersten offiziellen Fotos die Diskussion in der Autobranche belebt. Typisch für Porsche erntet der "Cayenne" Lob für seine technischen Qualitäten. Doch Kritik hagelt es wegen der für ein Porsche-Modell extrem ungewöhnlichen Formgebung.

pha STUTTGART. Für den ersten Eindruck gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Was für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den Eintritt in eine neue Epoche der Stuttgarter Sportwagenschmiede bedeutet, fand auf dem Genfer Autosalon keineswegs ungeteilten Zuspruch. Als die ersten Bilder des "Cayenne" auf der von Wiedeking gehaltenen Pressekonferenz in Umlauf kamen, ging ein Raunen durch das anwesende Fachpublikum.

Vor allem das Design fand wenig Anklang - zumal bei Porsche im Vorfeld stets von einem Traumwagen gesprochen worden war. Das mag er sicherlich auch sein, wenn man seine Technik und die Leistungsdaten (V8-Biturbo, 450 PS, 260 km/h) ansieht. Aber beim Design dürfte das Auto auch künftig harscher Kritik ausgesetzt sein.

Es ist nun einmal ein schwieriges Unterfangen, einem Geländemodell die Anmutung eines Sportwagens zu geben. Flache Schnauze mit riesigem Kühlerschlund, tiefer gelegte Karosserie und schräges Heck mit Spoiler-Anbauten, die aussehen, als kämen sie geradewegs aus dem Zubehörhandel - das allein kann es nicht sein. Zweifellos erschwerend war für die Porsche-Designer, dass sie mit der gemeinsam von VW und Porsche entwickelten Grundkarosse vorlieb nehmen mussten. Der unabdingbare Zwang, sich vom VW-Schwestermodell "Touareg" unterscheiden zu müssen, führte zu einem Entwurf, der eher wie Stückwerk anmutet, meint James Kelly, Leiter Transportation-Design an der Fachhochschule Pforzheim. Von einer Fahrzeugarchitektur aus einem Guss könne keinesfalls die Rede sein.

Auch Bentley-Chefdesigner Dirk van Braekel übt verhaltene Kritik am "Cayenne": "Man spürt förmlich die Angst der Stylisten, dass dem ?Cayenne? durch zu viel Ähnlichkeit mit dem ?VW Touareg? die Anerkennung eines reinrassigen Porsche versagt bleiben könnte."

Außerdem fehlt der vermeintlich sportlichen Frontpartie nach Ansicht vieler Experten die formale Entsprechung am Heck. Eine konventionelle Ladeklappe sowie ein biederes Rückleuchten-Design lassen den Cayenne von hinten verwechselbar aussehen. Nicht wenige der zahlreich in Genf vertretenen Automanager waren der Meinung, dass der "Cayenne" formal eher eine Kreuzung aus Geländewagen und Limousine repräsentiert als das Erscheinungsbild eines reinrassigen Offroaders. Allerdings sollte man ein endgültiges Urteil erst dann fällen, wenn man den "Cayenne" in Lebensgröße gesehen hat.

Doch Porsche baut einer möglichen Designkritik bereits vor. Die Führungsriege des Stuttgarter Sportwagenherstellers wird nicht müde zu betonen, dass auf jegliche modische Styling-Elemente bewusst verzichtet worden sei. Schließlich müsse die Form des "Cayenne" auf Jahre Bestand haben. In eben dieser Form fällt es allerdings schwer, den "Cayenne" auf Anhieb als Mitglied der Porsche-Familie zu erkennen. Wenigstens im Innenraum gibt es einen Anflug von Porsche-Tradition, das Zündschloss sitzt wie immer links vom Lenkrad.

Dafür, dass dem Porsche-Geländewagen dennoch ein großer Erfolg beschieden sein sollte, dürfte nicht allein der vom Mythos umrankte Markenname sorgen, sondern auch die bislang im Gelände-Segment unerreichten Fahrleistungen des neuen Stuttgarter Modells.

In seiner stärksten Version legt der "Cayenne" zwischen sich und seine schärfsten Verfolger BMW X5 (347 PS) und Mercedes ML55 (356 PS) rund 100 PS. Damit stürmt er nahezu ähnlich schnell nach vorne (0 bis 100 km/h in 5,6 Sekunden) wie sein Sportbruder 911. Überdies hält der "Cayenne" Porsche-Kunden auch bei Familienzuwachs und größerem Platzbedarf (in einen 911 können zwei Golfbags nur mühsam verstaut werden) bei der Marke.

Wenn das Auto im September auf den Markt rollt, dürften die Händler für das exklusive Kraftpaket 110 000 Euro verlangen. Für Einsteiger ist eine schwächere Version mit V8-Motor ohne Turboaufladung (340 PS) zu 75 000 Euro vorgesehen. Wie bei den anderen Porsche-Modellen zuvor wird man sich erst an den Anblick des geländegängigen Freizeitmodells gewöhnen müssen. In dieser Hinsicht besteht in Stuttgart Kontinuität.

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