Harte Fronten auch in der Druckindustrie
Arbeitgeber werfen IG Metall Erpressung vor

Nach der Tarifeinigung für die ostdeutsche Stahlindustrie wächst bei den Metall-Arbeitgebern die Sorge, sie könnten nun ihrerseits gegenüber der IG Metall ins Hintertreffen geraten. Während sich die Stahlindustrie darauf einstellt, die 35-Stunden-Woche im Osten schrittweise bis 2009 einzuführen, wiesen Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser Forderungen nach einer ähnlichen Regelung für die Metall- und Elektroindustrie scharf zurück.

DÜSSELDORF. Der durch Streik "erpresste Abschluss in den sieben Unternehmen der ostdeutschen Stahlindustrie schadet dem Aufbau Ost und ist in keinem Fall auf die Metall- und Elektroindustrie übertragbar", sagte Hundt. Kannegiesser nannte einen solchen Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie "undenkbar". Dort herrschten völlig andere Strukturen als bei Stahl, "so dass niemand ernsthaft auf den Gedanken kommen dürfte, das dort erzielte Ergebnis zu übertragen".

Während die Stahlbetriebe zu großen Konzernen gehören, sind die meisten der rund 3 000 Metall- und Elektrobetriebe in Ostdeutschland nach Verbandsangaben kleine und mittelgroße Unternehmen. Anders als die Stahlindustrie mit ihrem bundesweiten Arbeitgeberverband werden die Metallbetriebe durch Regionalverbände vertreten. Diese organisieren weniger als die Hälfte der Branche mit ihren insgesamt rund 300 000 Beschäftigten.

Der in der Nacht zu Samstag erzielte Tarifabschluss sieht vor, dass die Wochenarbeitszeit der 7 000 ostdeutschen Stahlwerker von bisher 38 Stunden in den Jahre 2005, 2007 und 2009 jeweils zum 1. April um eine Stunde reduziert wird. Eine Revisionsklausel regelt, dass die einzelnen Schritte der Arbeitszeitverkürzung um ein Jahr aufgeschoben werden können, falls die Arbeitgeber wirtschaftliche Bedenken geltend machen. IG-Metall-Verhandlungsführer Hasso Düvel bezeichnete es als entscheidendes Element der Klausel, dass allein die Tarifparteien und nicht etwa Wirtschaftswissenschaftler über die Verkraftbarkeit der einzelnen Stufen zu entscheiden hätten.

Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD), begrüßte den Abschluss als wichtige Grundlage für den Erhalt der Wirtschaftsleistung in Ostdeutschland. Es handele sich um ein "vertretbares Ergebnis für beide Seiten". Dagegen vermied der Verhandlungsführer der Stahl- Arbeitgeber, Helmut F. Koch, lobende Worte. "Das Verhandlungsergebnis stellt uns in keiner Weise zufrieden", betonte er. Angesichts der Eskalation des Tarifkonflikts sei es jedoch darum gegangen "schnellstmöglich zu geordneten Produktionsverhältnissen in den Betrieben zurückzukehren.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel forderte die Arbeitgeber der Metallindustrie auf, "ihre bisherige Blockade jetzt aufzugeben" und sich ebenfalls auf einen Stufenplan zur Arbeitszeitverkürzung einzulassen. "Dass das bei gutem Willen aller Beteiligten geht, zeigt das Beispiel der ostdeutschen Stahlindustrie", meinte Zwickel. Nach einer Streikwoche in der sächsischen Metallindustrie will die IG Metall heute in Berlin das Ergebnis der Urabstimmung in 44 Betrieben in Berlin und Brandenburg bekannt geben. Falls 75 % der befragten IG-Metall-Mitglieder zugestimmt haben, kann sie den Arbeitskampf damit auch auf diese Region ausweiten.

Verhärtet haben sich die Fronten auch im Tarifstreit der Druckindustrie. In 13-stündigen Gesprächen näherten sich die Gewerkschaft Verdi und der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) am Freitag kaum einander an, wie Sprecher beider Seiten berichteten. Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart. Die Verdi-Tarifkommission will am 18. Juni über das weitere Vorgehen beraten. Bereits in den vergangenen Tagen hatten Warnstreiks vereinzelt den Druck von Zeitungen beeinträchtigt.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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