Harte internationale Konkurrenz erwartet
Leipzig soll Olympia 2012 nach Deutschland holen

Die sächsische Stadt setzte sich am Samstag in einem Kopf-an-Kopf-Rennen am Ende gegen Hamburg durch. Auch die Segelwettbewerbe sollen nach dem Willen des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in Ostdeutschland ausgetragen werden: Hier wurde Rostock ausgewählt.

Reuters MÜNCHEN. Bundeskanzler Gerhard Schröder gab das Ergebnis der Wahl am Samstag auf der NOK-Sitzung in München bekannt und versprach die Unterstützung der Bundesregierung und des ganzen Landes. Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee sagte, seine Stadt brauche jetzt die Unterstützung ganz Deutschlands, um die Spiele auch tatsächlich zu bekommen. Seine Amtskollegen aus den unterlegenen Städten zeigten sich als faire Verlierer und sagten ihre Hilfe zu. "Die Spiele in Deutschland, das ist es, was wir wollen", sagte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, räumte den Städten in einer ersten Reaktion gute Chancen auf die Ausrichtung der Spiele ein.

Auf Leipzig wartet aber harte internationale Konkurrenz: New York und Madrid stehen schon als Bewerber für 2012 fest, hinzu kommen könnten London, Paris und Rom. Wer die Spiele ausrichten darf, entscheidet das IOC in zwei Jahren.

Olympische Spiele in Deutschland hatte es zuletzt 1972 in München gegeben. Danach waren Bewerbungen von Berchtesgaden für die Winterspiele 1992 und von Berlin für die Sommerspiele 2000 gescheitert.

Leipzig wurde von den 73 stimmberechtigten Mitgliedern des NOK im vierten Wahlgang gewählt. Die Stadt setzte sich am Ende gegen Hamburg durch. Beide Städte waren in Umfragen als Favoriten genannt worden und hatten auch die besten Noten einer NOK-Vorprüfung erhalten. Um die Spiele hatten sich außer den beiden Finalisten auch Düsseldorf, Frankfurt am Main und Stuttgart beworben, um die Segelwettbewerbe hatten auch Cuxhaven, Kiel, Lübeck und Stralsund/Rügen kandidiert.

Als eine der Stärken Leipzigs war der große Zuspruch der Bevölkerung genannt worden. Die Stadt profitierte auch von ihrem Ruf als Sportstadt, die bereits zu Zeiten der DDR große Sportereignisse beherbergt hatte. Eine Vorprüfungskommission des NOK hatte Hamburg die höchste Punktzahl vor Leipzig gegeben.

IOC-Präsident Jaqcues Rogge äußerte sich optimistisch für die Bewerbung. "Deutschland, Leipzig und Rostock haben gute Chancen", sagte Rogge im ZDF. Dabei sei es kein Nachteil, dass mit Leipzig keine Millionen-Stadt zum Zuge gekommen sei. Schließlich wolle auch das IOC den Gigantismus reduzieren.

Vor der Wahl hatten die Bewerber Gelegenheit, in kurzen Präsentationen für Stimmen zu werben. Die Städte zeigten sich in Kurzfilmen von ihrer besten Seite und ließen bekannte Sportler und Politiker für sich sprechen. Für Leipzig, das in einem Film an seine Rolle bei der friedlichen Revolution in der DDR 1989 erinnerte, sprachen Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Hamburg warb mit dem Hafen, den Elefanten in Hagenbecks Tierpark und dem Rotlichtviertel St.Pauli. Die Hamburger seien keine kaltherzigen Pfeffersäcke, sagte der Erste Bürgermeister Ole von Beust.

Enttäuschung in Hamburg

Zeitgleich mit der NOK-Wahl gab es in allen Bewerberstädten Großveranstaltungen. Enttäuscht über das Ergebnis waren danach vor allem die Hamburger. "Das ist völlig daneben. Es ist eine Zugeständnis für den Osten", sagte der Geschäftsmann Christoph Senf. "Leipzig ist eine tolle Stadt, aber sie hat nicht das gleiche internationale Flair. Um sich international durchzusetzen, hätte Deutschland Hamburg und nicht Leipzig wählen sollen", meinte auch die Lehrerin Karin Laufer.

Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) begrüßte die Entscheidung. "Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist Leipzig die ideale Wahl." Die Stadt habe einen viel größeren Rückstand und damit auch ein deutlich höheres Entwicklungspotenzial als die anderen Bewerber. Auf Schätzungen zu möglichen Einnahmen und Investitionen wollte sich Wagner nicht festlegen. Dies sei von vielen Faktoren abhängig, etwa dem Wetter oder dem Preis der Fernsehübertragungsrechte.

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