Harte Konfrontation nach langer Partnerschaft: Springer treibt Kirch in die Enge

Harte Konfrontation nach langer Partnerschaft
Springer treibt Kirch in die Enge

Der Gegenwind für den Medienkonzern Kirch kommt jetzt nicht nur von den Banken, sondern auch vom Axel-Springer-Verlag. Das Zeitungshaus fordert, dass Kirch das Pro-Sieben-Aktienpaket zurückkauft.

hps/mwb/ran DÜSSELDORF/MÜNCHEN/BERLIN. Der Axel-Springer-Verlag besteht darauf, dass Kirch ihm einen Anteil von 11,48 % am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG abkauft. Springer beruft sich auf eine entsprechende vertragliche Vereinbarung und setzt seinen Großaktionär Kirch damit massiv unter Druck. Seit Mittwoch bestreitet die Kirch-Gruppe jedoch, dass sie dazu verpflichtet ist, Springer den Pro-Sieben-Anteil wieder abzukaufen.

Springer ist seit der Fusion von Sat 1 und Pro Sieben vor knapp zwei Jahren an dem im M-Dax notierten Fernsehkonzern beteiligt. Damals hatte sich der Zeitungskonzern die Option zusichern lassen, die Anteile zu einem Preis von 767 Mill. Euro an Kirch verkaufen zu können. Nach dem Einbruch der Medienaktien ist der 11,48 %-Anteil heute aber nur noch einen Bruchteil des Preises wert - rund 110 Mill. Euro.

Firmenpatriarch Leo Kirch ist wegen des finanziellen Abenteuers Bezahlfernsehen und der Werbekrise im Fernsehmarkt angeschlagen. Nun müsste er für das Pro-Sieben-Paket bis April weitere 767 Mill. Euro lockermachen. Dagegen wehrt er sich nun mit dem Argument, die Springer eingeräumte Option sei unwirksam. Er will rechtliche Schritte einleiten. Bei der Fusion von Sat 1 und Pro Sieben im Sommer 2000 seien auf Wunsch Springers "stille Beteiligungsgesellschaften" nicht notariell beurkundet worden, um Steuern zu sparen. Daher gebe es für die Ausübung der Option keine Vertragsgrundlage, hieß es in Kirch-Kreisen. Der Medienkonzern verweist auf ein Gutachten des Gesellschaftsrechtlers Holger Altmeppen, der diese Position unterstützt.

Die Kirch-Gruppe, die schätzungsweise mit rund 6 Mrd. Euro verschuldet ist, betonte dennoch ihre Verhandlungsbereitschaft. Man suche eine einvernehmliche Lösung. Konzern-Gründer Leo Kirch und sein Vize Dieter Hahn hatten bis zuletzt versucht, einen Kompromiss mit Springer-Chef Mathias Döpfner zu finden. In Konzernkreisen ist von einem "wochenlangen Verhandlungsmarathon" die Rede.

Der Springer-Konzern besteht jedoch darauf, seine Option auszuüben. Eine Springer-Sprecherin erklärte: "Der Vorstand hat getan, was er tun musste. Wirtschaftlich und rechtlich gab es keine Alternative." Aus dem Umfeld von Springer-Vorstandschef Döpfner hieß es, man wolle sich nicht auf ein "Arrangement" einlassen. Man habe sich für einen "harten Kurs" entschieden. Kirch soll nach Angaben aus Springer-Kreisen neben Bargeld auch Beteiligungen an der Fernseh-Holding Kirch-Media und dem Pay-TV angeboten, um die Springer-Forderungen zu erfüllen. Dies habe Döpfner abgelehnt.

Kirch, der mit rund 40 % nach der Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer größter Gesellschafter des Springer-Konzerns ist, plant, im Juni die Pro Sieben Sat 1 mit der Kirch Media zu verschmelzen. Die Ausübung der Option kommt Kirch daher höchst ungelegen. Bereits im Dezember waren Spekulationen über finanzielle Engpass aufgetaucht. Zuletzt verlängerte die Dresdner Bank einen Kredit über 460 Mill. Euro bis April. Sowohl Kirchs Hauptgeldgeber, die Bayerische Landesbank, als auch die Hypo-Vereinsbank gaben keinen Kommentar. Aus Branchenkreisen hieß es, dass nicht damit zu rechnen sei, dass die Kreditpolitik gegenüber Kirch geändert werde. Kirch sei noch längst nicht am Ende.

Die Schwierigkeiten der Kirch-Gruppe kommen der bayerischen Staatskanzlei ungelegen. Für Ministerpräsident und Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber wäre es im Wahlkampf ein ernstes Handicap, wenn der Freistaat in die finanziellen Probleme Kirchs hineingezogen würde. Die Bayerische Landesbank ist der größte Kreditgeber Kirchs - nicht zuletzt dank der guten Beziehungen Kirchs zu Stoiber. Dessen Ruf als erfolgreicher Wirtschaftslenker wäre dahin, wenn die Landesregierung für geplatzte Kredite der Landesbank einspringen müsste. "Dann erlebt Stoiber das, was die CDU in Berlin mit der Landesbank mitgemacht hat", sagte ein CDU-Präsidiumsmitglied. "Seine Kanzlerambitionen kann er dann vergessen."

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