Harte Konkurrenz und teures Öl belasten Erträge
Chemie-Aktien trotzen den Herbststürmen

Der aktuelle Abschwung der weltweiten Börsen ist an vielen Chemiewerten bislang vorbei gegangenen. Obwohl die Branche unter scharfem Wettbewerb und hohen Rohstoffkosten leidet, beurteilen Analysten Bayer und BASF positiv. Auch die US-Branchenführer konnten sich zuletzt erholen.

tmo DÜSSELDORF. An der Börse zählten die Chemiewerte bislang zu den Hinterbänklern. Kaum jemand mochte die Titel aus der "very old Economy", die zuletzt höchstens durch Gewinnwarnungen US-amerikanischer Konzerne auffielen. Doch die jüngsten Kursverluste an den Finanzmärkten haben die Chemiewerte gut verkraftet - im Gegensatz zu vielen heißen Wachstumstiteln. Dadurch rückt der Sektor ins Blickfeld der Anleger.

BASF und Bayer bestechen durch Wertschöpfung

Auch langfristig können sich Aktien wie BASF und Bayer durchaus mit den Stars aus den Modebranchen Technologie, Medien und Telekommunikation messen: Zwischen 1995 und 1999 zählten die beiden Daxwerte zu den zehn deutschen Aktien mit der höchsten Wertschöpfung, wie eine Studie der Boston Consulting Group ergab. Dieses Ergebnis erzielten die beiden Nachfolger der IG Farben nicht allein über die Kursentwicklung, sondern auch mit üppigen Dividendenzahlungen.

Allerdings bestimmen Ertragsprobleme auf Grund des hohen Ölpreises und die harte Konkurrenz derzeit die Stimmung der Chemiebranche. Weil viele Chemieprodukte auf Öl basieren, belastet der hohe Preis für den Rohstoff die Unternehmensbilanzen. Die US-Investmentbank Goldman hebt in einer Studie hervor, dass die Chemikalien-Preise nicht parallel zur Ölnotierung steigen können. Denn in erster Linie bestimmt das marktspezifische Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Preis auf den Märkten für Chemikalien. Langfristige Lieferverträge erschweren eine schnelle Überwälzung der gestiegenen Rohstoffkosten zusätzlich. Die US-amerikanischen Branchenführer wie Du Pont und Dow Chemical leiden außerdem unter dem hohen Dollarkurs. "Der Wechselkurs belastet die US-Konzerne gleich doppelt", hebt Analystin Sibylle Bischofberger von der Schweizer Privatbank Vontobel hervor. Durch den starken Dollar schrumpfen die Umsätze, die US-Unternehmen in der Euro-Zone erzielen, schon allein durch die Währungsumrechnung. So sind zum Beispiel die Absätze der deutschen Werke von Dow Chemical bei einem schwachen Euro weniger Dollar wert. Noch nachteiliger wirkt sich der Wechselkurs aus, wenn Produkte auf Dollarbasis in Amerika hergestellt und dann in andere Währungsräume exportiert werden.

US-Unternehmen leiden unter Dollar-Stärke

Um so stärker dürften die US-Unternehmen profitieren, wenn der Euro sich gegenüber dem Dollar stabilisiert und der Ölpreis sich bei der Marke von 30 $ je Barrel einpendelt. Die Aussicht auf eine solche Entwicklung hat die Du-Pont-Aktie in der vergangenen Woche nach oben gedrückt. Goldman Sachs beurteilt die Titel - ebenso wie Dow Chemical - mit dem vorsichtig optimistischen Urteil "Market Outperform". In Europa wirkt sich der schwache Euro zwiespältig aus: Zwar sinken die Produktionskosten im Euro-Raum. Doch weil die wichtigsten Rohmaterialien in Dollar bezahlt werden müssen, steigen die Einkaufspreise für die Chemiekonzerne des alten Kontinents stark an.

Die Londoner Chemie-Analysten der Investmentbank Credit Suisse First Boston bewerten den europäischen Sektor insgesamt mit "Untergewichten". Das heißt, sie raten Investoren, den Chemie-Aktien einen geringeren Anteil im Depot zu geben als im Vergleichsindex. Die Schweizer Expertin für Chemiewerte, Bischofberger, warnt aber davor, die Branche über einen Kamm zu scheren. Große Unterschiede gebe es zum Beispiel bei der Abhängigkeit der Unternehmen vom Ölpreis und bei den Spielräumen für Preiserhöhungen.

Das Massengeschäft ist wenig profitabel

So veröffentlichte die kürzlich die französische Rhodia als erster europäischer Konzern eine Gewinnwarnung. Die ehemalige Chemiesparte von Rhone-Poulenc, dem Fusionspartner von Hoechst, ist relativ stark im Massengeschäft mit Grundchemikalien engagiert. Dort lässt sich am schwersten Geld verdienen. In Deutschland favorisieren dagegen viele Analysten Bayer. Vor wenigen Tagen erhöhte die Deutsche Bank ihr Anlageurteil für den Leverkusener Chemie- und Pharmariesen auf "Buy" (Kaufen) von zuvor "Marketperform" (durchschnittliche Kursentwicklung). Den aktuellen Aktienkurs von rund 45 Euro bezeichneten die Analysten als günstig. Ihr Kursziel liegt bei 58 Euro.

Nicht ganz so positiv bewerten die Anlageexperten den Rivalen BASF: Zwei Drittel der vom Informationsdienst Bloomberg erfassten Einstufungen fallen zwar positiv aus. Aber immerhin drei Banker geben ein negatives Urteil ab. Der in Ludwigshafen ansässige Konzern gilt als weniger defensives Investment als der Leverkusener Konkurrent. Denn anders als Bayer verfügt BASF nicht über ein starkes Standbein im weniger schwankungsreichen Pharmageschäft. Dafür engagiert sich BASF zusammen mit dem russischen Gasmonopolisten Gazprom in den Bereichen Öl und Gas. In Russland will BASF in den kommenden fünf Jahren bis zu 500 Mill. DM investieren, wie das Unternehmen kürzlich bekanntgab. Das Bankhaus Metzler hält BASF auf dem derzeitigen Kursniveau für stärker unterbewertet als Bayer. Die Empfehlung der Privatbank lautet "Kaufen" für BASF und "Halten" für Bayer.

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