Harte Landung der US-Devise würde weltweites Wachstum verringern
USA: Die Folgen eines schwachen Dollar

Weiche oder harte Landung? Diese Frage stellen sich die Händler an den Devisenmärkten in diesen Wochen beim Blick auf den Wechselkurs des US-Dollar.

DÜSSELDORF. Denn nach dem Höhenflug in den vergangenen drei Jahren hat die US-Devise zur Korrektur angesetzt. Seit Anfang dieses Jahres hat der Dollar gegenüber dem Euro acht Prozent an Wert verloren, gegenüber dem Yen waren es sieben Prozent.

Eine sanfte Landung der US-Währung, die den Wechselkurs wieder stärker in Einklang mit den wirtschaftlichen Fundamentaldaten bringt, wäre wünschenswert für die Weltwirtschaft. So würde ein schwächerer Dollar zum einen die amerikanischen Exporte anregen und dadurch den Abbau des Rekorddefizits in der Leistungsbilanz vorantreiben. Zum anderen verbilligt er die Einfuhren der europäischen Importeure. Niedrigere Einfuhrpreise würden den Auftrieb der Verbraucherpreise hier zu Lande dämpfen und es der Europäischen Zentralbank erleichtern, ihr Stabilitätsversprechen einzuhalten.

Ein schwächerer Dollar würde aber auch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und japanischen Exporteure verschlechtern. Um den Verlust von Marktanteilen zu vermeiden, müssten die Firmen mit Preiskonzessionen auf die Abwertung des Dollar reagieren. Ein Einbruch der Gewinne ließe sich dann nur vermeiden, wenn auch die Kosten kräftig sinken. Das erfordert nicht nur eine bessere Kostenkontrolle aufseiten der Unternehmen. Notwendig sind darüber hinaus strukturelle Reformen aufseiten der Wirtschaftspolitik, die die Abgabenbelastung der Firmen reduzieren und ihnen helfen, Produktivitätsreserven auszuschöpfen. Ein schwacher Dollar könnte daher den Reformdruck in Europa und Japan weiter erhöhen.

Während eine sanfte Landung des Dollar somit viele Vorteile hat, würde eine harte Landung der US-Devise die Weltwirtschaft in große Schwierigkeiten stürzen. So wären die meisten Firmen in Euroland und Japan nicht in der Lage, ihre Kostenstrukturen schnell an einen plötzlichen Höhenflug von Euro und Yen anzupassen. Daher würden sie an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Die Ausfuhren Eurolands und Japans - hier wie dort bislang die einzigen Stützen des Aufschwungs - würden einbrechen und das Wachstum in beiden Wirtschaftsräumen bremsen. Die Ökonomen der US-Investmentbank Morgan Stanley haben errechnet, dass eine Abwertung des Dollar um 20 Prozent bis Ende dieses Jahres das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Euroland um einen Prozentpunkt schmälern würde. In Japan käme es zu einer Wachstumseinbuße von 0,5 Prozentpunkten.

Auch in den USA würde eine harte Landung die Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Zwar regte ein niedrigerer Außenwert des Dollar die US-Exporte an. Doch die plötzliche Abwertung der US-Devise hätte negative Folgen für die Finanzmärkte.

Aus Furcht vor weiteren Währungsverlusten würden sich die Anleger aus den USA zurückziehen. Unter dem Verkaufsdruck würden die Kurse von Aktien und Anleihen in den Keller rutschen und den privaten Haushalten massive Vermögensverluste bescheren. Ein drastischer Anstieg der Sparquote und ein Einbruch des Konsums wären die Folgen.

Auch für die Unternehmen wären niedrigere Aktien- und Anleihekurse eine schwere Belastung. Denn sie würden die Kosten der Kapitalbeschaffung erhöhen und so die Investitionsbereitschaft bremsen.

Fallen die USA in der Folge als globales Kraftzentrum aus, hätte die Exportwirtschaft in Europa und Japan nicht nur mit einem höheren Wechselkurs von Euro und Yen zu kämpfen, sondern auch mit einem Nachfrageeinbruch auf ihrem wichtigsten ausländischen Absatzmarkt.

Eine harte Landung der US-Devise würde nach Berechnungen der Morgan-Stanley-Ökonomen daher das weltweite Wachstum um 0,5 bis einen Prozentpunkt verringern. Vom weltweiten Aufschwung bliebe dann nicht mehr viel übrig.

Von Malte Fischer, WirtschaftsWoche

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