Harte Landung der US-Wirtschaft
Bundesbank erwartet positive Konjunturentwicklung

Die Konjunkturaussichten für die Euro-Zone und Deutschland sind nach Einschätzung der Bundesbank trotz der geringeren Wachstumsdynamik im vierten Quartal weiterhin positiv.

Reuters FRANKFURT. Die jüngste Entspannung auf dem Rohölmarkt, eine allmähliche Beruhigung des Preisauftriebs, Steuerentlastungen sowie günstige Finanzierungsbedingungen seien eine gute Grundlage für weiteres Wachstum, heißt es in dem am Mittwoch in Frankfurt vorgelegten Monatsbericht Februar. In der Euro-Zone seien die Inflationsrisiken gesunken. Voraussetzung für eine günstige Preisentwicklung seien jedoch moderate Lohnsteigerungen, mahnte die Bundesbank. Eine harte Landung der US-Wirtschaft sei derzeit nicht ausgeschlossen.

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im vierten Quartal 2000 zum Vorquartal saison- und kalenderbereinigt voraussichtlich nur um 0,25 % gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergibt sich nach den Bundesbank-Berechnungen ein saison- und kalenderbereinigtes BIP-Wachstums von knapp 2,75 %. Die deutliche Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik führen die Bundesbank-Volkswirte vor allem auf die gestiegenen Ölpreise zurück. Diese hätten die Realeinkommen der privaten Haushalte sowie die Ertragslage der Unternehmen gedämpft. Doch insgesamt sieht die Bundesbank gute Chancen, dass sich die gegenwärtige Wachstumsabschwächung in Deutschland nicht verfestigt. Auch für die Euro-Zone gehen die Bundesbank-Volkswirte trotz der verlangsamten Konjunktur im vierten Quartal 2000 von einem andauernden Produktionswachstum aus. Die Konjunktur werde in diesem Jahr voraussichtlich von Steuerentlastungen einiger Mitgliedsstaaten und der damit verbundenen gestützen Inlandsnachfrage sowie einer weiter starken Exportkonjunktur profitieren. Die derzeitigen Finanzierungsbedingungen in der Euro-Zone stünden einer weiter günstigen Konjunkturentwicklung nicht im Wege.

Für die Preisentwicklung in der Euro-Zone und in Deutschland sei vor allem die Begrenzung von Zweitrundeffekten der Ölpreissteigerungen von großer Bedeutung. "Dafür sind maßvolle Lohnsteigerungen, wie sie im vergangenen Jahr in Deutschland vereinbart wurden, eine wesentliche Voraussetzung", hieß es.

Die Aufwertung des Euro bezeichneten die Bundesbank-Volkswirte als wünschenswerte Korrektur. Sie erleichtere die stabilitätspolitische Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) und vermindere gleichzeitig die wechselkursbedingten Wettbewerbsverzerrungen. Seit seinem im Oktober 2000 erreichten Rekordtief von 0,8229 Dollar hatte sich die Gemeinschaftswährung zwischenzeitlich bis auf Kurse knapp unter 0,96 Dollar erholt, notierte zuletzt aber wieder deutlich schwächer um 0,91 Dollar.

Insbesondere durch die deutliche Konjunkturabkühlung in den USA hätten die Konjunkturrisiken in Europa jedoch zugenommen. "Vor allem eine härtere Landung der US-Wirtschaft könnte die Volkswirtschaften im Euro-Raum zeitweilig stärker beeinträchtigen", stellen die Bundesbank-Volkswirte fest. Bisher sieht die Bundesbank zwar keine Anzeichen für eine langfristige Wachstumsverlangsamung der US-Wirtschaft und Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten. Allerdings könne derzeit eine "holprige Landung" mit einem Wachstum von weniger als zwei Prozent nicht ausgeschlossen werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte am vergangenen Wochenende seine Wachstumsprognose für die USA auf 1,7 % halbiert.

Vor allem durch den tendenziellen Rückgang der Ölpreise sowie der zweimaligen Zinssenkung der US-Notenbank Fed um insgesamt 100 Basispunkte im Januar sei auf lange Sicht in den USA aber wieder mit kräftigen Produktionszuwächsen zu rechnen.

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