Harte Lobbyarbeit vor möglicher Rettung für United Airlines
US-Fluglinien vor dem Kollaps

Die Entlassungswelle im amerikanischen Flugverkehr setzt sich unvermindert fort. Die Fluggesellschaft US Airways gab gestern bekannt, in den kommenden drei Monaten weitere 2 500 Mitarbeiter oder 7 % der Belegschaft freistellen zu müssen.

kk NEW YORK. Seit den Terroranschlägen des 11. September hat die Airline mit Sitz in Arlington im Bundesstaat Virginia damit bereits 15 000 ihrer 46 000 Stellen gestrichen. Mit den neuen Entlassungen wird sich US Airways insgesamt von 38 % der Belegschaft getrennt haben.

Außerdem fordert die Fluglinie von den Angestellten weitere Zugeständnisse bei Arbeitsregeln und Sonderleistungen. Die Mitarbeiter von US Airways haben bereits erheblichen Einschnitten bei Lohn und anderen Leistungen in Höhe von insgesamt 840 Mill. $ jährlich zugestimmt.

Die Nummer sieben der US-Branche will mit den neuen Entlassungen die Kosten weiter senken, um im kommenden Jahr wieder aus dem Konkurs fliegen zu können. US Airways, die im vergangenen Jahr bei 8,3 Mrd. $ Umsatz horrende 2,1 Mrd. $ Verlust machte, fliegt derzeit unter Gläubigerschutz nach Chapter 11 - ein Schicksal, das in Kürze auch United Airlines, dem großen Konkurrenten und Lufthansa-Partner in der Star Alliance, drohen könnte.

UAL Corp., die Muttergesellschaft von United mit Sitz in Elk Grove Township/Illinois, hat gewarnt, dass sie ebenfalls gezwungen sein werde Gläubigerschutz zu beantragen, falls sie die erhofften staatlichen Kreditbürgschaften in Höhe von 1,8 Mrd. $ nicht erhält. Die Kredithilfen sind Teil des Hilfsprogramms, das die Bush-Regierung nach den Terroranschlägen des 11. September aufgelegt hat. Mit den staatlichen Hilfen will sich UAL eine private Finanzierung in Höhe von 2 Mrd. $ sichern.

Wie UAL am Dienstagabend bekannt gab, will die Fluggesellschaft in den kommenden fünfeinhalb Jahren insgesamt 14,1 Mrd. $ sparen. Das sind noch einmal 1,2 Mrd. $ Einsparungen mehr als bisher vorgesehen. 5,2 Mrd. $ sollen durch Lohnsenkungen und Leistungskürzungen von den Mitarbeitern zustande kommen. Analysten und auch konkurrierende Fluglinien hatten bemängelt, die Kostensenkungen bei United - das mehrheitlich den Mitarbeitern gehört - gingen bisher nicht annähernd so weit wie bei anderen US-Airlines.

UAL hatte bisher gehofft, die zuständige Behörde, das Air Transportation Stabilization Board, würde bis nächste Woche eine Entscheidung fällen. Denn am kommenden Montag läuft eine Frist für einen Kredit in Höhe von 375 Mill. $ aus. Die Zahlung könnte nach Einschätzung von Analysten jedoch um einige Tage aufgeschoben werden. Bisher hatte UAL gesagt, dass sie den Kredit ohne die Hilfen nicht bedienen, sondern statt dessen Gläubigerschutz beantragen werde.

"Ich glaube jedoch nicht, dass nächste Woche unbedingt etwas passieren muss", sagte Ray Neidl, Analyst beim Finanzhaus Blaylock & Partners. Er schätzt, dass sich die Verhandlungen mit der US-Regierung noch länger hinauszögern. United, die täglich rund 7 Mill. $ Verlust einfliegt, hat nach eigenen Angaben aber nicht genügend flüssige Mittel, um es bis zum Jahresende zu schaffen.

In Washington hat die Fluggesellschaft deshalb ihre Lobby-Arbeit in diesen Tagen intensiviert. Verschiedene Politiker machen sich für die Hilfen stark. Gewerkschaftsmitglieder haben die Behörde zudem mit 42 000 Briefen und E-Mails überhäuft und um die Staatshilfen gebeten.

Dabei muss sich UAL gegen die Vorstöße der Konkurrenz wehren, die in Washington versucht, die Milliardenzuschüsse an United zu verhindern. Continental Airlines-Chef Gordon Bethune giftete im US-Fernsehsender CNBC gegen die Hilfen: Steuerzahler sollten nicht "den Verlierer subventionieren". Die Konkurrenten, denen es nur unwesentlich besser geht als United, argumentieren, United wäre auch ohne die Terroranschläge in Konkursgefahr geraten. Northwest Airlines rechnete dem Board vor, United werde auch mit den Staatshilfen bereits im Jahr 2004 wieder das Geld ausgehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%