Harte Sanierung
Bei der Schmidt-Bank gibt es vorerst nichts zu feiern

Ein Jahr ist es her: Die Schmidt-Bank wurde in einer dramatischen Rettungsaktion vor dem Aus bewahrt. Sanierer Paul Wieandt hat die Privatbank inzwischen zwar zurechtgestutzt. Doch schwarze Zahlen sind erst 2005 in Sicht. Zudem ermitteln die Staatsanwälte auf Hochtouren.

HOF. Karl Gerhard Schmidt ist nur noch ein normaler Kunde. Ab und an parkt der Ex-Privatbankier seinen Audi vor der Schmidt-Bank-Filiale in der Ernst-Reuter-Straße in Hof. Der 67-Jährige holt dann seine Post ab, prüft die Konten. Doch mit der Führung des traditionsreichen Bankhauses, das seine Vorfahren vor 174 Jahren gegründet hatten, hat er nichts mehr zu tun.

Vor einem Jahr, am 18. November 2001, musste Schmidt den Chefsessel räumen und die Mehrheit an der Bank abgeben. Damals stand sein Institut vor dem sicheren Aus. In einer konzertierten Aktion fingen die vier großen Privatbanken, Deutsche, Dresdner, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank, sowie die Bayerische Landesbank das strauchelnde Institut auf. Die teuerste Rettungsaktion in der Nachkriegsgeschichte der privaten Banken: Verluste von insgesamt knapp 1,3 Mrd. Euro musste der Einlagensicherungsfonds des privaten Bankgewerbes übernehmen, damit die Bank weitermachen kann.

Sanierer Paul Wieandt, seit Anfang Dezember 2001 an der Spitze der Bank, ließ seitdem keinen Stein auf dem anderen. Alle Kreditengagements wurden geprüft, die ganze Bank durchforstet. Ende März legte Wieandt ein Konzept vor, wie die Bank weitergeführt werden kann. Drastische Einschnitte waren die Folge: Rund 50 der 120 Filialen wurden geschlossen, bis 2003 werden etwas weniger als die Hälfte der ursprünglich 2 000 Stellen gestrichen. Das "faule" Kreditgeschäft von knapp 2 Mrd. Euro wurde in eine "Abwicklungsbank" ausgegliedert.

Wieandt räumte auf. Er verkaufte die Mehrheit am Discount-Broker Consors an den französischen BNP-Konzern, die Fondstochter Franken Invest an die Deutsche-Bank-Tochter DWS, der Dienstleister Ferenda ging an die Beratungsfirma Accenture. Nach einer Kapitalherabsetzung auf Null stellte der Bundesverband deutscher Banken frisches Kapital von 250 Mill. Euro zur Verfügung. So halten die Privatbanken jetzt fast 100 % an der Schmidt-Bank.

Doch die Bank dürfte weiter in den Schlagzeilen bleiben. Denn die Staatsanwaltschaft Hof interessiert sich brennend für den Fall "Schmidt-Bank". Ein Ermittlungsverfahren gegen Karl Gerhard Schmidt und seinen Sohn Karl Matthäus, beide einst persönlich haftende Gesellschafter, läuft seit Monaten. "Angesichts des Umfangs der Ermittlungen wird es noch einige Zeit dauern", sagt Staatsanwalt Thomas Janovski. Nach Handelsblatt-Informationen unterstützen inzwischen Experten aus dem Landeskriminalamt in München die Arbeit der Staatsanwälte.

Die Behörden prüfen, ob es vor dem Beinahe-Aus mit rechten Dingen zugegangen ist. Denn immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Gerüchte um die Solidität der Bank. Doch Privatbankier Schmidt dementierte bis zuletzt. "Wir sind überhaupt nicht gefährdet", sagte er noch eine Woche vor seinem Aus. Doch das Traditionshaus war überschuldet: zu hohe Risiken im Kreditgeschäft, zu wenig Eigenkapital. Schmidt, als "Sonnenkönig aus Franken" bezeichnet, gab auch dann noch Kredite an Firmenkunden, wenn es eigentlich nichts mehr zu retten gab.

"Die Entscheidung, die Bank zu retten, war nicht nur richtig, sie war absolut notwendig. Das gilt vor allem, da sich die Probleme als deutlich größer als damals unterstellt erwiesen haben", sagt Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu heute. Der CSU-Politiker war maßgeblich an der Rettung beteiligt, denn er überredete damals Bankenaufseher Jochen Sanio dazu, weitere zwei Tage stillzuhalten, damit eine Lösung gefunden werden kann.

Auch der öffentlich-rechtliche Sektor beteiligte sich damals zähneknirschend an der Rettung - wenn auch mit nur rund 50 Mill. Euro. Und das, obwohl die Schmidt-Bank seit Jahrzehnten den Sparkassen in der Region Konkurrenz machte. Kein Wunder, dass die Sparkassen heute wütend sind, wenn die Schmidt-Bank mit günstigen Anlage-Angeboten neue Kunden lockt. "Die machen uns jetzt mehr Ärger als früher", heißt es bei den Sparkassen.

Wieandt testiert der Bank aber eine "echte Fortführungschance". Von 2002 bis 2004 werden weitere Verluste von rund 70 Mill. Euro erwartet. Erst ab 2005 wird ein neuer Eigentümer gesucht. Derzeit hat die Bank etwa 400 000 Privat- und 25 000 Firmenkunden.

Im nächsten Jahr besteht die Bank 175 Jahre. Dann soll auch der 38 Mill. Euro teure Neubau eingeweiht werden. Das Projekt konnte nicht mehr gestoppt werden. Der geplante Festsaal wird aber in ein Call-Center umgewandelt. Denn zu feiern gibt es vorerst nichts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%