Harte Sanierungsmaßnahmen
Autobauer erhöhen Druck auf Zulieferer

Der Autozulieferer Valeo will zwölf seiner 140 Werke schließen und 5 000 Stellen streichen.

stw/dpa HANNOVER/DETROIT. Konzernchef Thierry Morin sieht Alarmzeichen auf beiden Seiten des Atlantiks: In den USA werde die Autonachfrage im vierten Quartal um ein Fünftel einbrechen. In Europa rechnet er für das nächste Jahr mit einem Rückgang von mehr als 10 %. Valeo hat in diesem Jahr bereits sechs Fabriken geschlossen und 17 verkauft. Bis Ende September liefen Verluste in Höhe von 174 Mill. Euro auf.

Die Lage habe sich bereits vor den Anschlägen vom 11. September verschlechtert, sagte Morin. Bereits vor Monaten hatten die Autohersteller in den USA Produktionskürzungen angekündigt. Nach den Attentaten folgt eine zweite Welle, und auch in Europa sind viele Pläne Makulatur geworden. Die Volkswagen AG hat während der Herbstferien die Bänder in mehreren Werken angehalten, Fiat drosselt ebenso die Produktion wie Renault. Die Franzosen sind einer der wichtigsten Kunden von Valeo.

Viele Hersteller greifen zu "relativ radikalen Instrumenten"

Viele Hersteller nähmen sich in dieser Lage ein Beispiel an Chrysler und griffen zu einem "relativ radikalen Instrument", sagt Georg Stürzer, Autoanalyst der Hypo-Vereinsbank. Die Amerikaner hatten ihre Lieferanten bereits Anfang des Jahres ultimativ zu einem Preisnachlass von 5 % aufgefordert. Offensichtlich habe Chrysler damit beträchtliche Einsparungen erreicht, sagt Stürzer. Ford kündige bereits ähnliche Schritte an.

Valeo reiht sich in eine illustre Riege ein. Die Continental AG will es vorerst mit Kurzarbeit in ihren US-Werken schaffen (Handelsblatt vom 17.10.), doch Entlassungen sind inzwischen die Regel. Branchenführer Delphi Automotive Systems, dem General- Motors-Konzern traditionell verbunden, hat bereits vor einigen Tagen die nächste Sparrunde angekündigt.

In den nächsten Monaten sollen 1 500 Stellen gestrichen werden, nachdem der Gewinn im dritten Quartal um drei Viertel eingebrochen ist und auch für den Rest des Jahres keine Besserung erwartet wird. Rivale Visteon, der aus dem Ford-Lager stammende Branchenzweite, berichtete am Freitag von 95 Mill. $ Verlust im dritten Quartal und begründete das mit "unerwarteten und scharfen Produktionskürzungen" der Kunden im dritten Quartal 2001.

Dana entlässt mehr als 15 % der Belegschaft

Schlechte Nachrichten kamen in den vergangenen Tagen auch von Dana und TRW. Dana Corp. will 11 000 Mitarbeiter nach Hause schicken, das sind mehr als 15 % der Belegschaft. Es ist die zweite Entlassungsrunde, nachdem der Spezialist für Fahrwerks- und Motorteile seit dem vergangenen Jahr bereits 10 000 Stellen gestrichen hat. TRW Inc. will insgesamt mehr als 3 000 Mitarbeiter entlassen, von denen ein Teil allerdings in der Luft- und Raumfahrtsparte des Konzerns arbeitet. Nach Stürzers Einschätzung ist die Krise damit noch nicht ausgestanden. Sollte die Nachfrage so schwach bleiben, "wird es im nächsten Jahr erst richtig rund gehen". Viele Autoproduzenten haben selbst schon die ersten Kündigungen hinter sich und erhöhen den Druck auf die Zulieferer.

Stürzer sieht die Branche zumindest in den USA schlecht dafür gerüstet. Die Konzentrationswelle der vergangenen Jahre, die eigentlich mehr Krisenfestigkeit hätte bringen sollen, hat in erster Linie hohe Schulden produziert. In vielen Fällen fehlten die Reserven, um die Durststrecke ohne große Einschnitte durchzustehen.

Stürzer warnt allerdings davor, die gesamte Zulieferbranche über einen Kamm zu scheren. Die Risiken hingen nicht zuletzt vom jeweiligen Kundenkreis ab. So leide Valeo nicht nur an den USA, sondern auch an der Abhängigkeit von Renault. Wer dagegen seine Teile vorwiegend in der Oberklasse bei Mercedes Benz, Audi oder BMW einbaut, stehe noch recht gut da. Die Schärfe des Wettbewerbs in der Autoindustrie könne Zulieferern auch Chancen bieten, sagt Stürzer. Die Hersteller versuchten zunehmend, mit zusätzlicher Ausstattung in ihren Fahrzeugen den Verkauf anzukurbeln. Firmen wie der Sitzheizungshersteller W.E.T. AG könnten davon auch profitieren.

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