Harte Sanierungsschritte bei der Verluste schreibenden Anlagenbau-Tochter Lurgi
MG Technologies kommt nicht zur Ruhe

Eigentlich hatte Vorstandschef Kajo Neukirchen die Sanierung der früheren Metallgesellschaft und heutigen MG Technologies AG für abgeschlossen erklärt. Doch jetzt gibt es ein neues Sorgenkind. Die Tochter Lurgi ist wegen mangelnder Nachfrage, Missmanagement und Bilanzmanipulationen in die roten Zahlen gerutscht.

koe FRANKFURT/M. Die Halbjahresverluste der Lurgi AG in Höhe von 55 Mill. Euro kommen völlig überraschend. Zwar hatte MG-Technologies-Chef Kajo Neukirchen bereits häufiger von einer nicht zufriedenstellenden Situation bei dem Anlagenbauer berichtet, Verluste in dieser Höhe waren aber allgemein nicht erwartet worden. Nach Angaben von Neukirchen haben sie mehrere Gründe. Zum einen seien Aufträge wegen der unsicheren Situation auf dem liberalisierten Strommarkt in Deutschland ausgeblieben. So betrug der Auftragseingang im ersten Halbjahr 1999/2000 nur noch 724 Mill. Euro nach immerhin 1 Mrd. Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig herrscht in der Branche ein starker Preisdruck. Zudem sind bei einer Tochtergesellschaft der zu Lurgi gehörenden Lentjes-Gruppe Bilanzmanipulationen in erheblichem Ausmaß aufgetaucht. Die Höhe des Schadens werde zurzeit ermittelt, die verantwortlichen Manager hätten das Unternehmen umgehend verlassen, sagte Neukirchen.

Mit seiner bekannt harten Hand will Neukirchen jetzt das Sorgenkind Lurgi schnellstmöglich auf Kurs bringen. Jede fünfte Stelle und damit rund 1 200 der aktuell gut 6 000 Jobs sollen bei dem Anlagenbauer bis Ende des Geschäftsjahres 1999/2000 (zum 30. September) gestrichen werden. Aktivitäten, in denen man im internationalen Markt strategisch nicht stark genug positioniert sei, würden aufgegeben. Ausbauen will der MG-Chef dagegen die Sparten Life Sciences (Gesundheit und Ernährung) sowie Umwelt.

Fest steht, dass die Bereiche Großwasserraumkessel und Klärschlamm aufgegeben sowie die Sparten Metallurgie und Stahlbau verkauft werden. Damit trennt sich Lurgi von 850 Mill. DM Umsatz, bei einem Gesamtumsatz von knapp 4 Mrd. DM. Neukirchen versprach bei Lurgi eine Stabilisierung und eine Verbesserung der Ergebnisse für die zweite Jahreshälfte. Dennoch werde die Tochter im Gesamtjahr rot abschließen.

Noch sind die genauen Auswirkungen des Debakels unklar. Neukirchen wollte gestern keine Angaben zu den Restrukturierungskosten machen. Gleichwohl sind viele Analysten nach wie vor vom Wachstumspotenzial der MG-Aktie überzeugt. Auch die Börse reagierte gestern angesichts der insgesamt guten Konzern-Halbjahreszahlen positiv. Die MG-Stammaktie legte im Tagesverlauf um knapp 2 % zu. "Wir sind zuversichtlich, im Gesamtjahr das Ergebnis vor Steuern zum sechsten Mal in Folge im zweistelligen Prozentbereich steigern zu können", sagte Neukirchen. Im ersten Halbjahr legte das Vorsteuerergebnis um 54 % auf 108 Mill. Euro zu. Der Konzernumsatz sank von 4,6 Mrd. Euro auf 3,9 Mrd. Euro. Allerdings hat MG ihre Buchführung auf die amerikanischen US-GAAP-Vorschriften umgestellt. Die Zahlen sind deshalb nur schlecht mit den Vorjahreswerten zu vergleichen.

Im Zuge der Lurgi-Sanierung trennt sich die MG von den letzten noch im Konzern verbliebenen Metallaktivitäten. Bereits Anfang der Woche hatte der amerikanische Energiekonzern Enron Corp. ein Übernahmeangebot in Höhe von 385 Mill. DM für das 41,78-Prozent-Paket unterbreitet, das die MG noch an der börsennotierten Metallhandelstochter MG Plc hält.

Neukirchen setzt künftig vor allem auf die Pharmabranche als Kunden, auch für die Sparte Anlagenbau. "Pharmakonzerne werden sich immer stärker auf die Forschung und Entwicklung konzentrieren und die Produktion extern vergeben." Das sei eine große Wachstumschance für MG. "Wir produzieren schon heute in den USA für das US-Unternehmen Pfizer Tabletten", so Neukirchen.

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