Harte Vorwürfe gegen Haffa-Brüder
Entlastung von EM.TV-Vorstand verschoben

Die Hauptversammlung des krisengeschüttelten EM.TV-Konzerns hat mit den Stimmen des zurückgetretenen Vorstandschefs Thomas Haffa die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat verschoben.

ap/dpa MÜNCHEN. Für die Verschiebung auf die nächste Hauptversammlung votierten jeweils mehr als 97 Prozent des anwesenden Kapitals. Zunächst soll der Ausgang der Ermittlungen gegen Haffa abgewartet werden. Anwesend waren knapp 50 Prozent des Grundkapitals. Etwa 43 Prozent davon halten Haffa und sein Bruder Florian. Sie waren zwar nicht anwesend, übertrugen aber ihre Stimmrechte. Auch ohne das Votum Haffas wäre die Verschiebung nach Angaben der Versammlungsleitung zu Stande gekommen.

Vor der Abstimmung kam es zu einer Generalabrechnung. Das Medienunternehmen habe sich "vom Börsenliebling zum absoluten Katastrophenfall entwickelt", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der designierte Vorstandschef Werner Klatten kündigte ein hartes Durchgreifen an. Auch Personalabbau schloss er nicht aus.

"Der Lokführer trank Champagner"

"Das Überleben der EM.TV ist für mich keines Falls gesichert", sagte Bergdolt unter großem Beifall der knapp 3 000 Aktionäre. Dass der vergangene Woche zurückgetretene Vorstandschef Haffa sich nicht der Versammlung stellen wollte, nannte sie "mehr als schäbig und unwürdig". Als Gründer eines Unternehmens, das aus Kleinaktionären Millionäre gemacht habe, war Haffa laut Bergdolt zwar "zurecht lange Zeit Liebling der Börse, der Banken und Anleger". Aber vor lauter Großeinkäufen habe sich der Vorstand nicht mehr um das eigentliche Tagesgeschäft gekümmert. "Man hat das Gefühl, hier ist der Zug mit voller Geschwindigkeit gegen die Wand gefahren", sagte Bergdolt. "Der Lokführer war nicht in der Lok, er saß im Speisewagen und trank Champagner".

Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) warf der Firmenleitung vor, in einem Kaufrausch völlig überzogene Kaufpreise für Rechte an der Formel 1 und für die Muppetshow-Firma Jim-Henson-Company bezahlt zu haben. "Der Aufsichtsrat hätte schon viel früher einschreiten müssen." Er betonte, dass EM.TV noch im Dezember in einer Gewinnwarnung von einem positiven Ergebnis von 50 Mill. sprach, ein halbes Jahr später aber einen Verlust von 2,8 Mrd. DM einräumen musste.

Keine Entlastung des Vorstandes

Die Aktionärsschützer wollten Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigern. Die Firmenleitung sprach sich für eine Vertagung der Abstimmung auf nächstes Jahr aus, wenn Erfolge des Sanierungsprogramms bei EM.TV sichtbar seien.

Klatten wies vor den Aktionärsvertretern zurück, er sei ein Strohmann der Kirch-Gruppe, da dem Konzern eine maßgebliche Beteiligung an EM.TV aus kartellrechtlichen Gründen verwehrt sei. Zur Sanierung des krisengeschüttelten Konzern müsse auch bei "Quantität und Qualität des Personals" effizienter gehandelt werden, sagte er weiter.

Klatten will weniger Beteiligungen

Mit einem neuen Firmenkonzept will Klatten "EM.TV in einem akzeptablen Zeitraum von zwölf Monaten neu aufstellen". Dazu müsse die Qualität aller Bereiche verbessert werden. Die große Anzahl von Beteiligungen und Geschäftsfeldern nannte der frühere Sat1-Cef "aus heutiger Sicht überdimensioniert". Jede Beteiligung müsse überprüft werden. Klatten bezeichnete EM.TV als ein Unternehmen, "das zu hoch flog und nun zu tief gefallen ist". Klatten hatte bereits vergangene Woche angekündigt, als neuer Firmenchef gleichzeitig 25,1 % an EM.TV von seinem Vorgänger Haffa übernehmen zu wollen.

Der designierte Vorstandsvorsitzende Werner Klatten schloss weder den Verkauf der prestigeträchtigen Formel-Eins-Beteiligung noch die Trennung von der "Muppet-Show"-Firma Jim Henson aus. Er habe den Eindruck, dass die Formel Eins-Beteiligung nicht zu den anderen EM.TV-Geschäftsfeldern passe, sagte Klatten. Bei einem Verkauf winke dagegen ein "signifikanter Erlöszufluss". Damit könne EM.TV andere Medientitel kaufen, die sich besser integrieren ließen.

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