Harte Zeiten für den Telekom-Chef
Kommentar: Sommers Sorgen

Er versetzte die Deutschen in ein Börsenfieber, brachte die größte Aktienemission in der deutschen Geschichte über die Bühne. Er war der Herr der Volksaktie und schien Anlegern den Traum vom schnellen Geld zu erfüllen. Aus der Traum.

Ron Sommer, Chef der Deutschen Telekom, hat die Fortune verlassen. Er muss an allen Fronten kämpfen: Der Kurs der T-Aktie stürzt immer tiefer, der Schuldenberg hat das Niveau vorbörslicher Zeiten erreicht, die Übernahme des US- Mobilfunkers Voicestream scheint gefährdet. Jetzt muss Sommer auch noch das durch Sonderfaktoren aufpolierte Ergebnis 2000 um 1,5 Mrd. Euro nach unten korrigieren.

Nach einer Woche voller Rücktrittsgerüchte um Sommer räumte die Telekom gestern kleinlaut ein, dass ihre Immobilien deutlich weniger wert sind als in der Bilanz ausgewiesen. Das wäre halb so dramatisch, würde nicht die Bonner Staatsanwaltschalt schon seit Mitte vergangenen Jahres prüfen, ob die Telekom die Buchwerte ihrer Immobilien falsch ausweist.

Die Aktienmärkte trifft die gestrige Nachricht zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt . Falsches Timing und dringend verbesserungsbedürftige Investor-Relations-Arbeit könnte man das Ganze nennen. Doch das ist längst nicht alles. Das Unternehmen hat auch einige strategische Fehler gemacht. Beispiel UMTS: Die Telekom hat nur die beiden teuersten Lizenzen ersteigert und die günstigen Gelegenheiten ungenutzt gelassen. Beispiel Telecom Italia: Der Einstieg im Frühjahr 1999 war für Sommer ein Projekt von "zwingender industrieller Logik", doch er ist gescheitert und hat überdies die Allianz mit der France Télécom zerstört.

Noch vor einem Jahr, in der Börseneuphorie um Telekomwerte, ließen sich die Anleger von Zweifeln an der Strategie nicht irritieren. Sie trieben die T-Aktie auf einen Rekordstand von 104 Euro. Heute ist das Börsenklima rauer. Zu offensichtlich werden die Schwachstellen des rosa Riesen auf dem langen Weg zu einem Global Player. Nur in Osteuropa hat das Unternehmen bisher ein tragfähiges Netz von Beteiligungen aufgebaut. Von einer internationalen Strategie ist ansonsten nicht viel übrig geblieben - bis auf den US-Mobilfunker Voicestream, den die Telekom sich einiges kosten lässt.

Auch das Stammgeschäft, das Festnetz, läuft schon lange nicht mehr rosarot. Mit massiven Preissenkungen hat sich die Telekom ins eigene Fleisch geschnitten. Und im Mobilfunk, dem zweiten Umsatzträger, ist die Rendite 2000 dem Bemühen um neue Kunden zum Opfer gefallen. Da tröstet es nur wenig, dass T-Mobil sich jetzt mit dem Marktführer D2 ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert.

Gestern versuchte die Telekom, endlich in die Offensive zu gehen und sich nicht immer nur von den Ereignissen treiben zu lassen. Das Unternehmen kündigte an, alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört, möglichst schnell zu verkaufen. Eine einfache Lösung, die nicht weit trägt. Den richtigen Verkaufszeitpunkt für das Kabelgeschäft hat die Telekom vor Monaten verpasst. Die Immobilien kann sie nicht auf einen Schlag versilbern. Und für die US-Beteiligung Sprint wird sie einen saftigen Abschlag vom Börsenwert hinnehmen müssen, wenn sich die Stimmung am Markt nicht bald dreht.

Im Sport gibt es ein einfaches Prinzip, wie man in solchen Situationen verfährt: Wenn ein Fußballer schlecht spielt, wird er ausgewechselt. Wenn die Mannschaft dauernd verliert, wird der Trainer gefeuert. Große Konzerne verfahren meist ein bisschen anders. Der Mann an der Spitze darf bleiben - auch wenn er dicke Fehler macht. Bei Sommer fragt sich allerdings: Wie lange noch?

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