Harte Zeiten für Internet-Beteiligungshäuser
Internetmediahouse trennt sich von wertlosen Beteiligungen

Die verflogene Euphorie über die Ertragsaussichten vieler Internetfirmen stellt auch die am Neuen Markt gelisteten Internet-Beteiligungshäuser wie die United Internet AG, Montabaur, oder die Münchener Internetmediahouse AG auf eine harte Probe.

jojo/tnt/HB MÜNCHEN/FRANKFURT. "Es geht momentan darum, die Konsolidierungsphase der Internetbranche zu überstehen", gibt Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender und Gründer der United Internet AG offen zu. Denn der Kursverfall vieler Werte am Neuen Markt sowie abgesagte Börsengänge haben in der Ergebnisrechnung ihre Spuren hinterlassen. Vor allen Dingen Abschreibungen und Wertberichtigungen bei einem Teil der 20 Töchter und Beteiligungen haben dafür gesorgt, dass der Beteiligungskonzern im Jahr 2000 tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist. Der Verlust vor Steuern (Ebt) erhöhte sich um 171 % auf rund 54 Mill. Euro.

Parallel kletterte der Umsatz um 60 % auf 194 Mill. Euro. Rund 80 % des Umsatzes stammen laut Dommermuth aus Beteiligungen, die bereits Gewinne erwirtschaften. Gleichzeitig schloss er aber nicht aus, dass sich die United Internet AG im Laufe des Jahres von einem Teil der Beteiligungen trennen könnte.

"Auf der anderen Seite stehen wir aber auch in Verhandlungen über eine neue Beteiligung im Bereich Finanzen", sagte Dommermuth. Insgesamt seien die meisten Töchter, zu denen beispielsweise der Internet-Service-Dienstleister 1&1, der E-Mail-Dienst GMX und der Online-Werbevermarkter Adlink gehören, auf einem guten Weg.

Mit Blick auf den Aktienmarkt hält Dommermuth die Aktie derzeit für unterbewertet. So ergebe sich allein aus dem Wert der wichtigsten fünf Töchter ein fairer Kurs von rund 19 Euro. Doch die Investoren sehen das offensichtlich anders, nach Bekanntgabe der Ergebnisse für das Jahr 2000 verlor die Aktie zeitweise um mehr als 10 % und schloss unter 5 Euro. Bei der ebenfalls am Neuen Markt notierten Tochter Adlink brach der Kurs um mehr als 13 % ein.

Trotzdem ist Dommermuth optimistisch, im Jahr 2002 die Gewinnzone zu erreichen. Dann soll bei einem Konzernumsatz von 430 Mill. Euro ein Vorsteuergewinn von 18 Mill. Euro erwirtschaftet werden. "Wir befinden uns mit dem gesamten Netzwerk auf dem Weg in die Profitabilität", versicherte der Chef der United Internet AG.

Kritisch scheint die Situation bei der Münchener Internetmediahouse AG zu sein: "Wir haben uns Luft geschaffen", kommentiert Unternehmenssprecherin Saskia Bell den Verkauf des Online Toyzone AG-Spielwarenversenders an die Primus GmbH. -Online Jede geldfressende Beteiligung, die das Münchener Unternehmen derzeit abgeben kann, ist eine Hilfe im Überlebenskampf der angeschlagenen Firma. Das sehen offenbar auch die Anleger so: Nach der Bekanntgabe des Deals am Wochenende legte die Aktie des Internet-Beteiligungshauses kräftig zu.

Wer jetzt einsteigt, muss allerdings gehörig Risikobereitschaft mitbringen. Insgesamt ist IMH an 19 Unternehmen mit Anteilen von 5 % (Beans AG) bis 100 % (IMH USA) beteiligt. Aber die Profis in den Banken sehen die Zukunft der IMH alles andere als rosig. Anfang der Woche hat Independent Research die Papiere mit "Verkaufen" bewertet. HSBC Trinkaus stuft das Unternehmen ebenfalls mit "Verkaufen" ein. Die Meinung der Analysten aus Düsseldorf war freilich nicht immer so negativ. In ihrer Emissionsstudie hatten die Banker von HSBC Trinkaus vor allem auf das "überragende Geschäftsmodell" hingewiesen.

Die Idee der Unternehmensgründer Hubertus Hoffmann und Matthias Düwel war, im Internet die Bereiche Inhalt, Handel und Beratung zusammen zu führen. Dazu ging das Unternehmen eine ganze Reihe von Beteiligungen ein, von denen viele inzwischen fast wertlos sind. Keiner der geplanten Börsengänge wurde realisiert. Für Blue Orbit, eine E-Services-Agentur an der IMH mit 51 % beteiligt ist, wurde sogar das Insolvenzverfahren beantragt.

Neue Hoffnung auf ein Überleben gab im Herbst der Einstieg der Beteiligungsgesellschaft VTC Partners. Die Firma stieg über eine Barkapitalerhöhung von 10 % des Grundkapitals bei IMH ein, tauschte den Vorstand aus und kündigte eine Portfoliobereinigung an. Gleichzeitig versprach VTC, das eigene Geschäft auf IMH zu übertragen. Bislang sind nach IMH-Angaben allerdings noch keine VTC-Beteiligungen eingebracht worden. Dies solle im "Verlauf des Jahres" geschehen.

Zum groß angekündigten Asien-Geschäft von IMH kann das Unternehmen derzeit nur wenig Auskunft geben. Im vergangenen Sommer hatte Hoffmann bekannt gegeben, über die IMH Ltd-Asia mit Sitz in Hongkong in Internet-Start-ups in Asien zu investieren. Dazu wollte er über einen Fonds 100 Mill. DM einsammeln. Es sei offenbar schwierig, den Fonds zusammen zu bekommen, kommentierte die Firmen-Sprecherin.

Hoffmann, der im Herbst den IMH-Vorstand verlassen hatte, um das Asien-Geschäft aufzubauen, engagiert sich laut IMH bereits in einem neuen Projekt. Das überrascht nicht, verlieh ihm noch im Oktober Bundespräsident Rau das Bundesverdienstkreuz für besondere Verdienste um das Gemeinwohl. Aktionäre, die zum Emissionskurs von 20 Euro bei IMH eingestiegen sind, werden den Begriff Gemeinwohl etwas anders verstehen: Gestern notierte das Papier bei 3,51 Euro.

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