Harter Preiskampf im Bildergeschäft
Unterbelichtete Renditen ärgern Fotoanbieter

Kämpferischen Optimismus demonstrierte Dieter Werkhausen jüngst in Frankfurt. "Ich lasse mir den Erfolg unserer Branche nicht schlecht machen", tönte der Vorsitzende des Photoindustrie-Verbandes. Mit einem Umsatz-Plus von 9,2 % könne der Deutsche Fotomarkt eine respektable Halbjahresbilanz vorweisen.

DÜSSELDORF. Kaum vier Wochen später hat ihn die Realität eingeholt. Denn die Umsatz- und Gewinnwarnungen von Unternehmen sprechen eine deutlich Sprache: So senkte der Fotodienstleister Pixelnet seine Umsatzprognose für 2001 gleich um 19 %. Man erwarte nunmehr einen Umsatz von 222 Mill. Euro anstatt der zuvor prognostizierten 275 Mill. Euro, teilte das Unternehmen mit.

Auch beim Fotoentwickler Cewe Color haben sich die Aussichten getrübt. Konnten die August-Erlöse im Vergleich zum Vorjahr immerhin noch gehalten werden, gab im September der Bilder-Markt auf breiter Front nach, berichtet das Unternehmen in einer Ad hoc-Mitteilung. Vor allem der Druck auf die Renditen macht den Großlabors zu schaffen. So gehen Großvertriebsformen des Handels, wie Drogerie- und Lebensmittelmärkte, bei Fotoarbeiten inzwischen bis auf 9 Pfennige pro Bild im Format 9x13 herunter. "Mit solchen Preisen kann sich die Branche nur noch durch Mischkalkulation über Wasser halten", erklärte Cewe-Color-Sprecherin Hella Mayer. Cewe Color selbst bekomme jedoch einen höheren Preis vergütet, der allerdings derzeit auch unbefriedigend sei. "Die Großlabors zahlen drauf", meint Matthias Zipfel, Chefredakteur des Branchenfachblattes Color Foto. "Unter 39 Pfennige pro Bild können die Finisher eigentlich nichts verdienen".

Auch im Bereich der Online-Print-Dienste, in dem Pixelnet tätig ist, herrscht inzwischen ein dichtes Gedränge. Neben Newcomer Pixelnet, der seine Dienste seit zwei Jahren offeriert, bieten auch gestandene Unternehmen, wie Agfa und Kodak sowie Fuji (Order.Net) hier ihre Dienste an. Die digital aufgenommenen Fotos werden als Datei per E-Mail zum Online-Dienstleister geschickt, der sie als Abzug auf Fotopapier zurücksendet. Junge Unternehmen, wie Pixelnet haben da - bei allen Schwierigkeiten - mittelfristig gute Chancen, den Großen Paroli bieten zu können, meint Carsten Janning, Analyst bei Hornblower und Fisher. Im Online-Printdienst herrsche zwar auch ein hoher Wettbewerb, die Margen seien aber dennoch größer als beim konventionellen Finisher. "Pixelnet sehen wir für die Zukunft gut positioniert, derzeit ist der Markt jedoch stark in Bewegung". Dass diese momentan mehr nach unten als nach oben geht, spüren auch die Anbieter von Filmen. Sie haben die Umsatz- und Ertragsprognosen gesenkt.

So geht die Deutsche Kodak AG, Stuttgart, nur noch von einem Plus-minus-null-Ergebnis aus, die Agfa AG, -Gevaert Mortsel/Leverkusen, prognostiziert sogar ein Minus von rund 4 % . Auch die Erlöse von Wettbewerber Fuji geraten immer mehr unter Druck. Diesen Negativ-Trend belegt auch die Halbjahresstatistik der Fotobranche. Zwar wurde in den ersten 6 Monaten mit rund 63,4 Millionen verkauften Color-Negativfilmen insgesamt das Niveau des Vorjahreszeitraums erreicht. Der Teufel steckt aber im Detail: Während so genannte APS-Filme, bei denen man unter verschiedenen Aufnahmeformaten wählen kann, noch kräftig zulegen konnten, brachen andere Segmente bereits deutlich ein.

Besonders hart trifft es die Anbieter im Sofortbild-Bereich. In diesem Segment rutschte der Absatz an Filmen im ersten Halbjahr 2001 gleich um 17 % ab. Die Zahl der verkauften Sofortbild-Kameras reduzierte sich um 18 %. Dies bekommt insbesondere der traditionsreiche US-Fotokonzern Polaroid zu spüren. So musste das Unternehmen bei einem Konkursgericht Schutz vor seinen Gläubigern suchen. Haupursache ist nach Einschätzung von Analysten der verspätete Einstieg des Unternehmens ins Digitalbild-Geschäft.

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