Harter Wettbewerb
Internetanbieter Sportal steckt in Schwierigkeiten

Der britische Anbieter Sportal braucht neue Geldgeber, die fast 22 Millionen DM zuschießen sollen . Das Unternehmen muss umschwenken, weil sich die Vermarktung der Websites von Top-Fußball-Klubs nicht rentiert.

HB LONDON. Der britische Internet-Anbieter Sportal.com steckt offenbar weiter in finanziellen Schwierigkeiten. Um die für das erste Quartal 2002 angesetzten Gewinnerwartungen umsetzen zu können, will das Unternehmen nach Informationen der Sunday Times weitere 21,8 Mill. DM (7 Mill. britische Pfund) von Investoren generieren. "Wir reden mit unseren bisherigen Investoren, aber wir sprechen auch neue an", bestätigte Sportal-Pressechef Mark Thursfield eine weitere Finnzierungrunde auf Anfrage von Handelsblatt.com und fügte hinzu: "Das ist ein normaler geschäftlicher Vorgang und keine Rettungsaktion."

Bisher hatten unter anderem Firmen wie Nomura, 3i und die Finninvest des italienischen Medienmoguls Silvio Berlusconi in Sportal investiert. Auch der australische Medienzar Rupert Murdoch ist über seinen Pay-TV-Kanal BskyB mit fünf Prozent beteiligt. Die bisherigen Geldgeber hatten Anfang des Jahres schon einmal weitere 15,3 Mill DM zugesagt, wenn die Kosten gesenkt würden. Daraufhin wurden etwa 30 der 300 Mitarbeiter entlassen. Thursfield dementiert jetzt weitere Entlassungen und auch einen Wechsel des Hauptquartiers. Denn es wird auch spekuliert, dass noch einmal 60 Angestellte entlassen werden sollen und der Hauptsitz aus Kostengründen von London nach München oder Berlin verlegt wird.

"Der Online-Sport-Markt steht in einem starken Wettbewerb, und die Finanzierung ist sehr schwierig. Deshalb müsste der Bereich auf zwei Wettbewerber konsolidiert werden", erklärte Sportal-Chef Rob Hersov der Sunday Times. Deshalb startet die englische Firma gemeinsam mit CNNSI.com und CNN.com Europe den europäischen Sportkanal CNN.Sportal.com. Und mit dem Großkonzern Siemens betreibt Sportal eine gemeinsamen Kanal zum Thema Formel 1. Das deutet darauf hin, dass der Sportanbieter in Zukunft seinen Content in Kooperation mit großen strategischen Partnern anbieten will.

Ein anderer Geschäftszweig soll dagegen wohl eingestellt werden. Bisher betrieb und vermarktete Sportal die Websites von internationalen Top-Clubs wie zum Beispiel AC Mailand, Juventus Turin und Bayern München. In der Sunday Times wird Hersov zitiert, es werde über einen Verkauf dieser Websites verhandelt. PR-Chef Thursfield wiegelt ab, man wolle nicht verkaufen, es habe aber ein Angebot dafür gegeben. Doch Branchenkenner sind sich einig, dass diese Websites kaum zu refinanzieren sind. Denn in den Verträgen mit den Vereinen sind hohe sechsstellige Garantiesummen für die Fußball-Clubs festgeschrieben. Außerdem haben die wichtigen Sponsoren der Vereine ein Mitspracherecht, wer auf den Seiten werben darf. Das erschwert die Vermarktung ungemein, so dass kaum Gewinne erzielt werden können.

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