Harter Wettbewerb um „Web Services“
Software aus der Steckdose

Zur Steigerung ihrer Produktivität haben Unternehmen weltweit Milliarden-Summen in Informationstechnologie investiert. Büroprogramme wie Microsoft Office oder betriebswirtschaftliche Systeme wie R/3 von SAP haben dazu beigetragen, innerbetriebliche Informationsflüsse und Arbeitsabläufe in der Regel effektiver zu gestalten und kostenträchtige manuelle Aktivitäten zu verringern.

HB/dpa HAMBURG. Doch wenn es um die Kommunikation zwischen den einzelnen IT-Lösungen ging, verstrickten sich die Technikchefs nicht selten in kostspielige Versuche, mit gewaltigen Projekten die einzelnen IT-Komponenten zusammenzuleimen. Mit den "Web Services" hat sich im vergangenen Jahr eine Technologie herausgebildet, die nach Ansicht von Experten einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet.

Web Services sind Programme und Dienstleistungen, die über das Internet ausgeliefert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Zugriff von einem PC aus erfolgt, einem Taschencomputer oder einem Smartphone. Die beteiligten Systeme benutzen dabei eine Reihe von Standards und Protokolle mit kryptischen Abkürzungen wie XML, SOAP, UUP und UDDI, die den Austausch von Daten und Services ermöglichen, ohne dass irgendjemand die Daten noch einmal anfassen muss. "Intelligente Web Services sind für das Informationszeitalter, was austauschbare Komponenten für das Industriezeitalter waren", sagt Scott McNealy, der Chef von Sun Microsystems.

Über Web Services könnten beispielsweise Unternehmen überprüfen, ob künftige Partnerfirmen auch solvent oder früher bereits bei Bonitätsprüfungen durchgefallen sind. Die Technologie könnte aber auch genutzt werden, um Daten aus dem Katalog eines Großhändlers in das Angebot eines Einzelhändlers zu integrieren und ständig auf dem Laufenden zu halten. Der texanische Computer-Hersteller Dell gehört zu den Vorreitern bei der Nutzung von Web Services. Hier werden bereits große Teile des Kerngeschäfts, insbesondere die Kommunikation zu den "Just-in-Time"-Zulieferfirmen, über diese Technologie abgewickelt.

"Der wesentliche Wert der Web Services liegt nicht darin, IT- Kosten einzusparen, sondern die laufenden Betriebskosten. Um bestimmte Daten etwa von einem Beschaffungssystem in das Buchhaltungssystem zu bringen, benötigt man mit Web Services deutlich weniger Personalzeit", schreibt Fachautor John Hagel. Firmen könnten die Webdienste natürlich auch dazu einsetzen, viele neue Geschäftspartner zu gewinnen, ohne dass gleichzeitig die Kosten für die Datenverarbeitung in die Höhe schießen.

Da die IT-Investitionen der Unternehmen künftig stärker denn je an mögliche Kosten-Einsparungen gekoppelt werden, buhlen Technologiefirmen wie Sun Microsystems, Microsoft, IBM, HP, SAP, Oracle, Siebel und andere Branchengrößen darum, mit eigenen technischen Standards und Lösungskonzepten den Markt der Web Services zu besetzen. Schließlich sehen die Marktforscher der Gartner Group bereits für das laufende Jahr ein Marktvolumen von 1,7 Milliarden US- Dollar für Web Services.

Microsoft geht mit seinem Konzept ".NET" (Dot-Net) ins Rennen, das in den Augen mancher Experten die nächste Generation des Betriebssystems "Windows" darstellt, die besser mit der Außenwelt kommunizieren kann. Dabei wird Microsoft von Partnern wie HP unterstützt. "In viele Fällen wird es aber darauf hinaus laufen, dass Windows sich mit Windows unterhält", kritisiert Bob Sutor, der für die Web Services-Strategie bei IBM zuständige Direktor, das Microsoft-Konzept. IBM bevorzugt in der Regel eine Technologie, die auf der Programmiersprache Java von Sun Microsystems beruht, setzt aber auch ".NET"-Projekte beim Kunden um.

Einen Aufschwung durch Web Services erhoffen sich aber nicht nur Softwarehäuser und Systemberater. Auch die Hardware-Industrie hat den Trend längst aufgegriffen. So wirbt Sun damit, dass die unter dem Namen N1 zusammengefasste Hardware-Klasse die Möglichkeit darstelle, die komplexe und kostenträchtige Wartung von Servern auszulagern und unter dem Strich viel Geld einzusparen.

Der Umstieg auf Web Services ist nach Einschätzung von Experten aber auch mit gewissen Risiken verbunden. So sind noch nicht alle Sicherheitsfragen gelöst, die mit einer Kommunikation über das Internet verbunden sind. Außerdem ist (noch) nicht sicher gestellt, dass die Web Services-Lösungen verschiedener Hersteller miteinander wirklich kompatibel sind, selbst wenn sie alle auf die "Lingua Franca" des Internets, die XML-Technologie, setzen.

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