Hartmann: EU wird Eon-Fusion billigen
Letzte Hauptversammlung der Veba mit Aufbruchstimmung

Kurz vor dem Fusions-Ziel mit der Viag sieht sich Veba-Chef Ulrich Hartmann. Mit der EU-Wettbewerbsbehörde seien alle Probleme geklärt. Die Kröten, die Veba und Viag schlucken müssten, seien verdaubar. Herbe Kritik übte er wiederum an der Energiepolitik der Bundesregierung.

ews ESSEN. Mit Aufbruchstimmung begleiteten die Aktionäre der Veba AG, Düsseldorf, die letzte Hauptversammlung ihres Unternehmens vor der Fusion mit der Münchener Viag AG zur Eon AG. Zudem gab es von den Sprechern viel Vorschusslorbeeren für die Verschmelzung. Und Veba-Vorstandsvorsitzender Ulrich Hartmann, der mit dem Viag-Chef Wilhelm Simson die neue Eon-Doppelspitze bilden wird, hatte gute Nachricht: "Wir haben uns mit der EU-Kommission Anfang vergangener Woche über die Bedingungen für die kartellrechtliche Freigabe geeinigt."

Die EU-Kommission wollte die Äußerungen Hartmanns offiziell nicht kommentieren. "Keine Reaktion", sagte eine Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti in Brüssel. Die Entscheidung in Brüssel soll am 7. Juni fallen.

Die akzeptierten Auflagen der Wettbewerbsbehörde seien von Anfang an einkalkuliert gewesen, betonte Hartmann. Bei der Stromdurchleitung werde Veba im innerdeutschen Stromhandel auf die Transit-Komponente verzichten, die in Brüssel und beim Bundeskartellamt auf heftige Kritik gestoßen war. Auch die RWE AG, Essen, will nach der Fusion mit der VEW AG, Dortmund, diese Übergangsgebühr zwischen Nord- und Süd-Zone in Deutschland nicht erheben. Zugestanden hat die Veba-Tochter Preussenelektra in Brüssel weiter, Durchleitungskapazitäten für Dritte zwischen Dänemark und Deutschland bereit zu stellen.

Die Auflagen, die die Entflechtung der deutschen Stromwirtschaft betreffen, fallen hart aus: Eon muss sich innerhalb eines Jahres nach der Fusion, die kurz nach der Brüsseler Entscheidung ins Handelsregister eingetragen werden soll, von seinen Beteiligungen an der Veag und Laubag, an HEW und VEW abgeben. Dazu kommt noch eine Reihe kleinerer Beteiligungen, die mit RWE/VEW gehalten werden.

Heftige Kritik übte Hartmann an der Energiepolitik der Bundesregierung. Er nannte sie eine "einzige Enttäuschung und ohne klare Linie". Die Elektrizitätswirtschaft brauche endlich einen konsistenten und verlässlichen energiepolitischen Rahmen, der der europäischen Marktentwicklung gerecht werde. Zu den Ausstiegsgesprächen aus der Atomenergie merkte der Veba-Chef an, dass die Expertenrunde Schritt für Schritt voran komme. Aber weiterhin sei klar, dass die Industrie Mengenkontingenten, die nur einer Laufzeit von 30 Jahren entsprechen würden, nicht zustimmen könne. Er erwarte ein deutliches Entgegenkommen von Berlin. "Der große Durchbruch steht noch aus. Aber er war auch noch nie so nah", gab sich Hartmann so optimistisch wie zuletzt auch RWE-Chef Dietmar Kuhnt .

Die neue Eon, die "den Aktionären noch viel Freude machen wird", so Hartmann, will auf dem Markt Europa eine Hauptrolle spielen. Daran ließ er keinen Zweifel. Eon sei ein attraktiver Partner und werde die europaweite Konsolidierung der Energiebranche aktiv vorantreiben und für Wachstumsschritte nutzen. Die frisch verschmolzene Tochter Degussa AG soll sich zum Spezialchemieunternehmen von Weltklasse entwickeln.

Für das Geschäftsjahr 2000 erwartet die Veba im Strombereich einen deutlichen Ergebniseinbruch, obwohl die Preise, die für Tarifkunden im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 % und für Sondervertragskunden bis zu 60 % gefallen waren, ihren Tiefststand offensichtlich erreicht hätten.

Den Ergebnisfall begründet Hartmann damit, dass immer noch nicht alle Verträge an die neuen Tiefpreise angepasst worden seien. 2001 soll das Ergebnis aber "wieder zunehmend Auftrieb" bekommen, wenn die erheblichen Synergieeffekte aus der Verschmelzung von Preussenelektra und Bayernwerk, die zügig nach der Eon-Eintragung ins Handelsregister folgen soll, greifen würden. Noch arbeiten 100 Projektgruppen die Fusionsaufgaben ab. In der Chemie, dem anderen definierten Kerngeschäft, rechnet die Veba für das laufende Jahr mit einer deutlichen Ergebnisverbesserung, weil der Aufschwung der Chemiekonjunktur weiter an Dynamik gewinnen werde. Auch der Bereich Öl soll das Ergebnis verbessern, nachdem Rohölpreis und Verarbeitungsmargen wieder steigen. Hartmann betonte aber, dass sich Veba Oel durch Allianzen oder Partnerschaften auf allen Wertschöpfungsstufen klar verstärken müsse. Denn das "Mittelfeld der Branche", zu dem die Tochter zählt, löse sich nach den Zusammenschlüssen der "Majors zu Super-Majors" zunehmend auf.

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