Hartmut Ostrowski, Chef der Arvato AG, im Porträt
Im Schatten des Scheinwerferlichts

Auf dem Podium im großen Saal des sachlich-noblen Berliner Hyatt-Hotels saß die Führungsmannschaft des Medienriesen Bertelsmann brav aufgereiht. Gunter Thielen präsentierte im März erstmals die Bilanz des weltweit zweitgrößten Medienkonzerns. Nachher gab es Dutzende Fragen an die Führungsriege - nur einer wurde nicht mit Kritik belästigt: Hartmut Ostrowski.

GÜTERSLOH. Der bullige Blonde aus Westfalen steht im Gegensatz zu seinen anderen Kollegen im Bertelsmann-Vorstand nicht im Scheinwerferlicht. Und das ist aus seiner Sicht auch gut so. Denn bei Arvato sollen die Kunden wie Deutsche Bahn oder Lufthansa im Mittelpunkt stehen. Da ziemt es sich, sich als Dienstleister hinten anzustellen.

Der 45-jährige Ostrowski hat es zudem nicht nötig, öffentlich um die Aufmerksamkeit seines Chefs zu kämpfen. Denn Thielen schätzt den geborenen Bielefelder bereits seit zwei Jahrzehnten und machte ihn im September letzten Jahres zu seinem Nachfolger bei der Arvato AG. Hinter dem Kunstnamen verbirgt sich der drittgrößte Umsatzbringer bei Bertelsmann. Mit einem Umsatz von 3,7 Milliarden Euro und einem Gewinn von 217 Millionen Euro bilden die Druckereien, Spezialverlage, Logistikunternehmen und Call-Center das Rückgrat des Mediengiganten aus Gütersloh. Ostrowski baut die als langweilig geltende Konzerntochter weiter zu einem weltweit agierenden Mediendienstleister um - ganz im Sinne seines Lehrherrn Thielen.

Mindestens 8,5 % Umsatzrendite hat sein Vorgesetzter als Zielmarke ausgegeben. "Ich brauche nichts weiter als unternehmerische Freiheit", sagt der ehrgeizige, oft unterschätzte Ostrowski. Er ist sicher, die Vorgaben trotz des schwierigen Druckmarktes erreichen zu können. Bisher hat der gelernte Diplom- Kaufmann alles erreicht, was man in so wenigen Jahren erreichen kann.

1982 fing der Jungakademiker als Assistent der Geschäftsleitung bei der Bertelsmann Distribution an und arbeitete sich kontinuierlich hoch. Im Winter 1996 war es dann so weit: Er rückte in den Vorstand von Arvato auf; fünf Jahre später war er bereits stellvertretendes Vorstandsmitglied. Typisch für ihn: Seine Karriere war unauffällig, aber geradlinig - ähnlich wie die seines Chefs Gunter Thielen. Viele im Konzern sehen den früheren Mittelstürmer der zweithöchsten Amateurliga und freien Sportreporter beim "Westfalenblatt" bereits als Nachfolger von Thielen, dessen Vertrag 2005 ausläuft.

Im Netzwerk von Gütersloh ist Ostrowski exzellent verankert, wie seine Mitarbeiter zu berichten wissen. Der leidenschaftliche Fußballfan, der seinen alten Verein Tus Dornberg (bei Bielefeld) unterstützt, kennt das Machtzentrum wie kein Zweiter, vereint Geschäftssinn und Loyalität. Über seinen Ziehvater Thielen äußert er sich nur voll des Lobes. Das Verhältnis der beiden gilt als ausgesprochen eng - die beiden Dauerläufer besitzen viele Gemeinsamkeiten. Dazu gehört auch die Verwurzelung in der Region. Nicht New York, sondern Gütersloh ist die Mutter aller Dinge im weit verzweigten Bertelsmann - Reich.

Ostrowski - Vater von Nastassia, neun Jahre alt, und Sohn Yves, 19 Jahre alt - ist bekennender Westfale. Ihn hat es nie in die glamouröse Ferne gezogen. Mit Ausnahme eines einjährigen Intermezzos in München bei einer Investmentgesellschaft namens Security Pacific Eurofinance lebte er in seiner Heimatstadt Bielefeld oder eben in Gütersloh. "In Richtung Bielefeld", wie er mit Augenzwinkern anmerkt.

Mit Menschen umgehen kann der Handwerkersohn. "Menschlichkeit ist ein großes Thema bei uns", sagt er. Bei den 55 Tochterunternehmen von Arvato in 26 Ländern arbeiten heute rund 33 000 Mitarbeiter. Der Manager fühlt sich verpflichtet, das alte Prinzip des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn zu beherzigen. Nicht nur die Rendite, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter sollen die Manager fest im Auge behalten.

Das aber hält Ostrowski nicht davon ab, notfalls auch harte und unpopuläre Entscheidungen zu fällen: "Wir glauben, dass wir in der Zukunft noch mehr Mitarbeiter haben werden. Das heißt aber nicht, dass jeder Standort auf Dauer erhalten bleibt", sagt er. So wird der Druckstandort Berlin bis Ende des Jahres geschlossen. Die Zeiten sind hart, der Markt ist schwierig, der Druck groß. Doch der Chef versucht, sich trotz der schlechten konjunkturellen Lage nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. "Ich arbeite gern, bin aber kein Workaholic", urteilt er über sich selbst.

Wenn er einmal richtig abschalten möchte, fliegt er auf die spanische Mittelmeerinsel Mallorca. Sein privates Paradies ist ein Badeort im Südwesten des Urlaubereilandes. In Santa Ponsa entspannt er sich seit ein paar Jahren in den eigenen vier Wänden, oder er pflügt mit seinem Motorboot durch das Mittelmeer.

Aber Gütersloh ist auch auf Mallorca näher, als man denkt. Die Bertelsmann-Gesellschafter Liz und Reinhard Mohn besitzen ebenfalls am anderen Ende Mallorcas eine Villa, die sie oft zum Ausruhen oder zum Bücherschreiben nutzen. Die Wege sind eben kurz - ob in Gütersloh oder auf Mallorca.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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