Hartnäckige Gerüchte um Partnersuche
Gewinn von Morgan Stanley bricht ein

Das Quartalsergebnis von Morgan Stanley belegt erneut, dass die bisherige Elite des Bankgewerbes durch ihre Konzentration auf das traditionelle Investment Banking verletzbar geworden ist. Finanzkonzerne wie die Citigroup, die alle Bereiche des Bank- und Versicherungsgeschäfts vereinen, gewinnen an Attraktivität.

HB/NEW YORK. Während des Aktienbooms der 90iger Jahre haben die großen Wall-Street-Firmen als Spezialisten im lukrativen Fusions- und Emissionsgeschäft im internationalen Bankgewerbe den Rahm abgeschöpft. Doch seit die Kurse an den Börsen eingebrochen sind, scheint das gesamte Modell einer allein stehenden, im wesentlichen auf Kapitalvermittlung spezialisierten Investmentbank in Frage gestellt. Das am Donnerstag vorgelegte Quartalsergebnis von Morgan Stanley und die zuvor schon veröffentlichten Zahlen drei weiterer Wall-Street-Firmen beweisen, dass die bisherige Elite verletzbar geworden ist. Wer hingegen sämtliche Bereiche des Banken- und Versicherungsgeschäfts unter einem Dach vereint, gewinnt an Attraktivität.

Morgan Stanley meldete ein gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 36 % rückläufiges Quartalsergebnis (siehe Kasten). Die Erlöse brachen um 15 % ein. Im Investment Banking verzeichnete Morgan Stanley einen Einbruch der Erlöse um 42 % auf nur noch 800 Mill. $. Die Bank leidet unter dem Rückgang der Kurse an den Aktienmärkten: Die Handelsvolumina gehen zurück, daher sind bei Morgan Stanley die Provisionseinnahmen um 16 % auf 2,1 Mrd. $ gesunken.

"Das gesamte Aktiengeschäft läuft derzeit schwach", sagte Wertpapier-Analyst Richard Strauss von der Investmentbank Goldman Sachs. "Bei Morgan Stanley schlägt das stärker zu Buche als bei anderen, weil die Firma in den unter Druck geratenen Bereichen ihren Schwerpunkt hat."

Morgan Stanley auf Partnersuche?

An der Wall Street belebt diese Schwäche schon seit Wochen Gerüchte, wonach Morgan Stanley sich nach einem Partner aus dem Kredit- oder Massenprivatkundengeschäft umschaut. Als Top-Kandidat ist dabei die Kreditkarten-Organisation American Express im Gespräch. Der eher zur finanziellen Oberklasse gehörende Kundenstamm von American Express, gute Beziehungen zu kleinen und mittelständischen Firmen und vor allem der Zugang zu neuem Kapital würden das operative Geschäft von Morgan Stanley auf eine wesentlich breitere Basis stellen.

Damit würde sich Morgan Stanley nicht nur weniger abhängig von den Börsen machen. Größe ist in jüngster Zeit auch ein Vorteil im Wettbewerb um klassische Investment-Banking-Aufträge geworden. Die Finanzkraft von weltweit operierenden und stark diversifizierten Konzernen wie der Citigroup, J.P. Morgan Chase, UBS oder auch der Deutschen Bank ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Firmenkunden geworden.

Beim Jumbo-Börsengang von Kraft zum Beispiel gingen die Top-Firmen wie Goldman Sachs und Merrill Lynch leer aus. Die Kraft-Mutter Philip Morris verlangte nämlich als Zuschlag für den Auftrag auch hohe zinsgünstige Firmenkredite. Die Konsortialführerschaft für den Kraft-Börsengang ging an die Citigroup.

Mit der schwachen Kursentwicklung an den Börsen hat für Großkonzerne die Finanzierung über Kredite oder Anleihen wieder stark an Bedeutung gewonnen. Am besten schneiden jetzt Banken ab, die ihren Kunden alles bieten können. Unter den Investmentbanken haben sich daher auch diejenigen am besten geschlagen, die traditionell im Bondhandel und bei der Betreuung von Anleihe-Emissionen stark sind. Dazu gehören Bear Stearns und Lehman Brothers. Beide haben im derzeit schwierigen Umfeld ihren Quartalsgewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich verbessert.

Weil Morgan Stanley mit einem Gewinn von 82 Cents pro Aktie die Erwartungen der Analysten um 3 Cents übertroffen hat, stieg der Kurs der Aktie am Donnerstag in der ersten Handelsstunde um 5 % auf 62 $. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Kurs allerdings schon bei über 100 $ gelegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%