Hartz-Reform belastet Verleiher – Trend zu höherwertigen Jobs
Zeitarbeitsbranche steht vor einem harten Jahr

Schon länger leidet die Zeitarbeitsbranche unter der schwachen Konjunktur. Mit der Arbeitsmarktreform wird eine weitere Konzentration erwartet. Die Zahl der Insolvenzen dürfte steigen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Seit zwei Jahren bereits steckt der Zeitarbeitsmarkt in der Flaute und eine nachhaltige Besserung ist nicht in Sicht. Denn mit dem vom Bundestag bereits verabschiedeten neuen "Arbeitnehmerüberlassungsgesetz" wird der Konkurrenzkampf in der Branche laut Beobachtern nochmals an Schärfe zunehmen.

Vom kommenden Jahr an sollen Zeitarbeiter entsprechend geltender Tarifverträge bezahlt werden, sofern kein eigener Zeitarbeitstarif mit den Gewerkschaften ausgehandelt wird. Für die Verleiher bedeutet das: Zeitarbeit wird für sie unattraktiver. Bislang bekamen sie vom Arbeitgeber mindestens den Tariflohn der jeweiligen Branche, zahlten selbst aber deutlich weniger an die Zeitarbeiter.

Vor allem im Bereich der niedrig qualifizierten Arbeitskräfte, die bisher mit deutlichen Abschlägen beschäftigt werden konnten, rechnen die Anbieter mit negativen Folgen, weil diese Arbeitskräfte zu teuer werden. Das werden auch die großen international tätigen Anbieter der Branche spüren wie Randstad, Adecco und Manpower. Bei Manpower liegt der Anteil von Hilfspersonal bei knapp 40 %.

Allein im vergangenen Jahr ist der Gesamtumsatz in Deutschland laut Branchenberechnungen um 15 % auf rund 15,6 (Vorjahr: 16,6) Mrd. Euro geschrumpft. Dabei musste insbesondere Marktführer Randstad mit einem Umsatzminus von 15 % auf rund 528 (618) Mill. Euro Federn lassen. Beim zweitgrößten Anbieter Adecco (das Schweizer Unternehmen veröffentlicht keine Umsatzzahlen für die deutsche Tochtergesellschaft) dürfte nach Branchenschätzung der Umsatz in Deutschland um 13 % gesunken sein. Einen deutlichen Rückgang verzeichnete auch das Lüdenscheider Unternehmen Persona Service, deren Erlöse um 11,7 % auf 269 (304,5) Mill. Euro schrumpften.

Die Unternehmen reagieren inzwischen auf den schwieriger werdenden Markt. So will Manpower-Deutschlandchef Thomas Reitz mit Blick auf die Arbeitsmarktreform den Anteil der Zeitarbeiter im kaufmännischen Bereich deutlich ausbauen. Wie er kürzlich bei der Vorlage des Jahresabschlusses von Manpower Deutschland sagte, habe gerade in diesem Bereich die Nachfrage deutlich angezogen. Dieser Umstand habe wesentlich dazu beigetragen, dass der Manpower-Umsatz im ersten Quartal wieder zweistellig gestiegen sei.

Die deutsche börsennotierte DIS AG, fünftgrößter Anbieter in Deutschland, konzentriert sich vor allem auf qualifizierte Fach- und Führungskräfte. Weil diese ohnehin kaum Abschläge beim Entgelt hätten, hofft der Vorstandsvorsitzende Dieter Scheiff auch, von den Auswirkungen der Arbeitsmarkt-Reform weniger betroffen zu sein als Mitbewerber. Allerdings rechnet er damit, dass die Margen ab nächstem Jahr etwas kleiner werden.

Michael Heider, Analyst bei der Berenberg Bank, bestätigt diesen Trend gegenüber dem Handelsblatt: "Für das Jahr 2003 glauben wir, dass Unternehmen wie DIS ihre Kalkulation wieder stabilisieren können. In 2004 werden die Rohertragsmargen aber noch einmal drastisch zurückgehen, was zu einer weiteren starken Konsolidierung des Marktes und damit auch zu einem Ausscheiden weiterer Marktteilnehmer führen könnte." Bereits jetzt wächst die Insolvenzgefahr unter den Zeitarbeitsunternehmen. So ist nach einer Studie Neusser Auskunftei Creditreform das Konkursrisiko dort zweieinhalbmal so hoch wie im Durchschnitt aller Branchen.

Der Zeitarbeitsmarkt in Deutschland ist stark fragmentiert, über 4 000 Anbieter gab es laut Bundesverband Zeitarbeit Personaldienstleistungen im vergangenen Jahr. Dabei bestreiten die großen zehn Anbieter nach einer Erhebung des Beratungsunternehmen Lünendonk 40 % des Gesamtmarktes. Weltgrößter Anbieter für Zeitarbeit ist die Schweizer Adecco mit einem Umsatz von rund 17,3 Mrd. Euro vor dem US-Unternehmen Manpower (11,8 Mrd.), der niederländischen Vedior (6,2 Mrd.), der niederländischen Randstad (5,4 Mrd.) sowie der US-Gruppe Kelly Services (4,1 Mrd.)

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Im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz heißt es grundsätzlich: Der Entliehene Arbeitnehmer ist zu den Bedingungen der jeweiligen Branche, in der er eingesetzt wird, zu entlohnen (Equal-Pay-Regelung), es sei denn, es existiert ein Tarifvertrag, der für die Zeitarbeiter gilt. Der deutsche Gewerkschaftsbund (DGB und der Bundesverband Zeitarbeit BZA) haben sich aus diesem Grunde im Februar auf Eckpunkte für einen Branchentarifvertrag geeinigt. Danach sollen ungelernte und angelernte Zeitarbeitskräfte einen Regelstundensatz von 8,40 Euro und Facharbeiter 10,60 erhalten. Die "Interessensgemeinschaft Zeitarbeit" (IGZ), die vor allem mittelständische Firmen vertritt, lehnt die Vorschläge als intransparent und zu teuer ab. Probleme bereitet dem DGB und den größeren Zeitarbeitsverbänden ein Tarifvertrag, den die "Interessengemeinschaft nordbayrischer Zeitarbeitsunternehmen" bereits im März mit den Christlichen Gewerkschaften geschlossen hat und dessen Konditionen die DGB/BZA-Eckpunkte mit niedrigeren Sätzen unterlaufen. lü/dc

Quelle: Handelsblatt

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