Hartz-Vorschläge rücken Zeitarbeits-Branche in den Fokus
Zeitarbeitsaktien werden jetzt attraktiv

Seit Wochen sind sie in aller Munde und auch das Börsenparkett kommt spätestens jetzt nicht mehr an ihnen vorbei - gemeint sind die Vorschläge der Hartz-Kommission, deren Umsetzung die Arbeitslosigkeit massiv reduzieren soll.

jop DÜSSELDORF. Wesentlicher Bestandteil der Vorschläge ist die Zeitarbeit. Gerade sie hat in Deutschland bisher einen eher geringen Stellenwert als arbeitsmarktpolitisches Instrument, gerade einmal 0,9 Prozent der Arbeitnehmer sind Zeitarbeiter, so eine Sprecherin vom Bundesarbeitsministerium. Europaweit gesehen ist das stark unterdurchschnittlich, denn beispielsweise in den Niederlanden stecken schon mehr als vier Prozent der Arbeitnehmer in einem Zeitarbeitsverhältnis. Mit den Hartz-Vorschlägen aber soll sich das ändern, denn nun soll auch in Deutschland Zeitarbeit gestärkt und von Staatswegen her gefördert werden. Womit sich also auch die börsennotierten Unternehmen des Sektors über die Ergebnisse der Kommission rund um den Personalchef von VW freuen können.

Betroffen sind dabei Unternehmen wie zum Beispiel Randstad, der größte Anbieter von Zeitarbeitskräften in Deutschland, oder auch die weltweite Nummer Eins Adecco, gefolgt von Manpower auf Rang Zwei. Auch Analyst Stephan Lipfert von der Knowledge One Fonds AG (K1F) sieht die Zeit günstig für einen Einstieg bei diesen Werten: "Hartz kann gute Gründe für einen Einstieg liefern." Doch allein dies sollte nicht als Kriterium für ein Engagement in diesen Werten genommen werden. Vielmehr sind Zeitarbeitsfirmen auch aus anderen Gründen für den Analysten derzeit attraktiv: "Aus Erfahrung weiß man, dass Zeitarbeitsfirmen ein halbes Jahr vor einem Konjunkturaufschwung steigen." Grund dafür ist, dass Unternehmen an der Schwelle zum Aufschwung vorerst lieber Arbeitskräfte leihen als gleich fest einzustellen. Als weiteren Grund könne das derzeit niedrige Bewertungsniveau von Adecco und Co gesehen werden, so Lipfert. "Potenzial ist jedenfalls da."

Marktführer der Branche bietet Unterstützung bei Umsetzung von Tarifregelwerk an

Deutschlands größter Personaldienstleister Randstad bewertet die Ergebnisse der Hartz-Kommission zur Zeitarbeit positiv und bietet Unterstützung bei der Umsetzung der Pläne in die Praxis an. Wie Geschäftsführerin Heide Franken am vergangenen Wochenende in Köln mitteilte, habe die Kommission Punkte aufgegriffen, die Randstad bereits seit längerem fordere: "Vor allem auf Kernpunkte wie weitgehende Deregulierung, duale Qualifizierung, eine verbindliche aber eigenständige Tarifstruktur und Anreizsysteme weisen wir seit Jahren hin und sind natürlich erfreut, dass sich diese Themen im Bericht wiederfinden."

Randstad drängt jetzt auf eine rasche Umsetzung. Vor allem im Hinblick auf ein gemeinsames tarifliches Regelwerk für die Zeitarbeitsbranche sieht Franken gute Chancen für eine schnelle Realisierung: "Randstad hat schon vor Jahren als einziges Unternehmen der Branche einen flächendeckenden Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Ver.di abgeschlossen. Wir könnten die entsprechenden Vorschläge der Hartz-Kommission auf dieser Basis zügig umsetzen." Auch in der Zusammenarbeit mit Arbeits- und Sozialämtern ist Franken optimistisch: "Hier können wir auf umfangreiche Erfahrung zurückgreifen. Wir haben entsprechende Konzepte, die praxiserprobt sind, und sind gerne bereit, unser Wissen und unsere Erfahrung einzubringen." Durch eine Kooperation mit den Verantwortlichen könne eine für den Arbeitsmarkt nutzbringende und praktikable Lösung erarbeitet werden. Grundsätzlich müsse bei der Umsetzung beachtet werden, dass Zeitarbeit für Unternehmen nicht nur bei Auftragsspitzen oder Personalausfall interessant sei, sondern auch als "Chancenbieter", um zum Beispiel neue Projekte umzusetzen, die ohne flexiblen Personaleinsatz nicht möglich wären.

Generell würde Deregulierung auch eine weitere Dimension von Flexibilität ermöglichen, die der deutsche Arbeitsmarkt dringend brauche. Darüber hinaus zeige die internationale Erfahrung, dass dadurch auch die Eingliederungsquoten in konventionelle Beschäftigungsverhältnisse steigen.

Doch nicht nur die Zeitarbeitsfirmen an sich sieht Lipfert mit der Umsetzung der Hartz-Vorschläge im Aufwind. Mindestens genauso interessant erscheinen ihm auch sogenannte Outplacement-Beratungen. Diese werden als "Entlassungsberater" tätig, wenn Unternehmen Personal entlassen. Zusammen mit der Outplacement-Beratung sucht dann der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer eine Lösung und verbessert mit der Beratung beispielsweise in Seminare seine Selbstpräsentation oder bildet sich weiter.

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