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Hasso Plattner kämpft an vielen Fronten

Insgesamt steht SAP nicht schlecht da. Dennoch könnte die Hauptversammlung am Freitag für den Mitgründer und SAP-Chef zum heißen Tanz werden.

md DÜSSELDORF. Eigentlich hat SAP-Vorstandssprecher Hasso Plattner alles richtig gemacht. Die Strategie, sich dem Markt als Anbieter kompletter EDV-Lösungen für sämtliche Unternehmensprozesse zu stellen, trifft den Wunsch der Kunden. Auch die zur vergangenen Cebit angekündigte Initiative "Smart Business Solutions", die das Geschäft mit dem vernachlässigten Mittelstand beleben soll, zielt in die richtige Richtung. Und von seiner Prognose, in diesem Jahr 15 Prozent mehr Umsatz einzufahren, hält der Mitgründer des Walldorfer Unternehmens trotz schlechter Quartalszahlen fest.

Dennoch muss sich Plattner derzeit fühlen, wie der vom Igel gejagte Hase. SAP legt vor und kommt doch nicht wirklich als erster durchs Ziel. Beispiel Zielgruppe Mittelstand. Nachdem SAP bislang mit Microsoft eine Partnerschaft pflegte, entsteht jetzt eine offene Rivalität. Grund: Der US-Riese hat Wachstumsschwierigkeiten und will daher mit dem Kauf des dänischen Anbieters Navision in das Geschäft der Business Software einsteigen. Navision hat zwar nur einen europäischen Marktanteil von drei Prozent, doch die Dänen konzentrieren ihre Stärken dort, wo SAP Schwächen zeigt - bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

Mittelstandsstrategie mit Schönheitsfehlern

Will Plattner in diesen Wachstumsmarkt nach Plan mitspielen, muss er die Schlagzahl deutlich erhöhen. Wie das konkret funktionieren soll, werden die Aktionäre am Freitag wissen wollen. Es kann auf der Hauptversammlung allerdings dazu kommen, dass der SAP-Chef zunächst erst einmal ein Stück zurück rudern muss. Denn die Mittelstandsstrategie des Managements hat einen kleinen Schönheitsfehler, über den die Aktionärsschützer Aufklärung fordern. Hintergrund: Als Basis zukünftiger Softwarepakete für den Mittelstand hat SAP kürzlich das israelische Softwarehaus Topmanage übernommen. Pikanterweise gehörte die Firma dem Vater des neuen SAP-Vorstands Agassi.

Deutliche Worte werden die Aktionäre wohl auch zu dem Verlustbringer Commerce One finden. Die 20-prozentige Beteiligung an dem US-Softwarehaus hat im Quartalsergebnis mit einem Minus von 52 Mill. Euro zu Buche geschlagen. Der von SAP unabhängige Softwareumsatz von Commerce One soll im ersten Quartal nach Schätzungen eines Branchenkenners fast zum Erliegen gekommen sein. Sollte Commerce One am Ende nicht mehr zu retten sein, dürften bei SAP allerdings millionenhohe Abschreibungen anfallen.

Wettbewerb schießt scharf

Scharf geschossen wird auch vom Wettbewerb. Neben dem Navision-Coup von Bill Gates zeigt vor allem Tom Siebel angriffslustige Hartnäckigkeit. Denn der Chef der Siebel Systems sieht seine Felle schwimmen. Bislang hat das Unternehmen eine Vormachtsstellung im Bereich Kundenmanagement-Software, dem sogenannten Customer Relationship Management (CRM). Gerade in diesem lukrativen Markt legt SAP deutlich zu und nimmt Siebel Marktanteile. Der wiederum kontert mit dem Vorwurf "aggressiver Bilanzierung" und einer wenig feinfühligen Werbekampagne. Die erste Runde hat SAP zwar mit Hilfe des Frankfurter Landgerichts und Einstweiligen Verfügungen gewonnen, doch so bald dürfte Siebel keine Ruhe geben.

Schwere Zeiten also für Hasso Plattner. Mit entsprechend gemischten Gefühlen sehen auch die Analysten der SAP-Zukunft entgegen. Die schlechten Vorgaben des US-Sektors und der Microsoft-Deal haben heute den SAP-Kurs belastet. Kritisch ist auch, dass der aktuelle Kurs das prognostizierte Umsatzplus von 15 Prozent impliziert. Die Analysten der US-Investmentbank JP Morgan halten dagegen ein Wachstum von 11 Prozent für weitaus realistischer. Allerdings bescheinigen die Analysten von Schroder Smith Barney den Walldorfern "eine einzigartige Positionierung". Ähnlich denken auch die Fachleute von SES Research, die SAP wegen ihrer Strategie Softwaresysteme aus einer Hand anbieten zu können, für einen langfristigen Gewinner im Markt halten. Die Aktionäre werden sich am Freitag aber nicht mit Langfrist-Prognosen und Optimismus zufrieden geben.

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