Haste Cents?
Ende der Kostenlos-Kultur

Das Ende der Gratis-Kultur im Internet scheint eingeläutet: Deutschlands Verlage verlangen künftig Geld für Online-Artikel - eine Strategie mit Tücken.

HB DÜSSELDORF. Das größte Feindbild der Internet-Schmarotzer heißt Thomas Holtrop. "Mit der Kostenlos-Kultur im Internet muss es ein Ende haben", fordert der Vorstandschef von T-Online vehement. In den vergangenen Wochen musste man den Eindruck haben, vor allem Verlage haben dank dieser Worte Holtrop zum Guru erkoren: Egal ob "Süddeutsche Zeitung", "Der Spiegel" oder das "Manager Magazin" - sie alle kündigten an, künftig Geld für ihre Inhalte zu verlangen. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfer von Andersen wollen fünf der sieben größten deutschen Verlage innerhalb des nächsten halben Jahres Geld für ihre Online-Angebote verlangen.

Vorreiter in Sachen Paid Content, wie es im Fachjargon heißt, ist das "Wall Street Journal". Schon 1996 führten die New Yorker eine Abo-Gebühr für ihre Internet-Angebote ein. Derzeit zahlt eine halbe Million Nutzer die 59 $ pro Jahr bislang. "Wir wollten von Anfang an eine Nachrichtenquelle aufbauen, die für die Leser so wertvoll sein sollte, dass sie dafür bezahlen", sagt Chefredakteur Neil Budde.

"Wall Street Journal"-Kooperationspartner Handelsblatt gehörte in Deutschland zu den ersten, die ein Online-Abo anboten. Derzeit zählt das Angebot 39 000 Nutzer. Zeitungsabonnenten sind kostenlos dabei, jeder andere zahlt 13,30 . "Die Einnahmen daraus sind ein substanzieller und stabiler Teil unserer Umsätze", sagt Maike Schlegel, Marketing-Vorstand der Economy One AG, der Online-Tochter der Verlagsgruppe Handelsblatt. Sie sieht ihr Haus im Vorteil gegenüber anderen Anbietern: "Unsere Zielgruppe hat eine äußerst hohe Zahlungsfähigkeit und-bereitschaft."

Doch leicht ist es nicht, die Konten der Surfer anzuzapfen. Eine Forsa-Umfrage ergab, dass kostenpflichtige Informations- und Unterhaltungsangebote von 69 % der Nutzer strikt abgelehnt werden. Eine Studie des Hamburger Online-Marktforschers Ears And Eyes zeigt, dass ein Teil der Internet-Nutzer bereit wäre, für innovativen Web-Inhalt monatlich durchschnittlich 20 zu zahlen. Zahlungsbereit zeigten sich die Surfer bei Archivrecherchen (35 %) und dem Herunterladen von Software oder Musik (33 %). Für die Nutzung von Verbraucher-Portalen, Kultur- oder Sportinformationen will dagegen kaum jemand löhnen.

"Für normale Nachrichten wird der typische Internet-User kaum zahlen, wohl aber für Premium-Informationsangebote, Spiele und exklusiven Kontakt zu Stars über Live-Chats", ist Peter Würtenberger überzeugt, verantwortlich für das Online-Angebot der Bild-Zeitung "Bild.de". "Wichtig sind aber auch Downloads, da User hier - genau wie bei Print - das Gefühl haben, etwas Gekauftes in den Händen zu halten. Und das steigert die Zahlungsbereitschaft", ergänzt Timo Woitek, Consultancy Manager von Ears and Eyes.

Knackpunkt derzeit ist die Frage der Bezahlung. Lieber ein Abo-System und damit die technisch einfachste Lösung? Oder eine Bezahlung nach abgefragten Inhalten? Das würde ein System zur Bezahlung kleinster Beträge nötig machen.

Marktführer bei solchen Systemen ist die Kölner Firstgate. Wer sich einmal bei dem Dienst anmeldet, erhält einmal monatlich eine Abrechnung über sämtliche Leistungen, die er bei Firstgate-Partnern in Anspruch genommen hat. So kostet ein Informationspaket zu Hochzinsanleihen beim Online-Arm des Nachrichtensenders N-TV 2,50 . Ähnlich verfahren die Kunden von Firstgate-Rivalen wie Purepay und Net 900.

Doch die Bezahlmöglichkeit an sich macht noch kein erfolgreiches Angebot aus. Den Verlagen wird es wohl so gehen wie den Managern von Unternehmens-Netzen: Ständig müssen sie neue Löcher stopfen, um Unbefugte vom Eindringen abzuhalten. So hatte sich schnell herumgesprochen, dass kurz nach dem Start der Bezahl-Angebote kostenpflichtige Artikel von "Spiegel" und "Manager Magazin" durch kleine Tricks abrufbar waren - gratis.

Micropayment bezeichnet die Bezahlung kleiner Beträge im Internet. In der Regel registriert sich der Nutzer bei einem Zentralanbieter, der eine monatliche Rechnung über sämtliche, bei Kooperationspartnern genutzten Leistungen verschickt.

Quelle: Handelsblatt

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