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Hat Schnickschnack in Deutschland eine Chance?

Keiji Tachikawa hat geschafft, was für Mobilfunkanbieter hierzulande noch reine Vision ist: der Durchbruch beim mobilen Internet. Er hat Kunden en masse, die in fast jeder Lebenssituation zum Handy greifen.

Der Mann hat geschafft, was für Mobilfunkanbieter hierzulande noch reine Vision ist: der Durchbruch beim mobilen Internet - Kunden en masse, die per Handy im World Wide Web surfen, spielen, Daten herunterladen, Aktien ordern, sich in einer fremden Stadt lotsen lassen, Videoclips anschauen und sowieso in fast jeder Lebenssituation zum Handy greifen. Keiji Tachikawa, der Präsident der japanischen Telefongesellschaft NTT Docomo, ist das gelungen.
I-Mode heißt der Dienst für den mobilen Web-Zugriff, für den er seit Februar 1999 mehr als 17 Millionen Japaner begeistert hat. Und Tachikawa verdient auch noch gutes Geld damit.

Dabei entspricht der Mann so gar nicht der Vorstellung eines Internet-Revolutionärs: Er ist 60 Jahre alt, hat graue Haare und arbeitet mehr als sein halbes Leben bei einem Unternehmen. Sein Erfolg durch I-Mode gilt in der Branche als genialer Marketing-Schachzug, denn das Wort Internet hat Tachikawa kaum in den Mund genommen, als er I-Mode auf den Markt brachte. Von einem mobilen Portal war die Rede, von Spiel und Unterhaltung, die man unterwegs nutzen konnte. Dadurch hat er die Erwartungen nicht so hoch geschraubt, wie Mobilfunker in Deutschland, die das mobile Internet von Form von Wap ankündigten.

Für ausreichend Endgeräte in allen Farben und Formen, mit großen und kleinen Displays hat Tachikawa ebenfalls gesorgt und dafür, dass ihm jede Menge Content-Zulieferer attraktive Dienste schaffen. Inzwischen sind es mehrere 10 000 Angebote, auf die I-Mode-Kunden zurückgreifen können.

Ende des Jahres will er sein I-Mode in einem Joint Venture mit der niederländischen KPN Mobile und der italienischen Telecom Italia Mobile nach Europa bringen und damit dem deutschen Pendant Wap Beine machen. Branchenkenner sind skeptisch, ob das so einfach klappt. Immer wieder verweisen auf zwei Eigenschaften der Japaner, die es erschweren, den Erfolg von I-Mode in Deutschland zu wiederholen.
Zum einen ist da der Spieltrieb der Japaner, die am liebsten mit ihrem I-Mode-Handy kurze Texte verschicken, Handy-Melodien herunterladen, banale Dinge wie das Wetter und den Aktienkurs abfragen und sich Nintento-Spiele aufs Handy-Display holen.
Die Höflichkeit der Japaner kommt hinzu: Telefonieren in U-Bahn verbietet die Etikette. Stilles vor sich hin surfen ist dagegen erlaubt.

Ob das bedeutet, dass die Deutschen oder die Europäer weder höflich sind, noch gerne spielen, lassen die Experten offen.

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