Hattrick in Silverstone möglich
Der Dieb, der Michaels Seele stahl

Ralf Schumacher hat alle(s) hinter sich gelassen, in den letzten beiden Rennen sogar den eigenen Bruder. Wenn es am schönsten ist, dann soll es so weitergehen. Das Rennen unter Brüdern bewegt die Leute auch vor dem Großen Preis von Großbritannien am Wochenende mehr als das eigentliche Spitzenduell zwischen Michael Schumacher und Kimi Räikkönen. Ralf Schumacher ist Dritter, mit elf Punkten Rückstand auf Rang eins und nur drei auf den zweiten Platz.

SILVERSTONE. Seit seinem phänomenalem Doppel-Erfolg mit zwei Siegen in einer Woche ist der Kleine mit 28 plötzlich selbst ein Großer. Der mögliche Hattrick beim Williams-Heimspiel in Silverstone könnte Einfluss auf das bisher so innige Verhältnis der beiden - im Sport nur mit dem der boxenden Klitschkos zu vergleichen - haben. Doch schon die Wortwahl von "Bild" ("Verkraftet Schumi den Erfolg von Ralf?") zeigt, dass mit Schumi automatisch noch Michael gemeint ist. Doch der Schumi zwo von gestern ist über einen Schumi 1b zum Schumi 1a gereift.

In der Herangehensweise sind die beiden ohnehin viel ähnlicher, als es der optische Eindruck bislang erscheinen ließ. "Wir müssen nur aufpassen, dass die gute Stimmung nicht in Selbstgefälligkeit umschlägt. Ruhig und konzentriert zu arbeiten, hat uns in den vergangenen Monaten ausgezeichnet, und daran sollten wir festhalten", sagt Ralf Schumacher nach zwei Doppelsiegen von BMW-Williams.

Ein Satz, der aus dem Repertoire von Michael stammen könnte. Auch wenn es dem sechs Jahre jüngeren noch nie an Selbstbewusstsein gefehlt hat, veränderte ihn der Erfolg der Serie. Er hat mehr Spaß, zeigt mehr Gelassenheit, macht weniger Fehler. "Man könnte meinen, Ralf hat seinem Bruder über Nacht das Auto und die Seele gestohlen", befindet die Londoner "Times".

Manager Willi Weber will die derzeit gute Verhandlungsposition für seinen Schützling Ralf zu Gunsten eines Rentenvertrages wie schon beim Ferrari-Schumacher nutzen. Ob der bis Ende 2004 laufende Kontrakt bei Williams tatsächlich vorzeitig um zwei bis vier Jahre verlängert wird, ist auch eine Frage des Geldes. Auf 15 Millionen Euro Jahresgage wird Ralf Schumacher derzeit taxiert. Weber möchte dem Vernehmen nach nicht mehr, aber auch nicht weniger. "Ralfs Können stand nie zur Debatte, er hat sich zuletzt extrem konzentriert", sagt BMWSportdirektor Mario Theissen über die menschliche Seite des Aufschwungs, der seinen Ursprung aber auch in der Technik hat.

Seit dem Team in Monte Carlo bei der Abstimmung von Auto und Reifen der Durchbruch gelang, liegt das Auto besser auf der Straße. Und das liegt Ralf Schumacher mehr. Ergo glaubt er mehr ans Auto und damit mehr an sich. Zumal er vom Ehrgeiz her noch nie einen Deut nachlässiger war als Michael. Sollte es einen großen Kleiner-Bruder-Komplex gegeben haben, ist das jetzt zusätzlicher Antrieb.

Ralf Schumacher fährt mit jedem Erfolg auch dem Vorurteil davon. War er bei seinem Grand-Prix-Debüt als Angeber verschrien, litt sein Image danach darunter, ein Nachgeber zu sein. Was unter Profi-Rennfahrern schwerer wiegt. Richtige Beweise für die griffig klingende Theorie gab es nie. Seine mehr auf Effektivität ausgelegte Fahrweise erklärt sich aus der so genannten Renn-Intelligenz. Aus Überlegtheit eine Überlegenheit zu machen, darin besitzen die Schumachers in jedem Fall die gleichen Gene.

Das ist an den statistischen Konstanten der laufenden Saison abzulesen: Michael Schumacher ist mit vier Siegen immer noch auf der Spitzenposition, Ralf Schumacher ist der einzige von allen 20 Piloten, der in allen zehn Läufen in die Punkte fahren konnte. Dass er in den letzten vier Rennen dreimal die Pole-Position geholt hat, zeugt zudem von seiner Grundschnelligkeit.

Für den richtigen Antrieb sorgt auch Teamkollege Juan-Pablo Montoya, der nur sechs WM-Punkte zurückliegt. Der "aggressivsten Fahrerpaarung" rühmt sich BMW-Williams schon im dritten Jahr. Eine vorbestimmte Nummer eins gibt es bei Williams nicht, nur die vor jedem Rennen von Frank Williams unmissverständlich formulierte Order: Macht, was ihr wollt - aber wehe, ihr fahrt euch gegenseitig ins Auto.

Ende vergangenen Jahres war das den beiden Dickköpfen passiert, durch das neue Punktsystem hätte ein interner Crash verheerende Folgen für die Meisterschaftschancen. Schon 1986 war Alain Prost im McLaren der lachende Dritte im WM-Endkampf gegen die sich zerfleischenden Williams-Piloten Nigel Mansell und Nelson Piquet.

BMW-Williams hat eine reelle Chance auf den Konstrukteurstitel (nur drei Zähler Rückstand auf Ferrari). Überhaupt läuft für das Überraschungs-Team der Saison nach anfänglicher Krise alles bestens. Nur der Siegespokal von Magny-Cours ging auf dem Rückflug zu Bruch. Doch auch das ist kein Problem: Für die Schadensfälle ist im Zweifelsfall Sponsor Allianz zuständig.

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