Hauch von Trübsal liegt auf den Aktienmärkten
Kommentar: Der Dax hat auch ein Sentiment-Problem

"Die Konjunktur kommt im Spätsommer 2001 aus der Talsohle", so die Worte eines Analysten, der bereits im vergangenen Jahr die Überkapazitäten-Krise der Weltwirtschaft vorhergesagt hatte. Als die Krise im ersten Quartal dieses Jahres offensichtlich wurde, gingen die meisten Beobachter von einer Wende im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres aus, jetzt glauben viele Volkswirte an ein Ende der Konjunkturdelle spätestens im ersten Halbjahr 2002.

Und schon sind wir am Kern der Aktien-Baisse. Fast alle Aktienstrategen, Analysten oder Händler sind und bleiben kurzfristig pessimistisch, mittelfristig aber optimistisch. Kurzfristig sehen sie zwar Rückschlagpotenzial an den Börsen. Dieses wurde bei einem Dax-Stand von 6.000 Punkten mit 5 600 Punkten angegeben, jetzt glauben viele Marktteilnehmer, dass der Dax möglicherweise auf 5 000, im schlimmsten Fall auf 4 800 Punkte fallen könnte. Da sie zugleich mittelfristig deutlich höhere Kurse erwarten, bleiben viele Anleger auf großen Positionen sitzen, und der bereinigende Ausverkauf kommt nicht zustande.

Sollte der Dax tatsächlich auf 4 800 Zähler sinken, wird vermutlich die Marke von 4 500 Punkten Gesprächsthema. Wohin können die Aktienmärkte aber wirklich fallen? Das zeigt ein Beispiel aus den USA. Intel hat derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 50. Nun sind die Bewertungen in der Talsohle der Konjunktur immer am höchsten, weil mit dem Aufschwung die Gewinne überproportional schnell steigen. Sollte sich der Aufschwung aber weiter verzögern, könnten sich Intel durchaus noch einmal halbieren. Dieses Szenario gilt selbstredend nicht nur für Intel, und auch nicht nur für Technologiewerte. Bei anhaltender konjunktureller Talfahrt könnte die angeblich faire Bewertung des Dax in einigen Monaten bei 2 500 Punkten liegen, und selbst dann stünde er noch 30 Prozent über dem Stand von 1995.

Seit der nun ablaufenden Woche liegt wenigstens ein Hauch von Trübsal über den Aktienmärkten. Hervorgerufen wurde er vom schwächeren Verbrauchervertrauen in den USA. Mit diesem wurden die Kurse noch einmal auf Talfahrt geschickt. Nun ist die Stimmung möglicherweise schlechter als die Lage, denn die Erwartungskomponente im Verbrauchervertrauen in den USA blieb auf hohem Niveau stabil. Und in Deutschland kommen Hoffnungszeichen von der letzten ifo-Umfrage und den, wegen des Basiseffekts, besseren Auftragseingängen der Bauwirtschaft. Wird jetzt endlich die Stimmung an der Börse schlechter, während die Konjunktur das Schlimmste schon hinter sich hat? Sollte der Anleger daraus schon wieder Optimismus ziehen? So wie die Hausse im vergangenen März von der Euphorie gestoppt wurde, endete bisher fast jede Baisse in der Depression. Oder ist diesmal alles anders?

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