Haupt bleibt FPÖ-Chef
Haider kündigt Rückzug aus der Politik an

Einen Tag nach dem Debakel seiner Freiheitlichen Partei (FPÖ) bei der österreichischen Parlamentswahl hat ihr "starker Mann" Jörg Haider am Montag seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Nach der Entscheidung des Rechtspopulisten gab es gute Chancen für eine Neuauflage der Koalition der siegreichen Volkspartei (ÖVP) mit der FPÖ.

HB/dpa WIEN. Haider wollte noch am Abend seinen Parteifreunden in Klagenfurt den Rücktritt als Kärntener Landeshauptmann (Ministerpräsident) bekannt geben. Dies erklärte nach einer Präsidiumssitzung der Freiheitlichen in Wien.



Der FPÖ-Vorsitzende Herbert Haupt bleibt dagegen nach dem Absturz der Partei von knapp 27 auf gut 10 % im Amt. Die Parteispitze habe seinen angebotenen Rücktritt abgelehnt, teilte die FPÖ mit. Haupt hatte sich für die Fortsetzung der Koalition mit der konservativen Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ausgesprochen. Haider war dagegen gewesen. Schüssel hatte am Wahlabend mit Blick auf Haiders zerstörerischen Zickzack-Kurs gesagt, eine neue Zusammenarbeit dieser beiden Parteien sei nur mit gemäßigten FPÖ-Politikern möglich, die verlässliche Garantien abgeben müssten.

"Ich sehe in dem Wahlergebnis ein Misstrauen mir und meiner Politik gegenüber", begründete Haider seinen Schritt. "Mein Bedarf an der Politik ist absolut gedeckt. Die Karten sollen neu gemischt werden". Während die FPÖ am Vortag zwei Drittel ihrer Wählerschaft verlor, errang Schüssels ÖVP sensationelle Zuwächse und mit über 42 % den ersten Platz vor den oppositionellen Sozialdemokraten (SPÖ).

Die SPÖ hatte ihr Wahlziel, stärkste Kraft zu bleiben und erstmals in der Geschichte des Landes eine rot-grüne Regierung auf die Beine zu stellen, klar verfehlt. Dennoch wurde der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer, der erst vor zwei Jahren nach der Vertreibung der SPÖ aus dem Kanzleramt an die Parteispitze gerückt war, in seinem Amt bestätigt. Gusenbauer und wichtige weitere Spitzenpolitiker hatten sich am Montag für den Verbleib ihrer Partei in der Opposition ausgesprochen.

Der klare Wahlsieger Schüssel traf in Wien mit Bundespräsident Thomas Klestil zu Beratungen über die neue Regierung zusammen. Klestil hatte sich ebenso wie große Teile der österreichischen Wirtschaft für die Neuauflage der traditionellen großen Koalition aus ÖVP und SPÖ ausgesprochen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat Schüssel am Montag zu dessen Wahlsieg gratuliert. Die CDU/CSU machte die rot-grüne Regierung in Berlin mitverantwortlich für das schlechte Abschneiden der österreichischen Sozialdemokraten. "Das rot-grüne Chaos in Deutschland war abschreckendes Beispiel für die Wähler in Österreich", sagte der CSU-Landesgruppenchef Michael Glos.

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