Hauptaktionär Aker Maritime präsentiert neuen Rettungsplan
Machtkampf um Kvaerner neu entflammt

Der norwegisch-britische Schiffs- und Anlagenbauer Kvaerner kämpft weiter ums Überleben. Die beiden größten Aktionäre, der russische Ölkonzern Yukos und die norwegische Aker-Maritime-Gruppe, liefern sich unterdessen eine Übernahmeschlacht.

hst/HB STOCKHOLM. Eine Woche vor der entscheidenden Hauptversammlung ist die Zukunft des norwegisch-britischen Schiffs- und Anlagenbauers Kvaerner unsicherer denn je. Nachdem vor einem Monat der russische Ölkonzern Yukos Oil, mit rund 22 % zweitgrößter Kvaerner-Aktionär, einen Sanierungsplan für den angeschlagenen Konzern vorgelegt hatte, zog gestern der Hauptaktionär, die norwegische Aker-Maritime-Gruppe, mit einem konkurrierenden Entwurf nach.

Der Alternativplan des mit Kvaerner konkurrierende Unternehmens schlägt eine Teilfusion der Öl- und Gasaktivitäten von Aker und Kvaerner vor. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am kommenden Donnerstag müssen nun die Aktionäre des einst größten europäischen Schiffbauers über die beiden Rettungspläne entscheiden. Der Ausgang ist derzeit ungewiss. Die Kvaerner-Konzernleitung hatte sich vor einem Monat noch hinter den russischen Plan gestellt, der eine Drei-Milliarden-Kronen-Emission (380 Mill. Euro) sowie die Schuldenumwandlung in Aktien vorsah.

Der Aker-Maritime-Konzern, der vom norwegischen Milliardär Kjell Inge Røkke kontrolliert wird und schon früher vergeblich eine Fusion mit Kvaerner angestrebt hatte, stockte in den vergangenen Tagen seinen Anteil an Kvaerner auf 20 bis 25 % auf. Somit kann Røkke den Yukos-Plan stoppen.

Das neue Sanierungskonzept sieht vor, die operativen Geschäfte beider Unternehmen zu verschmelzen. Als Gegenleistung würde Aker Kvaerner-Aktien erhalten und somit zum dominierenden Aktionär aufsteigen. Eine Teilfusion würde "einen neuen und starken Player im Öl- und Gassektor mit einem großen Potenzial für internationales Wachstum schaffen", teilte Aker Maritime mit. Aker Maritime rechnet bei einer Verschmelzung mit jährlichen Einsparungen von 350 bis 380 Mill. norwegischen Kronen.

Im Sanierungskonzept von Aker Maritime ist eine Neuemission von Kvaerner-Aktien mit einem Volumen von 2 Mrd. Kronen vorgesehen. Die Kreditgeber sollen zudem überredet werden, die Kredite in zinsfreie Anleihen umzuwandeln. Weder Kvaerner noch der russische Konzern wollten sich gestern zu dem Alternativ-Konzept äußern.

Nach mehreren Übernahmen und nicht bewilligten Krediten beläuft sich die Schuldenlast von Kvaerner mittlerweile auf rund 6,4 Mrd. Kronen. Die Konzernleitung will sich jetzt auf das Kerngeschäft, die Öl- und Gasförderung sowie den Anlagenbau, konzentrieren. Die Werft in Rostock und die Masa Yards in Finnland sollen verkauft werden.

Wie akut die Liquiditätskrise ist, zeigte gestern ein neuer Notruf von Kvaerner: Bis Ende November, so teilte der angeschlagene Konzern mit, benötige er für die laufenden Zahlungen 250 Mill. Kronen.

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