Hauptmotiv: Zu hohe Arbeitskosten und Steuern
DIHK: Firmen planen mehr Produktion im Ausland

Immer mehr deutsche Unternehmen planen einer Umfrage zufolge wegen hoher Arbeitskosten und Steuern, Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern.

Reuters BERLIN. Fast jedes vierte deutsche Industrieunternehmen habe für die nächsten drei Jahre entsprechende Abwanderungsgedanken in EU-Länder, osteuropäische Staaten oder nach Asien, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Montag in Berlin. Alarmierend sei, dass anders als in den 90er Jahren nun nicht nur lohnintensive Fertigungsbereiche ins Ausland verlagert würden, sondern auch Verwaltung, Forschung und Entwicklung oder sogar der Unternehmenssitz, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. So entstünden bis 2005 voraussichtlich pro Jahr rund 50 000 Arbeitsplätze im Ausland statt in Deutschland.

DIHK: Deutsche Firmen geraten zunehmend unter Kostendruck

Der DIHK befragte bei seiner jüngsten Studie knapp 10 000 Unternehmen. Bei der vorigen Umfrage hatten 1999 nur 21 Prozent der Industrieunternehmen eine Produktionsverlagerung ins Ausland angekündigt und 18 Prozent diese auch bis heute umgesetzt.

Wansleben sagte zur aktuellen Umfrage, deutsche Unternehmen gerieten im internationalen Wettbewerb mehr und mehr unter Preis- und Kostendruck. "Wenn wir verlagern müssen, um preislich wettbewerbsfähig zu sein, dann hat Deutschland im internationalen Wettbewerb ein Problem." Hauptmotiv der Firmen für eine Verlagerung ihrer Produktion seien hohe Arbeitskosten. Hinzu kämen eine hohe Steuer- und Abgabenlast, ein zu komplexes Steuersystem und zu viel Bürokratie in Deutschland.

Allerdings verlagern Unternehmen der Umfrage zufolge ihre Produktion auch ins Ausland, um sich dort neue Märkte zu erschließen oder den Vertrieb und Kundendienst zu stärken. Insgesamt plant fast jedes zweite Unternehmen des Bekleidungsgewerbes eine Verlagerung von Teilen seiner Produktion ins Ausland. Gleiche Pläne hätten vier von zehn Elektrogeräteherstellern, mehr als ein Drittel der Firmen im Kraftfahrzeugbau und mehr als jeder vierte Maschinenbauer. Bei konsumnahen und inlandsorientierten Bereichen wie der Lebensmittelindustrie und der Papier-, Druck- und Verlagsbranche spielten Verlagerungsabsichten hingegen eine geringere Rolle.

Wansleben hält eine Umkehr des Abwanderungstrends für möglich und forderte mehr Reformen und Innovationen in Deutschland. Die Agenda 2010 der Bundesregierung könne dafür aber nur ein Anfang sein, sagte er. Es müsse etwa eine Offensive für mehr Aus- und Weiterbildung geben.

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