Hauptversammlung
Aktionäre greifen Telekom-Management massiv an

Aktionärsschützer haben heute auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom massive Vorwürfe an das Management gerichtet. Nach der Rede des Telekomvorstandsvorsitzenden Ron Sommer rügten die Redner vor allem den Absturz des Aktienkurses, die milliardenschwere Abwertung des Immobilienvermögens und das vorgeschlagene neue Aktienoptionsprogramm.

bue/vwd/rtr KÖLN. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte an die Adresse des Vorstandes: "Sie stellen eine konkrete Gefahr für die Aktienkultur in Deutschland dar." Das Management sei für die beispiellose Kapitalvernichtung von 200 Mrd. Euro im vorigen Jahr verantwortlich.

Tüngler stellte in der mit 9500 Aktionären voll besetzten Kölnarena den Antrag auf eine Sonderprüfung der Vorgänge um die Abwertung des Immobilienvermögens um zwei Mrd. Euro. "Wir wollen endlich Klarheit, wir wollen tabula rasa", sagte er. Den Bund als Mehrheitsaktionär forderte er auf, sich bei der Abstimmung über den Antrag zu enthalten. Außerdem verlangte der Redner ein Bezugsrecht für die Telekom-Aktionäre bei einem eventuellen Börsengang der Tochtergesellschaft T International-Mobile AG. "Das ist unser ureigenstes Recht als Eigentümer."

Telekom-Chef Sommer wies gegen ihn wegen der Immobilienbewertung persönlich erhobenen Vorwürfe zurück. Die Vorwürfe, er habe trotz der Kenntnis über die angeblich falschen Bewertungen des Immobilienbestandes nichts unternommen, hätten keine Grundlage. Er habe im Jahr 1998 gemeinsam mit anderen Vorstandsmitgliedern und in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat eine umfassende und rasche Überprüfung durch eine renommierte Prüfungsgesellschaft veranlasst. Die Prüfung habe die gewählte Methode der Immobilienbewertung als gut vertretbar bewertet. Sommer sagte, er sei zuversichtlich, dass die auf Grund einer Strafanzeige laufende staatsanwaltschaftliche Ermittlung "am Ende die Unbegründetheit der Vorwürfe offenbart".

Vor den Aktionären äußerte sich der Telekom-Chef unzufrieden mit dem Kursverlauf der Aktien, der von seinem im März 2000 bei rund 104 Euro markierten Allzeithoch um rund 75 Prozent nachgegeben hat. Am Dienstagvormittag lag die Aktie der Telekom mit 2,5 Prozent im Minus bei 26,65 Euro und tendierte damit deutlich schwächer als der deutsche Aktienmarkt. Der Aktienkurs sei "ohne jede Beschönigung absolut unbefriedigend". Er bedauere, dass sich der Aktienkurs des Unternehmens nicht von der Marktentwicklung der Technologiewerte habe abkoppeln können.

Nach dem deutlichen Kursverlust der Aktien der Deutschen Telekom AG in den vergangenen 14 Monaten sieht Sommer, jedoch die Möglichkeit einer Trendwende. "Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass eine Bodenbildung (beim Aktienkurs) erreicht sein könnte", sagte Sommer. Die Fundamentaldaten der Telekom sprächen für eine Börsenbewertung, die deutlich über der derzeitigen Marktkapitalisierung liege.

Sommer versprach den Aktionären, dafür zu arbeiten, dass die Aktie wieder eine "angemessene Bewertung" an den Börsen erfahre. In welcher Höhe er den fairen Wert der Aktien sieht, sagte Sommer nicht. Der Telekom-Chef kündigte zugleich an, die Unternehmenskommunikation mit dem Kapitalmarkt weiter zu verstärken.

Auch für den weiteren Verlauf zeichnete sich deutliche Kritik an der Telekom-Führung ab. Für das Treffen sind zahlreiche Gegenanträge von Aktionären gestellt worden, die vor allem verlangen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Mehrere Kleinaktionäre und Aktionärsvereinigungen begründeten ihre Gegenanträge unter anderem mit dem seit Jahresfrist halbierten Aktienkurs, dem als zu teuer empfundenen Kauf der US-Firma VoiceStream und kostenträchtigen Fehlern bei der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen. Beantragt wird zudem eine Sonderprüfung der Immobilienbewertung des Konzerns, nachdem im Februar eine Abwertung des Immobilienvermögens in Höhe von zwei Milliarden Euro vor Steuern vorgenommen wurde.

Auf der Hauptversammlung werden die Telekom-Aktionäre auch über die vorgeschlagene unveränderte Dividende von 0,62 Euro (1,20 DM) und über die Neubesetzung des 20-köpfigen Aufsichtsrats abstimmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%