Hauptversammlung
Bilfinger Berger übernimmt Rheinhold & Mahla

Die Bilfinger Berger AG hat in den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2002 einen um vier Prozent rückläufigen Umsatz von 1,32 Milliarden Euro erzielt.

Reuters MANNHEIM. Deutschlands zweitgrößter Baukonzern Bilfinger Berger will den Münchener Bau- und Industriedienstleister Rheinhold & Mahla (R&M) komplett übernehmen und weitet damit sein Dienstleistungsgeschäft aus.

Der R&M-Mehrheitsaktionär, der Leverkusener Bauzulieferer Illbruck, habe sein Paket von 55 Prozent bereits für je 13 Euro verkauft, teilte Bilfinger Berger am Donnerstag in Mannheim mit. Auch die Deutsche Beteiligungs-AG (DBAG) wolle ihre 27 Prozent zum gleichen Preis abgeben. Die freien Aktionäre sollen ebenfalls ein Angebot über je 13 Euro erhalten. Die Aktionäre von R&M erhalten damit eine Prämie von rund 18 Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch, an dem die Aktie schon kräftig gestiegen war.

Eine vollständige Übernahme sei geplant, sagte Bodner: Die Deutsche Beteiligungs AG, die 27 Prozent an Rheinhold & Mahla hält, habe Verkaufsbereitschaft signalisiert. Für die übrigen Aktionäre gab Bilfinger Berger ein Übernahmeangebot zum Preis von 13 Euro pro Stückaktie bekannt.

"Von unserer Seite liegt mit Sicherheit keine Insider-Thematik vor", betonte Bodner. Am Donnerstag fiel die R&M-Aktie zunächst bei schwachen Umsätzen um 4,6 Prozent auf 10,50 Euro. Die im MDax notierte Aktie von Bilfinger Berger gab um rund 0,8 Prozent auf 25,00 Euro nach.

Insgesamt werde die Übernahme 117 Millionen Euro kosten, sagte Vorstandschef Herbert Bodner auf der Hauptversammlung.

"Passt perfekt"

"Zu unserer strategischen Ausrichtung passt Rheinhold & Mahla perfekt", sagte Bodner vor den Aktionären in Mannheim. Er hatte bereits zuvor Akquisitionen bei baunahen Dienstleistungen in Aussicht gestellt, um die Abhängigkeit von Bilfinger Berger von der schwachen Baukonjunktur zu verringern. Der Konzern ist auch an der Dienstleistungstochter HSG der insolventen Philipp interessiert.

R&M werde auch unter Berücksichtigung der Abschreibungen auf den Firmenwert (Goodwill) von Anfang an einen positiven Beitrag zum Ergebnis leisten, sagte Bodner.

Das Münchener Unternehmen, das seit 1991 börsennotiert ist, setzte 2001 vor allem in der Industrie-Isolierung, mit technischen Dienstleistungen und im Schiffsausbau 732 Millionen Euro um und erzielte 10,9 Millionen Euro Gewinn nach Steuern. Nur 20 Prozent setzte R&M dabei mit Baudienstleistungen um.

"Das ist ein Knüller"

R&M-Finanzchef Heinz Schmitt sagte gegenüber der Reuters: "Wir sehen den Wechsel positiv, weil wir einen finanzkräftigen Partner erhalten, der unseren Wachstumskurs finanzieren kann." Trotz der Flaute in der Branche wolle R&M den Umsatz 2002 leicht verbessern und den Gewinn vor Steuern steigern.

Aktionäre sahen den Kauf positiv: "Das ist ein Knüller", sagte einer von ihnen. Die Leverkusener Illbruck GmbH, die Bausysteme produziert, war vor 15 Jahren mit 49,9 Prozent bei R&M eingestiegen. Illbruck wolle sich auf Nischenprodukte wie Abdichtungssysteme, Sanitärtechnik und Ausbausysteme konzentrieren, sagte Michael Illbruck. Seine Schwester Sabina hält gut fünf Prozent an R&M.

Mehr Aufträge, weniger Bauleistung

Für das Jahr 2002 macht Bilfinger Berger ein Auftragsplus von gut zehn Prozent in den ersten vier Monaten zuversichtlich. "Unser Konzernergebnis wollen wir auf der Grundlage weiter wachsender operativer Ergebnisse erneut steigern", wiederholte Bodner.

Bilfinger Berger rechnet weiter mit einem Anstieg der Leistung auf 4,8 von 4,61 Milliarden Euro. Zukäufe seien darin nicht berücksichtigt. Bis Ende April seien Aufträge im Wert von 1,83 Milliarden Euro hereingekommen, zehn Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Mehr Aufträge verbuchte der Konzern vor allem im Geschäftsfeld Entwickeln und Betreiben und in der Umwelttechnik. Der Orderbestand lag nach vier Monaten mit 4,79 Milliarden Euro sieben Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Die Bauleistung brach in Deutschland um zwölf Prozent ein, weltweit schrumpfte sie um vier Prozent auf 1,32 Milliarden Euro. Überraschend trennt sich der Konzern von seinem für den Einkauf und die Geschäftsfelder Baustoffe sowie Entwickeln und Betreiben zuständigen Vorstand Walter Hinder. Er werde Bilfinger Berger nach Meinungsverschiedenheiten ab sofort verlassen, sagte Aufsichtsratschef Gert Becker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%