Hauptversammlung
Commerzbank hinkt hinterher

Die Commerzbank wird nach den Worten ihres Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller die Ergebnisziele ihres Kostensenkungs- und Ertragsprogramms CB 21 deutlich verfehlen.

Reuters/vwd FRANKFURT/M. Von dem von 2001 bis 2003 geplanten Ergebnisbeitrag von insgesamt 1,6 Milliarden Euro vor Steuern werde die Bank nur knapp 40 Prozent erreichen, sagte Müller am Freitag bei der Hauptversammlung in Frankfurt.

Außerdem kündigte Müller in seiner ersten Hauptversammlungsrede als Vorstandschef an, bis 2005 weitere 150 bis 250 weitere Stellen abzubauen. Die Eigenkapitalrendite der Commerzbank aus dem operativen Geschäft solle 2002 auf vier bis fünf Prozent nach 0,9 Prozent 2001 steigen. Müller bekräftigte erneut das Ergebnisziel von 700 bis 800 Millionen Euro vor Steuern. Analysten reagierten enttäuscht auf die Aussagen des Commerzbank-Chefs.

"Wir gehen heute auf Grund der drastisch veränderten Rahmenbedingungen davon aus, bis 2003 nur noch knapp 40 Prozent des ursprünglich erwarteten Erfolgsbeitrages zu erreichen", sagte Müller zum Verlauf von CB 21. Damit würde die Commerzbank lediglich 640 Millionen Euro statt der geplanten 1,6 Milliarden Euro Ergebnisbeitrag aus dem Programm erzielen. Müller kündigte ergänzende Maßnahmen an, um die entstandene Lücke zu verkleinern. Details nannte er jedoch nicht.

Enttäuschte Analysten

Analysten und Aktionärsvertreter reagierten enttäuscht auf die Aussagen Müllers zum CB-21-Programm: "Das sind keine guten Nachrichten", sagte ein Experte. "Jeder wird sagen, die Commerzbank war der Wert in unserem Portfolio, weil wir an Müller und sein Kostensenkungsprogramm geglaubt haben. Und jetzt macht er einen großen Schritt zurück. Das ist wirklich nicht positiv." Guido Hoymann, Analyst bei der Privatbank Metzler sagte, bei den Planungen für CB 21 sie die Bank offenbar von einer sich entspannenden Marktsituation ausgegangen, die so nicht eingetreten sei.

"Die Wunderwaffe CB 21 hat sich als Rohrkrepierer erwiesen", sagte ein Aktionärsvertreter. Auch andere Aktionäre kritisierten, dass sie mehr als 50 Prozent der angekündigten Effekte als "heiße Luft" erwiesen hätten.

Weiterer Stellenabbau

Müller kündigte weiter an, im Zuge der "Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft" (MaK) weitere 150 bis 250 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2005 abzubauen. So werde es im inländischen Firmenkundengeschäft eine Zentralisierung auf 20 Gebietsfilialen und im Privatkundengeschäft auf sechs Kreditzentren geben, sagte der Commerzbank-Chef. Im Zuge der geplanten Kosteneinsparungen hat die Bank bereits angekündigt, bis Ende kommenden Jahres 3400 ihrer rund 40.000 Stellen abbauen zu wollen. Außerdem seien 1700 vakante Stellen gestrichen worden.

Hinsichtlich der Eigenkapitalrendite sagte Müller: "Aus dem operativen Geschäft erwarten wir eine Eigenkapitalrendite von vier bis fünf Prozent." Einschließlich des Ertrages aus Beteiligungsverkäufen und der Entkonsolidierung der Hypothekenbanktochter Rheinhyp soll die Rendite auf neun bis zehn Prozent steigen. Zum möglichen Verkauf von Industriebeteiligungen bekräftigte Müller, dass in der Bank über Veräußerungen etwa von Anteilen an Buderus, Linde, MAN oder Heidelberger Druck bei einem adäquaten Aktienkurs nachgedacht werde.

Anteilsverkäufe nicht geplant

Keine Pläne gibt es nach Müllers Worten derzeit, die bestehenden Überkreuzbeteiligungen mit den italienischen Geldhäusern Banca Intesa und Mediobanca zu reduzieren. Mit der spanischen Banco Santander sei man dagegen überein gekommen, dass eine gegenseitige Beteiligung nicht mehr notwendig sei.

Hinsichtlich des insolventen Automobilzulieferers Sachsenring, an dem die Bank mit zehn Prozent beteiligt ist, sagte Müller, bei Sachsenring liege das Engagement im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Der unbesicherte Teil sei bereits 2001 abgeschrieben worden, der Gesamtverlust werde im einstelligen Millionenbereich liegen.

Kapitalmaßnahmen zugestimmt

Die Aktionäre der Commerzbank haben den von dem Institut geplanten Kapitalmaßnahmen mit großer Mehrheit zugestimmt. Auf der Hauptversammlung am Freitag billigten die Anteilseigner, die knapp 59 Prozent des Grundkapitals repräsentierten, einen Aktienrückkauf von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals.

Eine Erhöhung des Grundkapitals um bis zu 30 Millionen Euro durch die Ausgabe junger Stückaktien sowie eine Ausgabe von Genussrechten von bis zu einer Millarde Euro bis Ende April 2007 wurden ebenfalls mehrheitlich befürwortet.

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