Hauptversammlung
Kirch-Anträge nicht zugelassen

Bei der konfliktreichen Hauptversammlung des sind am Mittwoch Anträge des Großaktionärs Leo Kirch nicht zur Abstimmung zugelassen worden, der unter anderem eine Sonderprüfung gegen den Springer-Vorstand verlangt hatte. Die beiden stärksten Aktionärs-Gruppen von Friede Springer und Leo Kirch verweigerten einander die Entlastung als Aufsichtsräte für das vergangene Geschäftsjahr.

Reuters/ dpa BERLIN. Aufsichtsratsmitglied Kirch, der 40 Prozent der Springer-Anteile hält, forderte bei der Aktionärsversammlung in Berlin durch einen Vertreter, die Ausübung einer Verkaufsoption durch Springer einer Sonderprüfung zu unterziehen. Dem Springer-Vorstand warf Kirch vor, die Interessen der Mehrheitsaktionärin Friede Springer über die des Unternehmens und der Aktionäre gestellt und damit dem eigenen Verlag geschadet zu haben.

Kirch hatte außerdem beantragt, wegen der ausgeübten Verkaufsoption Schadenersatzansprüche gegen den Springer-Vorstand und Aufsichtsrätin Friede Springer zu prüfen.

Der Aufsichtsrat wies beide Anträge zurück. Sie hätten nicht auf der Tagesordnung gestanden und beträfen das laufende, nicht aber das vergangene Geschäftsjahr, begründete das Gremium die Entscheidung. Vertreter Kirchs kündigten daraufhin rechtliche Schritte an. Auf Antrag Kirchs wurde Friede Springer als Aufsichtsrätin nicht entlastet. Aber auch Kirch, der persönlich erschien, entlasteten die Aktionäre nicht.

Der Springer-Verlag hatte im Frühjahr die Option zum Verkauf seines 11,5-prozentigen Anteils an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 für 767 Mil. ? an KirchMedia ausgeübt und damit die Krise des inzwischen weitgehend insolventen Medienkonzerns verschärft.

Der seit Jahren schwelende Streit zwischen dem Axel Springer Verlag und dem Medienunternehmer Leo Kirch ist offen ausgebrochen. Vertreter Kirchs forderten am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Verlages in Berlin Schadenersatz vom Vorstand sowie von der Großaktionärin Friede Springer. Auslöser ist die von Springer ausgeübte Verkaufsoption ihres 11,5-Prozent-Anteils an Kirchs ProSiebenSAT.1 Media AG.

Die Kirch-Vertreter warfen dem Vorstand vor, seine Pflichten gegenüber der Gesellschaft und den Aktionären verletzt und sich allein den Interessen von Friede Springer unterworfen zu haben. Zugleich sprachen sie sich für eine Sonderprüfung aus. Allerdings ließ Aufsichtsratschef Bernhard Servatius eine Abstimmung sowohl über die Sonderprüfung als auch Schandenersatz aus rechtlichen Gründen nicht zu.

Dagegen verweigerten die beiden stärksten Aktionärs-Gruppen von Friede Springer und Leo Kirch einander die Entlastung als Aufsichtsräte für das vergangene Geschäftsjahr. Der amtierende Vorstand um Chef Mathias Döpfner wurde dagegen trotz der Gegenstimmen aus dem Kirch-Lager entlastet. Die Verlegerwitwe und zwei weitere Springer-Erben halten 50 Prozent und zehn Aktien an dem Verlag, Kirch ist mit 40 % beteiligt.

Döpfner und der scheidende Aufsichtsratschef Servatius wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück. Springer hatte zu Jahresbeginn die Put Option für den Verkauf seiner Anteile an der Senderfamilie ProSiebenSAT.1 gezogen. Doch Kirch konnte den Kaufpreis von rund 770 Mill. ? nicht zahlen. Döpfner bekräftigte, dass die Anteile so lange im Besitz des Verlages bleiben, bis der vereinbarte Preis gezahlt werde. Kirch zweifelt seit längerem die Rechtmäßigkeit dieser Option an.

Kirchs Rechtsanwalt Ronald Frohne sagte, die Ausübung der Option und das Ausschlagen von Alternativen habe der Finanz- und Vermögenslage des Verlages nachhaltig geschadet. Wäre der Vorstand auf die Vorschläge der Kirch-Gruppe eingegangen, hätte er heute eine strategisch wertvolle Beteiligung von 28 % an der Senderfamilie sowie einen Buchgewinn von mehr als 100 Mill. ?. Es sei dem Vorstand und seiner Großaktionärin immer nur darum gegangen, einen "störenden Minderheitsgesellschafter loszuwerden und dessen Anteilsbesitz an genehme Dritte zu übertragen". Friede Springer habe ihren Einfluss auf den Vorstand genutzt, um ihre Interessen "ohne Rücksicht auf das Wohl und den drohenden erheblichen Schaden für die Gesellschaft" durchzusetzen.

Döpfner und Servatius hatten zuvor klargestellt, dass es bei der Ausübung der Put-Option keine Alternativen gegeben habe. Man habe mit dem Schritt nicht Kirch schwächen wollen. Der Aufsichtsrat, dem auch Kirch angehört, habe einstimmig festgestellt, dass der Vorstand richtig gehandelt habe, sagte Servatius, der sein Amt zum 30. Juni 2002 niederlegt.

Angaben der Kirch-Vertreter, wonach dem Verlag aus der Ausübung der "inzwischen wertlosen" Option Risiken von bis zu 800 Mill. ? drohten, wies der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef zurück. "Der Verlag kann wirtschaftlich nichts verlieren", sagte Döpfner. Mit Blick auf den 40-Prozent-Anteil Kirchs an Springer sagte Servatius, der Verlag sei mit der Aktionärsstruktur glücklich gewesen. Man schätze den Rat Kirchs, es sei ihm "stets um Gesellschaftsinteressen und nicht um Gesellschafterinteressen gegangen". Zu der zusammen mit dem Hamburger Heinrich Bauer Verlag angestrebten Übernahme der insolventen KirchMedia sagte Döpfner, es werde sich zeigen, ob dies zu wirtschaftlich vernünftigen Konditionen möglich sein werde. Der Springer Verlag ("Bild", "Die Welt") und der Bauer Verlag ("Bravo", "TV Movie") wollen mindestens 51 Prozent der KirchMedia mit ihrem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 übernehmen. Zum TV- Geschäft sagte Döpfner, man wolle sich entweder von den 11,5 Prozent an der Senderfamilie trennen oder aus "nicht-strategischen Beteiligungen strategische machen". Döpfner zufolge ist der Verlag mit 13 800 Beschäftigten und einem Umsatz von 2,8 Milliarden Euro (2001) für größere Übernahmen finanziell gut gerüstet. Er verfüge über einen beträchtlichen Kreditspielraum und erhebliche stille Reserven. Unabhängig vom Streit mit Kirch hat Springer nach dem Verlust im vergangenen Jahr wieder Kurs auf steigende Erträge genommen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sei ein positives operatives Ergebnis sowie ein Überschuss erzielt worden, sagte Döpfner. Im vergangenen Jahr war der Verlag erstmals mit 198 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht.

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