Hauptversammlung
MLP wirbt um Vertrauen der Aktionäre

Der Finanzdienstleister MLP hat nach den Turbulenzen um vermeintliche Unregelmäßigkeiten in seiner Bilanz auf der Hauptversammlung am Dienstag um das Vertrauen seiner Aktionäre geworben.

Reuters MANNHEIM. "Wir haben niemals höhere als die wirklichen Gewinne ausgewiesen", trat MLP-Chef Bernhard Termühlen auf der Hauptversammlung erneut kürzlich erhobenen Vorwürfen entgegen, MLP habe mit Rückversicherungsgeschäften seinen Gewinn aufgebläht und Schulden verschleiert. Aktionäre kritisierten vor allem die mangelhafte Informationspolitik des Unternehmens.

"Ich betrachte es gegenwärtig als das wichtigste Ziel, das Vertrauen in MLP und seinen Erfolg zu festigen", sagte Termühlen. Die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters war vor knapp zwei Wochen eingebrochen. Auslöser dafür waren Vorwürfe des Anleger-Magazins "Börse-Online" gewesen, MLP blähe mit Rückversicherungsgeschäften bei Lebensversicherungen seinen Gewinn künstlich auf und verschleiere daraus entstehende mögliche Verluste. MLP verkauft tatsächlich einen Teil seiner abgeschlossenen Lebensversicherungen an drei Rückversicherungen, um damit die Abschlussprovisionen an die MLP-Finanzvermittler zu finanzieren.

Versicherungsexperte bescheinigt saubere Bilanz

MLP-Chef Termühlen hatte Bilanztricks unverzüglich dementiert. Auch Versicherungsexperten bezeichneten die Rückversicherung von Lebensversicherungen als verbreitete Praxis und bestritten, dass MLP daraus Zahlungsverpflichtungen entstünden.

Die Aktie brach dennoch binnen zwei Tagen um ein Drittel auf gut 40 Euro ein und notierte am Dienstagmittag gegen den Trend bei 46,45 Euro mit 1,6 Prozent im Plus. Als unabhängiger Versicherungsexperte erläuterte der Wirtschaftsprofessor Peter Albrecht auf der Hauptversammlung das Rückversicherungsgeschäft.

Albrecht, selbst MLP-Aktionär, trat der Kritik an den Bilanzierungspraktiken von MLP entschieden entgegen. Die Rückversicherung von Lebensversicherungen sei bei jungen, stark wachsenden Versicherungen üblich. Die Versicherung nehme damit keine Kredite auf. Es würden weder Schulden verschleiert noch Gewinne aufgebläht. Unter dem Beifall der Aktionäre zeigte sich Albrecht verärgert über die Berichterstattung des Anleger-Magazins.

Bessere Informationspolitik gefordert

Vertreter von Kleinaktionären forderten MLP angesichts des starken Kursverfalls zu einer besseren Informationspolitik auf. "Es muss endlich eine offene, transparente Kommunikation mit dem Kapitalmarkt geben", forderte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Wie die SdK beantragte auch Kleinaktionärin Anneliese Hieke, die bereits mehrere Prozesse gegen MLP verloren hat, Entlastungsverweigerung.

Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) schloss sich dem nicht an und erklärte, er könne die Vorwürfe des Magazins nach allen Informationen nicht nachvollziehen. Der Aktienkurs könne aber nur wieder zulegen, wenn sich das Management darauf konzentriere, aus den negativen Schlagzeilen herauszukommen, anstatt Prozesse mit Kleinaktionären führen zu müssen.

Ein Prozess steht MLP zurzeit noch beim Oberlandesgericht Karlsruhe in zweiter Instanz bevor. Hieke hatte gegen die schon beschlossene Kapitalerhöhung um 38,4 Prozent geklagt, mit der die MLP-Tochterunternehmen in die Holding eingegliedert werden sollen. Die Töchter seien zu hoch bewertet, das Kapital werde verwässert, erneuerte Hieke ihre Kritik und erntete dafür Buhrufe wie Beifall.

Weiterer Wirtschaftsprüfer soll bestellt werden

Termühlen versprach, MLP werde seine Kommunikation verbessern. Den starken Kursverfall erklärte der MLP-Chef mit der Nervosität der Kapitalmärkte, die zurzeit jedes Gerücht bereitwillig aufnähmen. "Bitte messen sie mich und meine Vorstandskollegen an unseren Zahlen und an der Realisierung unserer positiven Prognosen und nicht an zweifelhaften, böswilligen Spekulationen und Unterstellungen", appellierte er zum Schluss seiner mit viel Beifall bedachten Rede.

Firmengründer und Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger betonte, der Aufsichtsrat habe keinen Zweifel an der MLP-Bilanz. Um dennoch möglichen Schaden von dem Unternehmen und seinen Aktionären abzuwenden, werde zusätzlich zu Rölfs WP Partner noch Ernst & Young als Prüfer der Bilanz 2002 vorgeschlagen. Ernst & Young sei außerdem beauftragt worden, die Bilanzen 2001 der MLP-Versicherungstöchter im Hinblick auf das Rückversicherungsgeschäft zu prüfen. Eine Bilanz-Sonderprüfung, wie sie die SdK erneut forderte, hatte MLP aber abgelehnt.

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